Regionalwahlen
Elsässer wählen Rechts: Front National bedrängt die Bürgerlichen

Laut einer Umfrage wird die rechtsextremistische Front National bei Regionalwahlen in Ostfrankreich auf 33 Prozent kommen. Dies könnte daraus resultieren, dass viele mit der Fusion von Elsass, Champagne-Ardenne und Lothringen unzufrieden sind.

Peter Schenk
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Die Front National liefert sich in der Regionalrats-Wahl der Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen vom 6. und 13. Dezember 2015 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Bürgerlichen. (Symbolbild/Archiv)

Die Front National liefert sich in der Regionalrats-Wahl der Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen vom 6. und 13. Dezember 2015 ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Bürgerlichen. (Symbolbild/Archiv)

Keystone

Es könnte sehr knapp werden: Laut einer Umfrage der französischen Regionalpresse liegt Philippe Richert, Kandidat der Bürgerlichen bei den Wahlen zum Regionalrat am 6. und 13. Dezember, im ersten Wahlgang mit 31 Prozentpunkten nur ein Prozent vor dem Kandidaten des rechtsextremistischen Front National (FN), Florian Philippot. Und selbst das ist nicht sicher. Das Umfrageinstitut BVA geht von einem Unsicherheitsfaktor von 2,5 Prozent aus.

Erst im zweiten Wahlgang könnte Richert sich mit 37 Prozent gegenüber 33 Prozent für den FN durchsetzen. Als Dritter käme der Sozialist Jean-Pierre Masseret, derzeit Präsident der Region Lothringen, auf 30 Prozent.

Mit Fusion sehr unzufrieden

Es ist die erste Wahl für die Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen – Ergebnis einer insbesondere im Elsass stark kritisierten Gebietsreform der linken französischen Regierung. Nur gerade 14 Prozent der befragten Elsässer zeigten sich zufrieden mit der Fusion – in ganz Frankreich liegt der Wert bei 41 Prozent.

Trotz breiter Kritik ist es nicht sicher, dass eine neue bürgerliche Mehrheit nach den 2017 anstehenden nationalen Wahlen die Gebietsreform wieder rückgängig macht. Mit einer Entscheidung hingegen waren die Elsässer zufrieden: Strassburg soll Hauptstadt der neuen Grossregion werden und Sitz des Präfekten sein, des Vertreters der Zentralregierung. Ob es auch Parlamentssitz wird, ist hingegen offen und wird sich nach den Wahlen entscheiden. Masseret setzt sich für Metz ein.

Philippe Richert tritt für eine bürgerliche Koalition der drei Parteien LR (Les Républicains), UDI (Union des démocrates et indépendants) und Modem (Mouvement démocrate) an. Er ist derzeit der einzige konservative Präsident einer französischen Region, alle anderen werden von der Linken regiert. Daraus leitet sich auch sein Anspruch ab, bei einem Wahlsieg die neue Grossregion zu präsidieren.

Elsässer lieben ihre Heimat

Mit dem bisherigen elsässischen Regionalrat zeigten sich in der Umfrage 54 Prozent der Elsässer zufrieden. Ausserdem lieben sie ihre Heimat. 92 Prozent gaben an, dort gerne zu leben – das ist der höchste Wert in Frankreich.

Allerdings, und das mag auch die guten Ergebnisse des Front National erklären, vertraten 53 Prozent der Befragten die Auffassung, dass sich die Situation des Elsass in den letzten Jahren verschlechtert habe. Für die Zukunft zeigten sich 58 Prozent pessimistisch.

Grüne scheiden wohl aus

Unzufrieden mit den Umfrageergebnissen dürfte die grüne Partei Européen Ecologie Les Verts sein. Mit 6 Prozent liegt sie hinter dem Front de gauche, der links von der sozialistischen Regierungspartei Parti socialiste (PS) politisiert und auf 7 Prozent kam. Da die Grünen eine Koalition mit der PS ausgeschlossen hatten, könnte es also sein, dass sie in dem neuen Parlament überhaupt nicht mehr vertreten sind.

Premierminister Manuel Valls (PS) hatte schon vor dem Bekanntwerden der Umfrageergebnisse den Sieg des FN in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de Calais Picardie, der südfranzösischen Provence-Alpes-Côte d'Azur und in Ostfrankreich für möglich gehalten. Bis auf Ostfrankreich gab ihm die Umfrage zweimal recht.