Schiesserei in Las Vegas
«Er lag im Bett und schrie» ++ Mächtige Waffenlobby NRA zu Zugeständnissen bereit?

In Las Vegas kam es zum tödlichsten Schiesserei der US-Kriminalgeschichte. Der Amokläufer war ein 64-jähriger Amerikaner, die Polizei fand den Pensionär nach der Stürmung des Hotelzimmers tot vor. Wir halten Sie im Newsblog auf dem Laufenden.

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Schiesserei in Las Vegas
53 Bilder
Kind mit Vater an der NRA-Jahresversammlung in den USA (Symbolbild)
75 Minuten hat es gedauert, bis die Polizei in Las Vegas das Zimmer stürmte, von dem aus Stephen Paddock das Feuer auf die 22'000 Konzertbesucher eröffnet hatte.
Die «LA Times» hat einen Grundriss von Paddocks Suite veröffentlicht. Links unten der zweite Raum, den die Polizei am Schluss stürmte.
Auch am Tag 3 nach dem Amoklauf legten Menschen in Las Vegas Kerzen nieder.
US-Präsident Donald Trump hat in Las Vegas verletzte Opfer des Massakers besucht
Die britische "Daily Mail" hat die Polizeifotos aus dem Hotelzimmer als erstes Medium öffentlich gemacht.
Las Vegas: Nach dem Anschlag auf ein Konzert in den USA läuft die Suche nach den Ursachen auf Hochtouren.
Menschen gedenken den Opfern des Amoklaufs von Stephen Paddock.
Eine Frau legt eine Kerze nieder in Gedenken an die Opfer der Schiesserei.
Sie hat überlebt: Natalie Vanderstay wurde im Kugelhagel im Bauch getroffen. Ausserdem hat sie eine Beinverletzung.
Mike Kordich führte lebensrettende Massnahmen bei einem Opfer der Schiesserei durch, als er selbst von einer Kugel getroffen wurde.
Waffen des Schützen: Die Fotos zeigen Gewehre im Hotelzimmer, aus welchem Stephen Paddock in die Menschenmenge schoss.
Die Bilder wurden im Inneren des Zimmers des Attentäters im Mandalay Bay Ressorts aufgenommen, der Teppichboden ist übersät mit Patronenhülsen.
Waffen des Schützen: Die Fotos zeigen Gewehre im Hotelzimmer, aus welchem Stephen Paddock in die Menschenmenge schoss.
"Bump" Stock Mit wenigen Handgriffen kann aus einer halbautomatischen Waffen eine vollautomatische werden. Es handelt sich um einen Zusatz, der den Abzug offen hält und Serienfeuer ermöglicht. Das hat auch der Attentäter von Las Vegas getan.
An der Universität von Nevada Las Vegas (UNLV) halten Studenten eine Mahnwache ab.
Die Trauer ist gross.
Mindestens 59 Menschen kamen bei der Schiesserei in Las Vegas ums Leben. Über 500 wurden verletzt.
"Betet für Las Vegas": Das Football-Spiel zwischen den Washington Redskins und Kansas City begann mit einer Schweigeminute für die Opfer der Schiesserei in der Glücksspielstadt.
Mit Trauermitteilungen versuchen sie, das Geschehene zu verarbeiten.
Die US-Flagge weht vielerorts im Land auf Halbmast.
Ermittler stellen in einem Haus des Todesschützen von Las Vegas, Stephen Paddock, jede Menge Sprengstoff sicher.
US-Regierung gedenkt den Opfern – Schweigeminute vor dem Weissen Haus.
Das Festival-Gelände am Morgen danach
Israel trauert mit den USA: Aus Solidarität mit den Opfern von Las Vegas leuchtet das Rathaus in Tel Aviv in den Farben der amerikanischen Flagge.
Durch diese Fenster im 32. Stock der Mandalay Bay Ressorts dürfte Stephen Paddock geschossen haben
Als die Schüsse auf das «Las Vegas Village» niederprasselten, flohen die Besucher vom Konzertgelände.
Sanitäter leisten Notversorgung, wo Hilfe noch möglich ist.
Polizisten rücken aus.
Verletzte und unversehrte Touristen harren in Sicherheit aus.
Mit dem Schrecken davongekommen.
Attacke bei Open-Air-Konzert in Las Vegas
In der Nacht auf Montag (Ortszeit) ist es in Las Vegas zu einer Schiesserei gekommen.
Medizinische Rettungskräfte behandeln Verwundete.
Der Schütze hatte am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf die Besucher eines Konzerts des Country-Music-Festivals Route 91 Harvest geschossen.
Die Polizei durchsucht Gäste des Hotels Tropicana Las Vegas.
Marilou Danley, die Freundin Paddocks, weilte während des Attentats auf den Philippinen.
Die Polizei von Las Vegas im Einsatz.
Schauplatz des Verbrechens war ein Konzert vor dem Mandalay Bay Resort.
Der Schütze hatte am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf die Besucher eines Konzerts des Country-Music-Festivals Route 91 Harvest geschossen.
Die Polizei riegelte das Gebiet ab.
Bilder vom Ort des Geschehens.
Menschen suchten Schutz, während die Schiesserei noch im Gang war.
Eine verletzte Frau erhält Hilfe.
Mit einem Grossaufgebot versuchte die Polizei, der Situation Herr zu werden.
Im Fokus des Polizeieinsatzes: das Casino des Resorts Mandalay Bay.
Polizisten rücken aus.
Sie rieten Zivilisten, Schutz zu suchen.
Wie viele Schützen an der Schiesserei beteiligt waren, war zunächst unklar.

