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ENGLAND: Schweiz-Trip sorgt für Spekulationen

Die britische Premierministerin gönnt sich Ferien in der Schweiz. Dies passt zu ihrem Stil. Sie will aber nicht, dass man dies als politisches Zeichen deutet. Ganz so einfach ist dies nicht.
Gabriel Felder, London
Theresa May wandert zusammen mit ihrem Mann in den Schweizer Bergen. Das Bild stammt vom vergangenen Freitag. (Bild: AP/Marco Bertorello)

Theresa May wandert zusammen mit ihrem Mann in den Schweizer Bergen. Das Bild stammt vom vergangenen Freitag. (Bild: AP/Marco Bertorello)

Gabriel Felder, London

Theresa May hält nichts von kurz­lebigen PR-Gags: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern Tony Blair und David Cameron wählt sie sich ihre Ferienziele ohne Rücksicht auf Schlagzeilen aus. Und trotzdem passen ihre derzeitigen Wanderferien in der Schweiz zum Image, das die Briten von ihr pflegen: solid, tüchtig und zuverlässig. May schwärmt von der Schweiz als «wundervolles Ferienziel, vor allem Zermatt und das Berner Oberland, fantastisch zum Wandern» und kommt mit Ehemann Philip schon seit über 30 Jahren eingeflogen. Ausgangspunkt war ein längerer Aufenthalt in der Stadt Luzern. «Als wir später zurückkamen, entdeckten wir das Wandern und gingen auf immer abenteuerlichere Touren», verriet sie in einem Zeitungsinterview.

Begleitet von Sicherheitsleuten

Auf politische Abenteuer will sie nun, als Premierministerin deutlich mehr im Rampenlicht und von sechs Sicherheitskräften umgeben, allerdings verzichten. Es seien keine offiziellen Treffen mit Schweizer Behörden geplant, liess ihr Mediensprecher verlauten. Politische Beobachter warnen ausserdem davor, Mays Ferienabstecher in die Schweiz als Hinweis aufzufassen, dass die Premierministerin nach Brexit ein Schweizer Modell anstrebt. «Als angefressene Wanderin sind die anstrengenden Routen und das Alpenpanorama wohl die grösseren Anziehungspunkte», analysiert der «Guardian» auf der linken Seite des politischen Spektrums. Nur gerade die rechtsorientierte «Daily Mail» wittert politische Brisanz in Theresa Mays Reiseziel und sieht «verblüffende Parallelen» zwischen den beiden Ländern: «Sie wird es schwierig haben, von der Arbeit abzuschalten. Immerhin hat die Schweiz ein ähnlich angespanntes Verhältnis mit der EU», schreibt das Blatt und verweist auf die Einwanderungsinitiative, die 2014 an der Urne angenommen wurde.

Königliche Sehnsucht

Offizielle Angaben über Mays genauen Aufenthaltsort in der Schweiz gibt es nicht. Sie ist aber nicht das erste Mitglied des britischen Establishments mit einer Vorliebe für die Schweiz. Königin Viktoria besuchte die Schweiz im Jahre 1868 und sprach in ihren Tagebüchern von einem «grossen Verlangen, vier Wochen in einem ausgesprochen ruhigen Teil des Landes zu verbringen». Viel Entspannung gönnte sich die Monarchin allerdings nicht: Luzern, Rigi, Pilatus, Engelberg, Schöllenenschlucht, Furkapass und Rhonegletscher waren mitunter Stationen auf Viktorias ausgiebiger Schweizreise. Die Königin zeigte sich in einem Reisebericht hell begeistert, vor allem von Luzern, was in der damaligen britischen Oberschicht zu einem wahren Schweizer Reiseboom führte.

Auch die Eiserne Lady der Achtzigerjahre, Premierministerin Margaret Thatcher, schlug ihre Ferienzelte regelmässig in der Schweiz auf. Auf Einladung der befreundeten Aristokratin Lady Glover verbrachte sie mehrere Sommer im Schloss Freudenberg am Zugersee. Im Gegensatz zu May schien Thatcher allerdings nicht viel von alpiner Entspannung zu halten. In ihrer offiziellen Biografie werden die Schweizer Aufenthalte als «unliebsam» beschrieben. Dies dürfte allerdings mehr an Thatchers Charakter als Arbeitstier als an der idyllischen Umgebung in Buonas gelegen haben. Während eines zweiwöchigen Aufenthalts im Jahre 1984 packte die umtriebige Premierministerin ein Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl, dem damaligen UNO-Generalsekretär und mehreren Botschaftern in ihren Schweizer Urlaub.

Ersten Bildern zufolge scheint es die amtierende britische Premierministerin deutlich entspannter zu nehmen in der Schweiz. Der rechte Flügel ihrer Partei, die Konservativen, freut sich trotzdem darüber, dass Theresa May den Fussstapfen der ikonischen Margaret Thatcher folgt. Für den Rest des Landes hat Wandern den Anstrich von Coolness.

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