Flugzeugentführungen
Diese Airline erhielt wegen der ständigen «Hijacks » sogar einen unrühmlichen Spitznamen

Flieger werden aus den verschiedensten Gründen gekapert. Die staatlich angeordnete Entführung des Ryanair-Flugzeugs markiert den Start in ein neues Kapitel der traurigen Geschichte.

Samuel Schumacher
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Im September 1970 entführten palästinensische Terroristen einen Swissair-Flieger und leiteten das Flugzeug auf den abgelegenen Militärflugplatz Dawson's Field um.

Im September 1970 entführten palästinensische Terroristen einen Swissair-Flieger und leiteten das Flugzeug auf den abgelegenen Militärflugplatz Dawson's Field um.

Keystone

Über den Wolken, sang Reinhard Mey 1974, müsse die Freiheit wohl grenzenlos sei. Ganz anders sieht es mit der Sicherheit aus. Spätestens seit der von Weissrusslands Diktator Alexander Lukaschenko angeordneten Flugzeugentführung ist klar, dass die politischen Konflikte auf Erden sich bis weit hinauf in den Luftraum ausdehnen.

Die staatlich angeordnete Entführung des Ryanair-Fliegers ist ein neues Kapitel in der Geschichte der Flugzeugentführungen, die sich bislang grob in vier Phasen unterteilen lässt.

1920er- bis 1930er-Jahre: Verwirrte Möchtegern-Piloten

Eine der abstrusesten Flugzeugentführungen ereignete sich am 25. Mai 1928 am Himmel der US-Metropole Detroit. Der Passagier Clarence Frechette griff den Piloten seines Kleinfliegers mit einem Hammer an und wollte sich selber ans Steuer setzen. Das Flugzeug stürzte ab, beide landeten im Spital. Weniger Glück hatten die drei Männer, die am 25. September 1932 – ohne jegliche Flugerfahrung – ein Flugzeug aus einem Hangar in Brasilien entführten und kurz darauf zu Tode stürzten.

1950er- bis 1990er-Jahre: Politische Fluchtversuche

Am 24. März 1950 wichen drei tschechoslowakische Piloten mit ihren DC-3-Fliegern von der geplanten Route ab und leiteten die Maschinen auf die US-Luftwaffenbasis Erding in Westdeutschland um, um dem Sowjetregime zu entfliehen. Solche politischen Fluchtversuche aus dem Ostblock waren keine Seltenheit. Alleine zwischen August 1978 und Mai 1982 wurden sieben Flieger der polnischen Fluggesellschaft LOT entführt und auf den Flughafen Tempelhof in West-Berlin umgeleitet. Die Airline erhielt in Berlin damals den Übernamen «LOT – Landet Ooch in Tempelhof». Tragisch endete der Versuch dreier Äthiopier, die am 23. November 1996 ein Flugzeug der Ethiopian Airlines entführten, um Asyl in Australien zu beantragen. Der Flieger stürzte unweit der Komoren-Inseln ins Meer, 127 Menschen starben. Der Absturz wurde von Badetouristen auf den Komoren gefilmt.

127 Menschen kamen beim Absturz des Ethiopian-Airlines-Fliegers vor den Komoren ums Leben.

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1960er- und 1970er-Jahre: Erpressungsmanöver

In den 1960er- und 1970er-Jahren schafften es palästinensische Terroristen mehrfach, Flugzeuge zu entführen und politische Gefangene im Tausch gegen die Geiseln freizupressen. Besondere Berühmtheit erlangte die Entführung eines Air-France-Fluges am 27. Juni 1976, der auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris ins ugandische Entebbe umgeleitet wurde. Der ugandische Diktator Idi Amin unterstützte die Entführer. Israelische Spezialeinheiten befreiten schliesslich 102 der Entführten. Bei der spektakulären Aktion kamen mehrere Personen ums Leben, darunter der Bruder des aktuellen israelischen Premiers Benjamin Netanjahu.

11. September 2001: Flugzeug als Terrorwerkzeug

«9/11» läutete die Ära des «Kriegs gegen den Terrorismus» ein. Al-Kaida-Terroristen entführten vier amerikanische Passagierflieger und steuerten sie in die New Yorker Zwillingstürme und das Pentagon. Die Passagiere des American Airlines Fluges 93, der das Kapitol als Ziel hatte, überwältigten die Terroristen und brachten das Flugzeug auf einem Feld in Pennsylvania zum Absturz. Mehr als 3200 Menschen kam bei den Anschlägen ums Leben. Es war das erste und bislang einzige Mal, dass Passagierflugzeuge als Waffen eingesetzt worden sind.

Einen Terroranschlag mit zivilen Flugzeugen hatte es vor dem 11. September 2001 noch nie gegeben.

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