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Emmanuel Macron: Drei Tage Weltenherrscher

Emmanuel Macron erhält in Frankreich Lob für seine Rolle als G7-Gastgeber: Zwischen Populisten und Nationalisten verkörperte er die mässigende, weltoffene Stimme Europas.
Stefan Brändle aus Paris
Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. (Bild: François Mori/EPA, Biarritz, 26. August 2019)

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. (Bild: François Mori/EPA, Biarritz, 26. August 2019)

Als der französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing 1975 zum ersten G6-Treffen lud, um die Folgen des Ölpreisschocks am Kaminfeuer zu beraten, war Emmanuel Macron (41) noch nicht einmal geboren. Den G7-Gipfel in Biarritz leitete er nun aber wie ein diplomatischer Profi. Locker auftretend, aber fast perfektionistisch kümmerte er sich um alles bis hin zum Inhalt der Menus - was in Frankreich fast so wichtig ist wie die Geopolitik. Dazu jonglierte der Absolvent der Pariser Eliteschule ENA mit den komplexen Gipfelthemen und noch komplexeren Egos der Teilnehmer, ohne den Ball je aus der Hand zu geben.

Dabei blieb Macron keineswegs unverbindlich und belanglos wie ein Diplomat. US-Präsident Donald Trump überrumpelte er geradezu mit seiner scheinbar spontanen Einladung an den iranischen Aussenminister Mohammed Jawad Sarif. Den britischen Ministerpräsidenten Boris Johnson liess er bei allem Schulterklopfen spüren, was er von den unsäglichen Brexit-Wirren hält. Und den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zwang er aus der Distanz zu einem Armeeeinsatz gegen die Amazonas-Brände, indem er damit drohte, das EU-Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Mercosur nicht zu unterzeichnen.

Trump über Macron: ein «great guy»

Mit einer feinen Prise Ironie kommentieren französische Medien, ihr Präsident sei «während eines Wochenendes Gebieter über die Welt» (maître du monde) gewesen. Sogar Trump fand, Macron sei ein «great guy», ein formidabler Kerl. Fast vergessen ging darob, dass der französische Gastgeber inhaltlich wenig erreichte, wenn man von der nicht im offiziellen G7-Programm figurierenden Brandbekämpfung in Amazonien absieht. In Sachen Atomabkommen mit dem Iran zeigte Trump keinerlei Entgegenkommen, den Handelskonflikt mit China schürte er sogar weiter. Bei der französischen Digitalsteuer gegen globale Internetriesen wie Google oder Amazon kommt Macron nicht weiter; vermutlich wird er gar Abstriche machen müssen. Auch die Rückkehr des russischen Präsidenten Wladimir Putin in ein G8-Gipfel bleibt offen, und in der Sahel-Krise gab es trotz vereinten Anstrengungen von Macron und Kanzlerin Angela Merkel keine Fortschritte.

Mehr hatte aber auch niemand erwartet. Macron selbst, der im Umgang mit Trump mittlerweile Erfahrung mitbringt, hatte die inhaltlichen Erwartungen bewusst gedämpft. Wichtiger war etwas anderes: Mit Hilfe seiner G7-erfahrenen Einflüstererin Merkel gelang es ihm, Europas moderate Stimme mit ihrem vermittelnden, multilateralen Ansatz einzubringen. Das war bitter nötig zwischen all den nationalen, ja nationalistischen Tönen von Seiten Trumps, Johnsons und des Japaners Shinzo Abe. Die unflätigen Twittersprüche des Bolsonaro-Clans an Macrons Adresse verstärkten am Montag nur noch das Gefühl, dass es gut war, dass der G7-Gastgeber ein Vertreter der zivilisierten Welt war.

Natürlich gefiel sich Macron selbst in seiner «schönen Rolle», wie der Geopolitologe Pascal Boniface meinte. Sich bei den Gipfelgegnern fast schon anbiedernd, kritisierte er selbst das G7-Format, das er für seine Imagepflege selber ausnützte und dirigierte. Dem Klub der Reichen setzte er zwar das Gipfelthema der «globalen Ungleichheiten» vor; den vielen Worten folgten aber keine Taten. Damit seine innenpolitischen Gegner mit den gelben Westen den Gipfel nicht stören konnten, liess Macron jeden Verkehrskreisel in und um Biarritz von mehr als 13 000 Gendarmen und Polizisten besetzen.

Der Vorwurf, den Gipfel in seine persönliche Show verwandelt zu haben, wird an Macron aber nicht lange hängen bleiben. Jedenfalls nicht länger als ein Jahr: 2020 wird die Gastgeberreihe an den USA sein, und Trump will den G7, wie er am Montag sagte, zu sich nach Miami und dort eventuell auch in seine Privatresidenz einladen. Kurz vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wird er Macron vormachen, was es heisst, eine wirkliche Politshow abzuziehen.

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