US-Wahlen
Einer gratulierte Trump bereits zum Sieg – aus der Schweiz gab es Kritik

International reichten die Reaktionen auf die umkämpfte US-Wahl von Jubel bis Empörung. Aus der Schweiz kamen kritische Stimmen.

Fabian Hock
Merken
Drucken
Teilen
Donald Trump, US-Präsident.

Donald Trump, US-Präsident.

Keystone

Selbst Roger Köppel war empört. Ein «No-Go» sei das, was sich Trump da leistete, schrieb der Zürcher SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger am Mittwoch auf Twitter. Der amerikanische Präsident halte sich viel besser als erwartet, aber «es ist absolut unverantwortlich, sich jetzt zum Sieger zu erklären», so Köppel, der Donald Trump sonst allzu gern gegen Kritik an dessen Amtsführung verteidigt. Doch sich zum Sieger der Präsidentschaftswahl zu ­erklären, während in umkämpften Schlüsselstaaten noch fleissig ausgezählt wurde, das ging auch Köppel zu weit.

Deutschland schiesst sich auf Trump ein

Anders sah das gestern der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa. Dieser gratulierte Trump kurzerhand zum Wahlsieg: «Es ist ziemlich klar, dass das amerikanische Volk Donald Trump und Mike Pence für weitere vier Jahre gewählt hat», schrieb der rechtsnationale Politiker auf Twitter.

So gespalten sich die amerikanischen Wähler an der Urne zeigten, so unterschiedlich fielen die Reaktionen auf die historische Präsidentschaftswahl welt- und schweizweit aus. Während CVP-Nationalrat Philipp Kutter aus Zürich die «Demoskopen und US Korrespondenten aus Europa» ins Visier nahm, die ja einen klaren Sieg für Biden vorausgesagt hatten, aber doch so daneben gelegen hätten, schoss man sich in Deutschland erwartungsgemäss auf Trump ein.

Marine Le Pens Hoffnungen auf Trumps Wiederwahl

Politiker fast aller deutschen Parteien übten scharfe Kritik am Verhalten des Amtsinhabers. Besonders Trumps ­Manöver, sich vorzeitig zum Wahlsieger zu erklären, stiess vielen sauer auf. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nannte die unklare Situation «sehr explosiv». Das sei eine «Schlacht um die Legitimität des Ergebnisses». SPD-Chefin Saskia Esken sprach von antidemokratischem Verhalten, Linken-Chef Bernd Riexinger von einem «erneuten Angriff auf die Demokratie». So kritisch ging indes nicht jeder mit dem amerikanischen Präsidenten ins Gericht. AfD-Chef Jörg Meuthen etwa konnte die Aufregung über das Verhalten Trumps nicht nachvollziehen. Man müsse sich keine Sorgen um das Funktionieren der Demokratie in den USA machen, sagte er.

Die französische Nationalistin ­Marine Le Pen äusserte sich positiv über einen möglichen Wahlsieg Trumps: «Die einzige Frage, die mich antreibt, ist: Ist die Wiederwahl von Donald Trump besser für Frankreich und für die Interessen Frankreichs als die Wahl von Joe Biden?», sagte sie am Mittwochmorgen in einem Fernsehinterview. Trump stehe für die Rückkehr der Nation, die Rückkehr des Patriotismus. «Ich denke, die Wiederwahl von Trump wäre auf jeden Fall besser für Frankreich», sagte sie.

Roger Köppel verfasste seine Trump-Kritik übrigens nicht in Erwartung einer Niederlage des Amtsinhabers. Dass Trump die Wahl gewinnt, hielt der SVP-Politiker auch nach seinem «No-Go»-Tweet für wahrscheinlich: «Lehre der Geschichte», tweetete er rund zwei Stunden später, «Wer Ohio gewinnt, gewinnt die Wahl.» Zu dem Zeitpunkt war bereits klar: Der «Swing State» Ohio geht an Trump. Nach einer Wiederwahl des Republikaners sah es am Mittwochabend jedoch ganz und gar nicht mehr aus.