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Eine Senegalesin wird zur neuen Sprecherin von Präsident Macron

Sibeth Ndiaye ist unkonventionell, direkt – und nun Emmanuel Macrons neue Regierungssprecherin. Sie soll für den Präsidenten volksnaher kommunizieren.
Stefan Brändle, Paris
Sibeth Ndiaye verlässt nach der wöchentlichen Kabinettssitzung den Élysée-Palast in Paris. (Bild: Christophe Petit Teson/EPA, 1. April 2019)

Sibeth Ndiaye verlässt nach der wöchentlichen Kabinettssitzung den Élysée-Palast in Paris. (Bild: Christophe Petit Teson/EPA, 1. April 2019)

Kein Zweifel, sie sticht heraus. Und das nicht nur wegen ihrer Hautfarbe, die in den höchsten Sphären des französischen Staatsapparates selten vertreten ist. Sibeth Ndiaye steht auch für eine direktere, schnörkellose Sprache fernab des geschliffenen Jargons bestandener Elysée-Kommunikatoren. Seit Montag ist sie die Stimme des Präsidenten. Als Sprecherin der Regierung in Paris hat sie die Aufgabe, der Nation die präsidialen Ideen und Beschlüsse mitzuteilen. Gerade in politisch gespannten Zeiten, wie sie Frankreich derzeit mit der Gelbwestenkrise und Macrons Popularitätsverlust erlebt, kommt der Kommunikation höchste Bedeutung zu.

Sibeth Ndiaye ist keine Novizin im Pariser Politgeschäft. Die 39-jährige Mutter von drei Kindern stammt aus Senegal. «Die, die viele Kämpfe gewonnen hat», wie ihr Vorname in der Sprache der Diola heisst, wuchs in der Hauptstadt Dakar auf, ihr Vater war ein Spitzenpolitiker, ihre Mutter Präsidentin des Verfassungsgerichtes. Von ihren Eltern in eine bekannte Pariser Mittelschule geschickt, trat Sibeth in die Sozialistische Partei ein, als der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen 2002 in die Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahlen gelangte. Als Politikstudentin betätigte sie sich im Banlieue-Departement Seine-Saint Denis, und obwohl sie kein Diplom von Eliteschulen hatte, machte sie sich im Pariser Politbetrieb rasch einen Namen.

2016 in Frankreich eingebürgert, engagierte sie sich vor den Präsidentschaftswahlen im jungen, verschworenen Staff von Emmanuel Macron. Nach seiner Wahl wurde sie seine Pressechefin – und verscherzte es sich gleich mit der «presse présidentielle»: Mit dem Segen ihres Chefs vertrieb sie die Journalisten aus dem Elysée-Palast und quartierte sie in ein Nebengebäude ein.

Die Verbannung der Presse aus dem Elysée-Hof hatte auch ihr Gutes, befreite sie die Presse doch von ihrer Nähe und Abhängigkeit von der Staatsmacht. Ndiaye machte sich dennoch unbeliebt. Viele Journalisten vermuteten sie hinter kruden Sprüchen Macrons, so etwa über die «Wahnsinns-Kohle», die das französische Sozialwesen verschlinge. Am Montag verteidigte sie sich, diese Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Die Linksopposition ätzte trotzdem, Macrons Pressefrau stehe offenbar dazu, «dass sie ihre Zeit damit verbringt, Fake News zu verbreiten». Andere bezeichneten Ndiaye als «Zerberus», als Kettenhund des Präsidenten.

Als Ndiaye am Montagmorgen von ihrem Vorgänger den Posten übernahm, war allerdings nichts zu sehen von der «beissenden» Art, die ihr auf Twitter häufig angedichtet wird: Fast schüchtern trat sie vor die Mikrophone, und ihr Lampenfieber nicht verhehlend, erklärte sie, sie wisse um den «harten Widerspruch», auf den sie vielenorts stosse. Vor allem weiss Ndiaye, wie exponiert sie ab sofort ist: Ihre tägliche Medienpräsenz kann ein Sprungbrett für höhere Funktionen sein, falls sie reüssiert – oder ein politischer Pranger für den unter Druck stehenden Präsidenten.

Macron wählte seine enge Vertraute zweifellos auch, um das Image einer stromlinienförmigen und technokratischen Elite im Elysée zu korrigieren. Dass Ndiaye gerne frei von der Leber spricht, birgt allerdings auch Risiken: Seine politisch unkorrekten, teils despektierlichen Sprüche haben dem Präsidenten effektiv schon stark geschadet. Macron zeigt mit der Ernennung auf jeden Fall Mut: Er begnügt sich nicht nur – wie die meisten französischen Politiker – mit Worten, was die Förderung immigrierter Talente betrifft, sondern schreitet auch zur Tat. Im Rahmen der kleinen Regierungsbildung, die wegen des wahlkampfbedingten Austritts von drei Ministern nötig wurde, ernennt er den 36-jährigen Cédric O, der einen koreanischen Vater hat, zum Staatssekretär für digitale Belange. Neue Europa-Staatssekretärin wird die 33-jährige Amélie de Montchalin.

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