Schiesserei in Las Vegas

Keystone

Zu «When She Says Baby» fielen die Schüsse

Ein Amokläufer tötet während eines Musikfestivals mindestens 59 Menschen. Nun zerbrechen sich die Ermittler den Kopf über das Motiv des 64-jährigen Pensionärs.

Als am Montagmorgen in Las Vegas (Nevada) die Sonne aufging, sendete ein Fernsehhelikopter die ersten Bilder des «Mandalay Bay Resort and Casino» am legendären «Strip», in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens der Glücksspieloase. Auf der 32. Etage (gemäss amerikanischer Zählweise) waren zwei Fenster des markanten, goldfarbigen Baus zerstört. Hinter diesen Fenstern hatte sich in der Nacht zuvor der 64-jährige Stephen Paddock verschanzt, um das bislang schlimmste Schusswaffen-Attentat in der an solchen Attentaten reichen Geschichte der USA anzurichten.

Paddock hatte wenige Minuten nach 22 Uhr (Lokalzeit) mit mehreren Schnellfeuerwaffen wahllos auf rund 22'000 Musikfans geschossen, die sich auf einem etwa 300 Meter entfernten Konzertgelände vergnügten, das auf der gegenüberliegenden Seite des «Strip» liegt.

Der Country-Star Jason Aldean war soeben daran, im «Las Vegas Village» – ein Open-Air-Areal, das sich wie das Hotel «Mandalay Bay» im Besitz des börsenkotierten Unterhaltungskonzerns MGM Resorts International befindet – das drei Tage dauernde «Route 91 Harvest Festival» mit seinem Auftritt zu beenden. Er sang «When She Says Baby», dann ertönten, in schneller Abfolge, Schüsse, und das «Las Vegas Village» verwandelte sich in ein Schlachtfeld.

Kaltblütig ermordete der Amokläufer am Sonntag mindestens 58 Menschen; über 500 mussten gemäss Polizeiangaben in Spitäler im Grossraum Las Vegas eingeliefert werden. Erst 70 Minuten nach dem ersten Notruf gelang es der Polizei, sich gewaltsam Zutritt in das Hotelzimmer zu verschaffen. Paddock war zu diesem Zeitpunkt bereits tot, wohl weil er seinem eigenen Leben ein Ende gesetzt hatte.

Täter war nicht polizeibekannt

Zurück bleiben Trauer, Schmerz und viele offene Fragen. So ist der Amokläufer, buchstäblich, ein unbeschriebenes Blatt. Der weisse Mann war weder der Polizei in Las Vegas noch den Ordnungshütern an seinem Wohnort Mesquite (Nevada) – einer Kleinstadt rund 70 Autominuten von Las Vegas entfernt – in der Vergangenheit negativ aufgefallen. Auch in der Hauptstadt Washington hiess es vorerst, dass Paddock weder der Bundespolizei FBI noch dem Sicherheitsministerium ein Begriff sei.

