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«Eiserne Lady» veränderte das Gesicht

Sie war charismatisch, humorvoll und soll sich liebevoll um ihre Nächsten gekümmert haben - doch für die Nachwelt wird Margaret Thatcher vor allem die «Eiserne Lady» bleiben.
Margaret Thatcher, hier in einer Aufnahme mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl aus dem Jahr 1989. (Bild: Keystone)

Margaret Thatcher, hier in einer Aufnahme mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl aus dem Jahr 1989. (Bild: Keystone)

International setzte sie Zeichen durch den Falkland-Krieg und die enge Partnerschaft mit US-Präsident Ronald Reagan beim Fall des Eisernen Vorhangs, in der EU bleibt sie wohl als die Frau in Erinnerung, die oft «Nein» sagte. Am Montag starb Thatcher im Alter von 87 Jahren.

Geboren am 13. Oktober 1925 wächst Margaret Hilda Roberts im zentralenglischen Grantham als Tochter eines Händlers auf, der seine wenige freie Zeit in der Methodistenkirche und dem Gemeinderat verbrachte.

Abgesehen vom obligatorischen Kirchgang unternimmt die Familie nur selten gemeinsame Ausflüge, Arbeitseifer wird im Hause Roberts gross geschrieben - und von «Maggie» ihr Leben lang de facto als zweite Religion betrieben.

Sie politisierte, polarisierte und provozierte: Margaret Thatcher, ehemalige Premierministerin von Grossbritannien (2005). (Bild: Keystone)
Margaret Thatcher, geborene Margaret Roberts (r.), auf einem Familienbild mit ihrer Schwester Muriel und ihren Eltern (1945). Ihr Vater Alfred Roberts war Lebensmittelhändler, die Familie lebte in einer Wohnung über dem Laden. (Bild: Keystone)
Schwer verliebt: Am 13. Dezember 1951 heiratet Margaret Roberts in London Denis Thatcher. Der wohlhabende Kaufmann ermöglicht seiner Braut, die bereits einen Abschluss in Chemie hat, ein weiteres Studium: Rechtswissenschaften. (Bild: Keystone)
Margaret und Denis Thatcher beim Einzug in No. 10 Downing Street (1979). Über ihren Mann schrieb Thatcher: «Premierministerin zu sein, ist ein einsamer Job. (...). Aber mit Denis an meiner Seite war ich nie allein. Was für ein Mann. Was für ein Ehemann. Was für ein Freund.» (Bild: Keystone)
Vielbeschäftigte Mutter: Margaret Thatcher mit Ehemann Denis und ihren Zwillingen Mark und Carol (1979). (Bild: Keystone)
Die mächtigste Frau der Welt und einer der mächtigsten Männer der Welt genehmigen sich ein Tässchen Tee: Margaret Thatcher und Deng Xiaoping, Leiter der Kommunistischen Partei Chinas (1982). (Bild: Keystone)
Der Falklandkrieg gegen Argentinien machte Margaret Thatcher noch populärer: Die Premierministerin besichtigt ein Minenfeld auf den umkämpften Inseln (1983). (Bild: Keystone)
Zum Lunch beim Bundesrat in Kehrsatz: Margaret Thatcher mit Jean-Pascal Delamuraz, Ehemann Denis Thatcher, Kurt Furgler und Pierre Aubert (v.l., 1984). (Bild: Keystone)
Die Grossen ihrer Zeit: Helmut Kohl, damals Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Königin Elizabeth II., US-Präsident Ronald Reagan und Margaret Thatcher (1984). (Bild: Keystone)
Margaret Thatcher mochte ihren Spitznamen «Eiserne Lady». Erfunden wurde er von Journalisten der sowjetischen Militärzeitung Krasnaja Swesda - als eine Antwort auf Thatchers Verbalattacke gegen die Sowjetunion (1985). (Bild: Keystone)
Ein Tänzchen mit Freund Ronald Reagan: Margaret Thatcher zu Besuch beim US-Präsidenten im Weissen Haus (1988). Zwei Jahre später sank Thatcher in der Gunst ihrer Wähler und gab nach einer Wahlniederlage ihren Rücktritt bekannt. (Bild: Keystone)
Die Briten waren ob dieses Besuchs «not amused»: Margaret Thatcher und der ehemalige chilenische Diktator Augusto Pinochet mit dessen Frau Licia Hiriat (1999). (Bild: Keystone)
In einer von Männern dominierten Umgebung blühte sie richtig auf: Margaret Thatcher bei einem Besuch in Kuwait (2001). (Bild: Keystone)
Treffen der Polit-Damen in London: die ehemalige ukrainische Premierministerin Yulia Tymoshenko und Margaret Thatcher (2007). (Bild: Keystone)
14 Bilder

