Deutschland
Einer dieser Drei wird am Samstag zu Angela Merkels Nachfolger gewählt

Friedrich Merz, Armin Laschet, Norbert Röttgen: Die deutschen Konservativen entscheiden, wer ihr neuer Chef wird – und damit beste Chancen aufs Kanzleramt hat.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz Friedrich Merz (r), Armin Laschet (m) und Norbert Röttgen sitzen nach einer Diskussionsrunde im Konrad-Adenauer-Haus. Am Samstag gilt es ernst.

Die drei Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz Friedrich Merz (r), Armin Laschet (m) und Norbert Röttgen sitzen nach einer Diskussionsrunde im Konrad-Adenauer-Haus. Am Samstag gilt es ernst.

Michael Kappeler / dpa

Die grösste deutsche Volkspartei kürt am Samstag ihren neuen Chef. Fast im Stillen, denn die Coronapandemie verhinert fesselnde Ansprachen, Ovationen, Emotionen, wie sonst an Parteitagen.

Die amtierende CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte im vergangenen Februar ihren Rückzug vom Parteivorsitz angekündigt. Nun stehen drei CDU-Politiker zur Wahl, allesamt aus Nordrhein-Westfalen: Der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, 65, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, 59, und der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen, 59.

Interessant ist die Frage, wer künftig an der Spitze der Christdemokraten stehen wird, vor allem mit Blick auf die deutsche Bundesregierung. In der Regel ist der Vorsitzende der CDU zugleich Kanzlerkandidat der Unionsparteien CDU und CSU.

Weil die Union die mit Abstand stärkste politische Kraft im Land ist, hat der Unions-Spitzenkandidat gute Chancen, ins Kanzleramt einzuziehen. Im September dieses Jahres stehen die Bundestagswahlen an. Kanzlerin Angela Merkel wird nach 16 Jahren an der Spitze der deutschen Regierung definitiv abtreten. Deutschland braucht also einen neuen Regierungschef.

Merz ist beliebt bei der Parteibasis

Der ehemalige Unions-Fraktionschef Friedrich Merz hatte der deutschen Politik jahrelang den Rücken gekehrt. In der Finanzwirtschaft hatte er ein fürstliches Auskommen, unter anderem als Verwaltungsratschef beim Vermögensverwalter Blackrock Deutschland. 2018 kehrte er zurück und bewarb sich erfolglos um den CDU-Vorsitz. Vor allem bei der Parteibasis geniesst er jedoch einen hohen Stellenwert.

Merz ist der Liebling der Wirtschaftsvertreter in der Partei und der Konservativen, die mit der in die Mitte gerückten CDU von Angela Merkel in den letzten Jahren gefremdelt haben. Allerdings wird der Parteichef nicht von der Basis gewählt, sondern von den Delegierten, zumeist Mandatsträger.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat deshalb gute Chancen auf die Wahl, da die Partei fast 20 Jahre lang durch den liberalen Merkel-Kurs geprägt worden ist. Laschet gilt als «Versöhner» und steht für eine Fortführung der Politik der letzten Jahre.

Der ehemalige Bundesumweltminister und heutige Aussenpolitiker Norbert Röttgen stieg als Aussenseiter ins Rennen, macht in Umfragen aber stetig Boden gut. Er wirbt für eine Modernisierung Deutschlands und will die CDU als treibende Kraft im Umweltschutz positionieren. Röttgen haftet der Makel einer schweren Niederlage bei den Landtagswahlen 2012 in Nordrhein-Westfalen an. Damals war Röttgen Spitzenkandidat seiner Partei.

Wird es am Ende doch ein Bayer?

In Stein gemeisselt ist in diesem Jahr nicht, dass der neue CDU-Chef automatisch Kanzlerkandidat der Unionsparteien CDU und CSU wird. Die Union will sich bis nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März Zeit lassen, um sich in der «K-Frage» festzulegen. Freilich haben sowohl Laschet als auch Merz im Falle ihrer Wahl an die CDU-Spitze bereits ihre Ambitionen auf das höchste Regierungsamt angemeldet, anders als Norbert Röttgen.

Allerdings ist es immer noch möglich, dass der in der Bevölkerung sehr beliebte bayerische Ministerpräsident Markus Söder für die Union als Kanzlerkandidat aufgestellt wird. Der 54-jährige Franke betont zwar regelmässig, sein Platz sei in Bayern – doch Söder kokettiert deutlich mit dem höchsten Amt im Land. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass die CDU in der Kanzlerfrage der kleinen bayerischen Schwesterpartei CSU den Vortritt gewährt. Vor allem Laschet, aber auch Merz dürften selbst nach dem Kanzleramt streben.