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Einstellung der Produktion: Der A380 wird vom Prestige-Flieger zum Ladenhüter

Airbus stellt die Produktion des Riesenflugzeugs A380 ein. Das Ende des Prestigeprojektes erfolgt ausgerechnet während eines Führungswechsels beim europäischen Hersteller.
Stefan Brändle, Paris
Ein Airbus A380 landet am Flughafen Beirut im Libanon. Der Doppel-Decker-Flieger ist für den Massentransport ausgelegt. (Bild: AP Photo/Bilal Hussein)

Ein Airbus A380 landet am Flughafen Beirut im Libanon. Der Doppel-Decker-Flieger ist für den Massentransport ausgelegt. (Bild: AP Photo/Bilal Hussein)

Es war «Liebe auf den ersten Blick», hiess es auf dem gigantischen Rumpf des Flugzeugs: 50'000 Aviatikfans waren an jenem Frühlingstag des Jahres 2005 mit Campingcars oder Privatjets in die französische Pyrenäenstadt Toulouse gereist, um den Jungfernflug des A380 zu erleben. Als der Supervogel abhob, applaudierten sie spontan: Endlich boten die Europäer den Amerikanern und ihrem legendären «Jumbo Jet» Paroli, endlich flogen sie auf Augenhöhe mit dem bisherigen Monopolisten im Bereich der Grossflugzeuge. Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Tony Blair nannten den A380 unisono:

«Symbol der europäischen Integration»

Die Liebe hielt nicht ganz ein Jahrzehnt. Als der erste A380 im Jahr 2017 an eine Fluggesellschaft, die Singapore Airlines, ausgeliefert wurde, staunten die 544 Passagiere noch über die Erstklass-Suiten mit richtigen Betten und Wänden. Die Fachwelt fragte eher, ob die Investitionskosten von 12 Milliarden Euro jemals wieder eingespielt werden könnten. Und die Hauptkunden wie Emirates lagen dem Hersteller mit Sonderwünschen mächtig in den Ohren.

Solange sie aber das Grossflugzeug noch im Dutzend bestellten, sagte niemand etwas. Dann aber gingen die Aufträge zurück. Im Jahr 2013 mutierte der A380 zum Pechvogel: Keine einzige Maschine wurde in dem Jahr bestellt. Airbus musste die Fertigung massiv zurückfahren. 2017 wurden die Europäer bei der Flugschau in Dubai von den Emirati richtiggehend desavouiert: Gekommen, um endlich wieder einmal einen versprochenen A380-Auftrag einzuheimsen, mussten sie bitter miterleben, wie der Konkurrent Boeing die meisten Aufträge erhielt.

79 Auslieferungen stehen noch aus

Ab 2018 wurde nur noch ein A380 pro Monat ausgeliefert – laut Fachleuten das industrielle Minimum. Nun hat auch Emirates seine Bestellungen um 39 (auf 123) des Doppeldecker-Flugzeuges reduziert. Damit hat die Golf-Airline dem A380 endgültig das Genick gebrochen.

Ohne Überraschung hat Airbus am Donnerstag deshalb die definitive Einstellung des Grossfliegers bekanntgegeben. Die letzte Auslieferung soll 2021 erfolgen. Noch stehen 79 Auslieferungen aus, doch scheint es sehr fraglich, ob sie alle realisiert werden.

3500 Arbeitsplätze sind betroffen

Der scheidende Airbus-Chef Tom Enders erklärte bei der Vorlage der Jahresbilanz in Toulouse am Donnerstag:

«Die Ankündigung ist schmerzlich für uns und für die A380-Communities weltweit.»

Sein Unternehmen werde in den nächsten Wochen mit den Sozialpartnern Gespräche über die Zukunft der knapp 3500 betroffenen Arbeitsplätze führen. Es gebe zahlreiche Möglichkeiten für interne Stellenwechsel. Allerdings baut Airbus seit längerem schon generell Stellen ab.

Alles in allem endet mit dem A380 eine Ära der Luftfahrt – die der Grossraumflugzeuge. Dank der Beförderung von bis zu 800 Passagieren konnte Airbus die Transportkosten pro Sitz zwar gegenüber Boeing B747 um 15 Prozent senken. Doch das genügte nicht: Wegen der steigenden Kerosinpreise rechnete sich der A380 für viele Airlines auch im Modus «Sardinenbüchse» nicht.

Druck der Konkurrenz trotz Umsatzsteigerung spürbar

Der am Donnerstag vorgestellte Jahresabschluss übertrifft die Erwartungen einmal mehr: Airbus steigerte seinen Umsatz von 59 auf 63,7 Milliarden Euro, den Betriebsgewinn von 3,2 auf 5,8 Milliarden Euro.

Diese Zahlen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Airbus die Nase in dem Dauerwettbewerb momentan gerade hinter Boeing hat. Der US-Konzern sammelte im vergangenen Jahr bedeutend mehr Bestellungen – deren 893 – als die Europäer. Der kleine Emirates-Rivale Etihad stornierte zudem am Donnerstag einen Auftrag über 42 Exemplare des A350.

Das Aus für den A380 ist auch ein psychologischer Rückschlag für die Airbus-Händler. Sie sind ohnehin schon geschwächt durch die Pensionierung des jahrzehntelangen und überaus erfolgreichen Chefverkäufers John Leahy. Durch mehrere Korruptionsaffären seines Konzerns unter Druck, tritt auch Konzernchef Enders ab. Er wird durch Guillaume Faury ersetzt, der die neue Airbus-Garde verkörpert.

Obwohl der 50-jährige Franzose sein Amt erst im April antreten wird, hat er laut Insidern bereits eine Planungsabteilung eingesetzt, welche die Strategie des ganzen Unternehmens von Grund auf überprüfen soll. Inoffizieller Titel der Übung: «Airbus' Next Chapter», zu Deutsch: Das nächste Airbus-Kapitel nach der Bauchlandung des A380.

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