Im Visier
Er war das Ziel des Anschlags in Kopenhagen: Wer ist Lars Vilks?

Sterben musste der Filmemacher Finn Nörgaard, gegolten hat der Angriff dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Eine Zeichnung veränderte sein Leben. Obwohl er unter permanentem Polizeischutz steht, wurde er mehrere Male angegriffen.

André Anwar, Stockholm
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Der schwedische Karikaturist Lars Vilks. (Archiv)

Der schwedische Karikaturist Lars Vilks. (Archiv)

Keystone

Ein Jahr nach den gewaltsamen Protesten in der islamischen Welt wegen zwölf Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung «Jyllands-Posten» griff Vilks zu einem Stift und zeichnete drei einfache Skizzen des Propheten.

Darauf ist der Prophet als Hund mit Menschenkopf im Kreisverkehr zu sehen. In Schweden war damals eine Strassenkunstbewegung entstanden, die selbst gebaute Kunsthunde aus allen möglichen Materialen auf die Plätze im Kreisverkehr unterschiedlicher Städte stellte.

Strenge Sicherheitskontrollen in Kopenhagen
15 Bilder
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Die dänische Polizei sichert das Gelände
Deutsche Polizisten kontrollieren ein Fahrzeug an der deutsch-dänischen Grenze
Drei Polizisten wurden bei der Schiesserei verletzt.
Die Schüsse fielen bei einer Veranstaltung über Kunst, Gotteslästerung und Meinungsfreiheit.
Nach den mutmasslich zwei Tätern wird auf Hochtouren gefahndet.
Auch der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks nahm an der Konferenz teil.
Ob die Tat einen religiös motivierten Hintergrund hat, kann noch nicht gesagt werden.
Die Täter schossen von aussen auf das Gebäude.

Strenge Sicherheitskontrollen in Kopenhagen

Keystone

Anschlagspläne vereitelt

Niemand wagte es, die Skizzen von Vilks ein Jahr nach den Protesten in der islamischen Welt gegen Dänemark zu veröffentlichen. Eine Provinzgalerie im schwedischen Värmland machte einen Rückzieher. Man wolle keine Volksgruppe beleidigen, hiess es.

Dann sagte eine kleinere Kunstschule ab. Man könne die Sicherheit nicht garantieren, begründete diese. Eine Veröffentlichung der Zeichnung in der kleinen Lokalzeitung «Nerikes Allehanda» schlug dann unerwartet grosse Wellen. Auch die überregionalen Zeitungen publizierten die Karikatur. Vilks Leben veränderte sich dramatisch.

Der heute 68-Jährige wurde international bekannt. Schwedische Flaggen wurden in Pakistan verbrannt. Das Terrornetzwerk al-Kaida und andere setzten Kopfgelder auf Vilks aus. Seitdem lebt er mit Polizeischutz. Trotzdem wurde er mehrmals angegriffen.

Im März 2010 machte die US-Staatsanwaltschaft bekannt, dass die radikalislamistische Amerikanerin Colleen La Rose, bekannt unter dem Namen «Jihad Jane» einen Mordanschlag auf Vilks geplant hatte. Sie sollte für die Tat in Skandinavien Personen rekrutieren.

Sieben Personen wurden in Irland wegen des Verdachts auf ein Mordkomplott gegen Vilks verhaftet. Im Mai 2010 gab er eine Vorlesung an der Universität Uppsala. Zum Thema Meinungsfreiheit führte Vilks den Film eines iranischen Künstlers vor, der Homosexuelle beim Geschlechtsakt mit Mohammed- und Ali-Masken zeigte. Ein 16-Jähriger aus dem Publikum griff den Künstler daraufhin an, wurde aber von einem Sicherheitsmann gestoppt. Fünf Tage später versuchten zwei Brüder, Vilks Haus anzuzünden. Dieser war jedoch nicht zu Hause und der Sachschaden blieb gering. Die jungen Männer wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Kunst und Kränkung

Vilks liess sich nicht entmutigen und zeichnete neue Mohammed-Hunde. «Es wurde kritisiert, dass ein Kind meine bekannteste Zeichnung besser hinbekommen könnte. Da dachte ich mir, ich muss mich jetzt etwas mehr anstrengen», sagte er. Vilks hat in früheren Arbeiten auch schon das Judentum provoziert. Er unterstreicht gerne, dass es bei Kunst stets um Kränkung geht.

In Schweden ist Vilks umstritten. Seine Kritiker unterstellten ihm, dass seine Mohammed-Zeichnung ein Jahr nach dem grossen Radau um die Karikaturen in der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» vor allem seine Bekanntheit steigern sollte. Mangelnden Erfolg und bescheidene künstlerische Umsetzung versuche er vor allem durch wenig originelle Provokation wettzumachen.

Vilks selber überlebte den Anschlag vom Samstag unverletzt. Im Kugelhagel starb ein anderer Teilnehmer der Diskussionsrunde über Meinungsfreiheit und Terror: der 55-jährige dänische Dokfilmer Finn Nörgaard.