Trotz einer entsprechenden Stellungnahme der Terror-Gruppe IS gebe es derzeit keinen Hinweis darauf, dass Paddock ein Mitläufer des Islamischen Staates gewesen sei, sagte FBI-Agent Spezialagent Rouse in Las Vegas. Auch seine Brüder fielen am Montag aus allen Wolken. «Wir können das nicht verstehen», gab Eric Paddock an einer improvisierten Pressekonferenz in Orlando (Florida) zu Protokoll.

Und: «Etwas muss passiert sein.» Sein Bruder sei ein ganz normaler Kerl gewesen, der sich oft in Las Vegas vergnügt habe. Stephen Paddock sei geschieden, habe zusammen mit seiner Freundin Marilou Danley (62) gewohnt, seinen Ruhestand genossen und sich weder politisch noch religiös betätigt, sagte Eric Paddock.

(Danley gilt als «Person of Interest», befindet sich aber gemäss Polizeiangaben derzeit nicht in den USA.) Ein anderer Bruder, Bruce Paddock, der in Kalifornien lebt und keinen Kontakt mehr mit Stephen hatte, wies darauf hin, dass ihr Vater Benjamin Paddock gewesen sei – der in den Sechziger- und Siebzigerjahren landesweit wegen Bankraubs gesucht worden war.

Waffen und Munition gefunden

Auch das Wohnhaus des Täters gab allem Anschein nach keine Aufschlüsse über das Motiv. Ein Polizist aus Mesquite sagte nach einer Hausdurchsuchung in einem Quartier, das sich explizit an Ruheständler richtet, dass die Ordnungshüter «nichts Ungewöhnliches» vorgefunden hätten – ausser einigen Waffen und etwas Munition. Paddock war 2015 nach Mesquite gezogen.

Auch auf der 32. Etage im «Mandalay Bay Resort» fand die Polizei gegen zehn Waffen, darunter mehrere Maschinengewehre. Entgegen dem Klischee ist es für amerikanische Zivilisten – Paddock hatte gemäss seinem Bruder Eric keinen Militärdienst geleistet – fast unmöglich, sich eine neue vollautomatische Waffe zu beschaffen. Allerdings befinden sich gemäss Zahlen aus dem Jahr 2016 rund eine halbe Million solcher Waffen im Umlauf, die bei der Aufsichtsbehörde ATF (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives) registriert sind.

Ganz offensichtlich entschloss sich Stephen Paddock aber nicht spontan, ein Massaker anzurichten. Gemäss der Polizei in Las Vegas hatte er seinen Raum auf der 32. Etage bereits am vergangenen Donnerstag angemietet – wie es ihm gelang, sein Waffenarsenal vor den neugierigen Blicken des Hotelpersonals zu verstecken, ist Gegenstand von Ermittlungen.

Sheriff Joe Lombardo, zuständig für den Verwaltungsbezirk Clark County, zu dem Las Vegas zählt, versicherte aber am Montag, dass Paddock alleine gehandelt habe. «Las Vegas ist sicher», sagte Steve Sisolak, der Vorsitzende der Regierung des Bezirkes Clark County. Sowohl Lombardo, ein Republikaner, als auch Sisolak, ein Demokrat, sagten, dass die Rettungskräfte eine noch viel schlimmere Tragödie verhindert hätten, in dem sie verletzte Menschen zur Seite gestanden seien.

Derweil verurteilte Präsident Donald Trump in Washington die Tat als «schlicht und einfach teuflisch». Er werde am Mittwoch nach Las Vegas reisen, um mit Hinterbliebenen, Überlebenden und Rettungskräften zu sprechen.

Jason Aldean meldete sich vorerst nur auf Instagram zu Wort. «Ich weiss immer noch nicht so recht, was ich sagen soll», sagte der Country-Sänger. «Mein Herz schmerzt.»

(Renzo Ruf in Washington; Montagabend Schweizer Zeit)