Margaret Thatcher,
1925 - 2013

Ehrgeiz und Selbstbewusstsein

Hinzu kommt ein unglaublicher Ehrgeiz und ein nicht gerade geringes Selbstbewusstsein. So erklärt «Maggie» im Alter von neun Jahren bei der Entgegennahme ihrer ersten Auszeichnung in der Schule: «Das war kein Glück, ich habe es verdient.»

Nach dem Chemiestudium in Oxford arbeitet sie ab 1947 zunächst als Forscherin in einem Labor. 1951 heiratet sie den Unternehmer Denis Thatcher, zwei Jahre später kommen die Zwillinge Carol und Mark zur Welt.

Nur wenig später stürzt sie sich in die Politik und macht sich schnell einen Namen als Arbeitstier: Während ihrer Karriere schläft sie nach Angaben von Mitarbeitern im Schnitt nur vier Stunden pro Nacht. Bereits 1959 wird sie als Abgeordnete ins britische Parlament gewählt, wo sie innerhalb ihrer Konservativen Partei schnell die Karriereleiter emporklettert.

Erste Premierministerin

Allerdings glaubt Thatcher selbst nicht an den Sprung ganz nach oben. Noch 1974 sagt sie, sie werde es wohl nicht erleben, dass eine Frau Partei- oder gar Regierungschefin wird. Nur ein Jahr später übernimmt Thatcher die Führung der Konservativen von Edward Heath, im Mai 1979 wird sie die erste Premierministerin des Landes.

Als Thatcher 1990 unter Tränen ihren Amtssitz in Downing Street 10 verlässt, hat sie das Land komplett umgekrempelt: Die Gewerkschaften sind gebrochen, wichtige staatliche Unternehmen wie Eisenbahn und Telekom privatisiert, die Steuern deutlich gesenkt und die Ausgaben des Staates ebenfalls.

Das Elend rührt die «Eiseren Lady» nicht

Doch was die Wirtschaft des Königreiches jubeln lässt, sehen viele auch kritisch. So blieben durch den «Thatcherismus» mit seiner Verherrlichung der Selbstverantwortung des Einzelnen und der Propagierung der freien Marktwirtschaft viele auf der Strecke; die Zahl der Arbeitslosen stieg auf über drei Millionen.

Doch das Elend der Einzelnen rührt die «Eiserne Lady» nicht an. Thatcher bleibt ihrer harten Linie treu. Dies gilt auch international: Legendär ist unter anderem ihr Ausspruch «I want my money back!» - «Ich will mein Geld zurück», mit dem sie 1984 eine grosszügige Rabatt-Regelung für ihr Land beim EU-Budget durchsetzte.

Legendäre Handtasche

Ähnlich legendär ist ihre Handtasche, die sie auch nach dem Ende ihrer politischen Karriere bei allen öffentlichen Auftritten mitnimmt. Zwischen der Vorbereitung wichtiger Reden und dem Schreiben der Memoiren kommt sie im Londoner Nobelviertel Belgravia kaum dazu, eines ihrer erklärten Vorhaben umzusetzen: mehr Zeit mit ihrem Mann zu verbringen.

Denis Thatcher hatte all die Jahre im Schatten seiner Frau gestanden und wegen seiner Steifheit oft hämische Kommentare über sich ergehen lassen müssen.

Aber so unbeholfen er auch wirkte, ihr Ehemann war eine nicht zu unterschätzende Stütze für Thatcher. Sein Tod im Juni 2003 versetzte ihr einen herben Schlag, die Witwe zog sich immer mehr zurück. Zudem litt Thatcher zuletzt unter fortgeschrittener Demenz. Am Montag starb sie an den Folgen eines weiteren Schlaganfalls. (sda/afp)

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