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ENERGIEVERSORGUNG: Atompolitik spaltet Japan

6,5 Jahre nach der Katastrophe von Fukushima kommen wieder mehrere Reaktoren ans Netz. In vielen Präfekturen formieren sich Bürgerinitiativen gegen die Atomenergie – ein Novum in der eher unrebellischen japanischen Gesellschaft.
Angela Köhler, Tokio
Demonstration in Tokio gegen die Wiederinbetriebnahme von AKW-Reaktoren in Kashiwazaki-Kariwa. (Bild: Getty (13. September 2017))

Demonstration in Tokio gegen die Wiederinbetriebnahme von AKW-Reaktoren in Kashiwazaki-Kariwa. (Bild: Getty (13. September 2017))

Angela Köhler, Tokio

Die Nachricht hat in Japan am Jahresende viele Gemüter erhitzt: Die nationale Atomaufsicht in Tokio genehmigt die Wiederinbetriebnahme von zwei Reaktoren im grössten Atomkraftwerk des Inselstaates. Die Entscheidung an sich sorgt bei Kernkraftgegnern schon für Unmut.

Zusätzlich aber beunruhigt die Tatsache, dass der Betreiber dieser Riesenanlage im zentraljapanischen Kashiwazaki-Kariwa ausgerechnet der Skandalkonzern Tepco ist. Der Tokioter Energieriese hat auch das AKW in Fukushima betrieben, das im März 2011 nach einem schweren Erdbeben und Tsunami havarierte und das schlimmste Atomunglück seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 auslöste.

Reaktorkatastrophe hat Gesellschaft sensibilisiert

Bis heute kämpft der Konzern mit der Entsorgung des AKW Fukushima-Daiichi, noch immer gibt es nur widersprüchliche Informationen oder gar nur Gerüchte über die mit der Havarie einhergehenden radioaktiven Gefahren und Folgeschäden. Fest steht: Laut Tepco und Regierung werden die Aufräumarbeiten noch rund 30 Jahre dauern und umgerechnet mehr als 150 Milliarden Euro kosten. Im allgemeinen Schockzustand wurden 2011 alle AKW in Japan abgeschaltet und umfassende Sicherheitsüberprüfungen durch eine unabhängige Expertengruppe angeordnet.

Seit 2015 erst werden Reaktoren wieder ans Netz genommen – vorgeblich ist ihr Weiterbetrieb unbedenklich. Die Tragödie von Fukushima hat die bis dahin technikgläubige Nation sensibilisiert und tief gespalten. Die Regierung von Premierminister Shinzo Abe setzt voll auf die Nuklearenergie: das rohstoffarme Industrieland könne seinen Bedarf ohne Atomstrom nicht decken. Auf der anderen Seite steht die wachsende Schar der Nukleargegner, die sich gegen die Inbetriebnahme der Anlagen zur Wehr setzt.

Gerichte urteilen meist im Sinne der Regierung

In fast allen Regionen, in denen Atommeiler wieder Strom produzieren sollen, regen sich Bürgerproteste, die sich mit Klagen wehren. In den meisten Fällen stellten sich die Gerichte bisher hinter die Regierung. In den japanischen Medien spiegelt sich eine gewisse Ratlosigkeit über die Zukunft der Energieversorgung. So wurde bestenfalls nachrichtenneutral über einen der wenigen erfolgreichen Widerstände berichtet. Eine winzige Gruppe von vier Einwohnern setzte sich am 13. Dezember in der Präfektur Hiroshima gegen den geplanten Neustart des AKW Ikata durch. Sie klagten, dass die Sicherheit bei Erdbeben und Vulkanausbrüchen ungenügend sei. Der Stromerzeuger Shikoku Electric Power nannte das Urteil «extrem bedauerlich und unakzeptabel» und will in Berufung gehen. Auch auf der Hauptinsel Hokkaido haben AKW-Gegner die Inbetriebnahme von drei Reaktoren vorerst gestoppt, indem sie weitere Berechnungen über Schadensfolgen durchgesetzt haben. Seit Jahren protestieren auch Einwohner in der westjapanischen Präfektur Fukui. Dort sollen Anfang 2018 zwei Reaktoren der Kernkraftanlage Oi wieder hochgefahren werden.

Nun tobt ein Dokumentenkrieg. Das Prozedere erfordert, dass nach der Atombehörde die lokale Regierung eine entsprechende Genehmigung erteilt. Im Fall Fukui hatte der Gouverneur Issei Ishikawa sich trotz des Widerstands Ende November für ein Ja entschieden. Das AKW sei lebensnotwendig für die wirtschaftliche Entwicklung der Präfektur.

«AKW für die nächste Generation stoppen»

Doch ob es zu einer vollen Inbetriebnahme kommt, ist ungewiss. Bewohner von Oi haben Klage gegen den Neustart eingereicht, die derzeit am Obersten Gerichtshof in Nagoya verhandelt wird. Auch wenn die Kläger damit rechnen, dass sich das Gericht gegen sie stellt, wollen sie «das AKW mit der Macht der öffentlichen Meinung für die nächste Generation stoppen».

Auch bei der jüngsten Tepco-Entscheidung ist das letzte Wort nicht gesprochen. Tokio hat den Neustart genehmigt, doch die lokalen Behörden müssen noch ihre Zustimmung geben. Weil Tepco im Spiel ist, kann das in diesem Fall noch viele Jahre dauern – oder sogar verhindert werden.

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