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In Mali haben Dschihadisten immer mehr Zulauf

Im Schlüsselstaat der Sahelzone sollten die Präsidentschaftswahlen den Islamisten einen Riegel schieben. Sie drohen ihnen aber eher Vorschub zu leisten.
Stefan Brändle, Paris
Ein Wahlplakat des Amtsinhabers Ibrahim Boubacar Keïta auf einem Markt in Bamako.(Bild: Mohammed Messara/EPA, Bamako, 30. Juli 2018)

Ein Wahlplakat des Amtsinhabers Ibrahim Boubacar Keïta auf einem Markt in Bamako.(Bild: Mohammed Messara/EPA, Bamako, 30. Juli 2018)

Wenn man in Rechnung stellt, dass sich Mali in einer Art Bürgerkrieg befindet, war es fast eine Vorzeigewahl. Der amtierende Präsident Ibrahim Boubacar Keïta (73), genannt IBK, erzielte im ersten Wahlgang 41,4 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Soumaïla Cissé (68), genannt «Soumi», 17,8 Prozent. Das gab die Wahlkommission am Freitag bekannt. Nächsten Sonntag findet die Stichwahl statt.

Die 22 übrigen Kandidaten sprachen in einem gemeinsamen Communiqué von Wahlfälschung. Die Wahl sei eine abgekartete Sache, um IBK an der Macht zu halten. Und zwar – was nicht gesagt wird – auch auf Wunsch Frankreichs, nach wie vor Machtfaktor Nummer eins in der Ex-Kolonie. 5000 französische Soldaten versuchen seit 2013, die diversen aus der Sahara eindringenden Islamisten-Milizen zu verjagen.

Gerade in der umkämpften Wüstenzone, wo Cissé populärer ist, blieben in den letzten Tagen über 700 Wahlbüros geschlossen; andere Gegenkandidaten von IBK berichten zudem über die Existenz eines «Parallel-Wählerregisters», mit dem die Wahlergebnisse nach Belieben manipuliert worden seien.

Zwei unbeliebte Kandidaten

Cissé geniesst bei den 19 Millionen Maliern allerdings nicht mehr ­Vertrauen als IBK: Beide sind langjährige Vertreter der Machtelite in Bamako. Beide betreiben ihre Kampagne vorab mit Lastwagenladungen von T-Shirts, die sie an die Ärmsten des armen Sahelstaates verteilen; und beide stützen sich auf ihre Clans, in die ein Grossteil der Entwicklungsgelder aus Europa versickert. Seit 2013, als die Franzosen die Ausbreitung des islamistischen Gottesstaates von Timbuktu bis nach Bamako mit einem Blitzeinsatz verhinderten, hat die internationale Gemeinschaft jährlich rund 1 Milliarde Dollar gespendet – die Hälfte der staatlichen Investitionen Malis. Was aus dem Geld geworden ist, will niemand sagen. Aber alle wissen es. Der IBK-Clan gilt nicht als korrupter als andere, nicht korrupter als die ganze Bürokratie der Hauptstadt. Dass der amtierende Präsident einen für ihn erniedrigenden zweiten Wahlgang überhaupt zulassen muss, spricht Bände über seine Unpopularität. 2013 hatte er sich als starken Mann präsentiert, der nach der Vertreibung der Islamisten die nötigen Reformen anpacken wollte, um das ethnisch sehr diverse Land zu befrieden. Getan hat er sehr wenig. Tatenlos schaute er in seinem Präsidentenpalast in den letzten fünf Jahren zu, wie Mali, ein tolerantes Land mit einem moderaten Islam, zu einem religiös-sozialen Pulverfass geworden ist.

Die Dschihad-Banden breiten sich bis in den Landeskern um die Stadt Mopti aus. «Immer mehr Leute wenden sich ihnen zu», sagte der Bürgermeister des Orts Nampala, Sékou Bah. Die Islamisten ziehen Sozialwerke auf und bieten den Armen eigene Richter als Alternative zur korrupten Justiz an. Ganze Ethnien wie etwa die Peuls halten offenbar schon zu den Islamisten.

Zehntausende Geflüchtete

Die Präsidentschaftswahl verstärkt diesen Trend nur noch. IBK wie auch Cissé pflegen selbst ethnische Wählerschaften und kooperieren unter der Hand mit Moscheen, denen die Dschihadisten ein Dorn im Auge sind. Die malische Armee versucht dem Vormarsch der Dschihadisten Einhalt zu gebieten, ist dazu aber viel zu schlecht ausgerüstet und motiviert. Umso brutaler geht sie gegen verdächtige Zivilisten vor.

Zehntausende von Maliern sind vor den Attentaten und der Gewalt – die auch im Wahlkampf Dutzende Tote forderte – in Nachbarländer geflüchtet. Mit ihnen breitet sich das Dschihad-Einzugsgebiet auf die Region aus. Während die französische Armee das riesige Land Mali eher schlecht als recht zu kontrollieren sucht, richtet die US-Armee nun eine Basis in Agadez (Niger) ein. In einem ersten Schritt überwacht sie das Grenzgebiet mit Drohnen und Aufklärungsflugzeugen. US-Truppeneinsätze zur Vermeidung eines Flächenbrandes scheinen nur eine Frage der Zeit.

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