Hillary Clinton kandidiert 2020 nicht für US-Präsidentschaft

Hillary Clinton bewirbt sich nicht um die Nomination der Demokraten für die nächste Präsidentenwahl 2020. Damit endet ein langes Kapitel amerikanischer Politgeschichte.

Renzo Ruf, Washington
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Die 71-jährige Ex-Aussenministerin Hillary Clinton. (Bild: Kathy Willens/AP, New York, 7. Januar 2019)

Die 71-jährige Ex-Aussenministerin Hillary Clinton. (Bild: Kathy Willens/AP, New York, 7. Januar 2019)

Eigentlich war der Kandidaturverzicht nur noch eine Formsache – denn nach ihrer überraschenden Niederlage bei der Präsidentenwahl 2016 ist die Begeisterung für Hillary Clinton selbst bei Parteifreunden abgekühlt. Und dennoch gelang es der 71-jährigen Demokratin am Montag erneut, mit ihrer Aussage, sie werde bei der nächsten Wahl fürs Weisse Haus nicht antreten, Schlagzeilen zu produzieren. «Ich kandidiere nicht», sagte Clinton einem lokalen Fernsehsender in New York – und beendete damit endlich die Spekulationen über die Fortsetzung ihrer politischen Karriere. Gleichzeitig bekräftigte sie aber auch, dass sie vorderhand nicht in den Ruhestand treten wolle. Sie habe noch viel zu sagen, gab Clinton bekannt, und werde sich weiterhin zu den vordringlichsten politischen Problemen zu Wort melden.

Tatsache ist: Diese Wortmeldungen sind in den vergangenen Monaten häufig ungehört verhallt. Denn die Demokraten haben sich dazu entschieden, das lange Kapitel «Bill und Hillary Clinton» zu schliessen. Dies hängt zum einen mit dem Ausgang der Wahl 2016 zusammen; viele Aktivisten werden es den Clintons nie verzeihen, dass sie mitverantwortlich für Präsident Donald Trump sind. Zum anderen ist die Politik, für die zuerst Bill und dann Hillary eintraten, in der modernen Demokratischen Partei nicht mehr gefragt. Heute positionieren sich die aktuellen Anwärterinnen und Anwärter für das Präsidentenamt – Figuren wie Kamala Harris oder Elizabeth Warren oder Cory Booker – am linken Rand des Spektrums. Ehemalige Modewörter wie «triangulation», die verdeutlichten, wie Bill Clinton in den Neunzigerjahren sowohl demokratische als auch republikanische Parlamentarier auf Distanz hielt, sind in Vergessenheit geraten. Und irgendwann ist selbst ehemaligen Clinton-Fans die Lust vergangen, das Ehepaar gegen anhaltende Kritik zu verteidigen.

Immerhin kann Hillary Clinton stolz darauf sein, Geschichte geschrieben zu haben. Sie war im Jahr 2000 die erste Präsidentengattin, der es gelang, aus eigener Kraft eine politische Karriere einzuschlagen – als Vertreterin des Staates New York im amerikanischen Senat. 2009, nach ihrer Niederlage in den ­demokratischen Vorwahlen, wurde sie von Präsident Barack ­Obama zur Aussenministerin berufen. Dabei ergänzten sich die beiden Rivalen überraschend gut, auch wenn sich enge Mitarbeiter Obamas regelmässig über die Eskapaden Clintons beschwerten. 2016 erfolgte dann die eigent­liche Krönung der Karriere Clintons, die in den Siebzigerjahren an der Seite ihres Gatten Bill im Staat Arkansas begonnen hatte: Die Nomination zur ersten weiblichen Präsidentschaftskandidatin einer der beiden Grossparteien.

Der Rest ist bekannt. Clinton verlor, und Trump scheint sich noch heute, mehr als zwei Jahre später, nicht mit seinem Sieg über die ehemalige Rivalin zufriedenzugeben. Regelmässig attackiert er Clinton und fordert, dass sie hinter Gitter wandern müsse, weil sie der eigentliche Bösewicht in der Wahl-Saga 2016 sei. Hillary Clinton sagt derweil, sie freue sich darauf, künftig etwas kürzerzutreten. Und Zeit mit ihren bald schon drei Gross­kindern zu verbringen.