London
«Er interessierte sich für den Islam und studierte den Koran»

Die beiden Männer, die am Mittwoch in Londen einen Soldaten mit Fleischbeilen niedergemetzelt haben sind Briten. Sie stammen ursprünglich aus Nigeria und haben Kontakt zu extremistischen islamischen Kreisen.

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Micheal Adebolajo: Einer der Beil-Attentäter von London vor der Kamera.

Micheal Adebolajo: Einer der Beil-Attentäter von London vor der Kamera.

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Wer sind diese beiden dunkelhäutigen Männer? Die Polizei macht noch keine Angaben. Laut britischen Medien handelt es sich bei den beiden Tätern aber um britische Staatsbürger. Beide haben nigeriansche Wurzeln.

Der Mann mit dem blutverschmierten Messer heisst Micheal Adebolajo und wurde in Grossbritannien geboren. Er habe offenbar nach Somalia reisen wollen, um dort die Al-Shabaab-Miliz zu unterstützen, schreibt «The Guardian».

2003 zum Islam konvertiert

Beide Täter sind zum Islam konvertiert sind. Sie hätten jedoch keine Verbindungen zur islamistischen Sekte Boko Haram in Nigeria. Die Sekte will in dem westafrikanischen Land einen Staat nach islamischem Gesetz aufbauen und schreckt dabei auch vor Terror nicht zurück.

Adebolajo besuchte in Grossbritannien offenbar Treffen der verbotenen islamischen Organisation al-Muhajiroun und nannte sich demnach Mujahid.

Anjem Choudary, Der frühere Leiter der Gruppe, bestätigte gegenüber der Zeitung «Independent», dass er den Mann, der auf dem Video mit blutverschmierten Händen und mehreren Stichwaffen zu sehen ist, kenne. Der mutmassliche Täter sei 2003 zum Islam konvertiert. Sein richtiger Name sei Michael, und er sei in England geboren. Seit zwei Jahren sei er jedoch nicht mehr zu den Treffen erschienen. «Er war ein freundlicher, ruhiger Typ. Er interessierte sich für den Islam und studierte den Koran.»

Experten: Islamistischer Terror

Obwohl das Verbrechen zunächst nicht wie das Werk in Strukturen handelnder Terroristen aussieht, gehen Experten davon aus, dass es sich um islamistischen Terror handelt. «Es ist dieselbe Rhetorik, die wir bei früheren Anschlägen gesehen haben», sagte Usama Hasan von der Londoner Quilliam Foundation, einem Politik-Institut zum Kampf gegen islamistischen Terror, in der BBC. «Die Muslime müssen diese Rhetorik bekämpfen.»

Der frühere britische Innenminister John Reid sprach davon, es könnte sich um «einsame Wölfe» handeln, radikalisierte Jugendliche, die nicht einem Terrornetzwerk angehören, die sich aber haben fanatisieren lassen.

Londons Bürgermeister warnt

Bevor die Hintergründe auch nur annähernd aufgeklärt sind, versuchten bereits rechtsgerichtete Kreise in Grossbritannien, die Situation zu ihren Gunsten auszunutzen. Die «English Defence League» versammelte in der Nähe des Tatortes noch am Abend der Tat rund 250 Menschen zu einer Demonstration gegen den Islam.

Andernorts wurden zwei Männer festgenommen, die mit Messern in Moscheen aufgetaucht waren. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson warnte vor solchen Aktionen. «Es ist absolut falsch, diese Taten mit der Religion in Verbindung zu bringen.»