Erdbeben
Erdbeben in Neuseeland: «So schlimm war es noch nie»

Stefi Porter-Haag überlegt sich, ihre Wahlheimat zu verlassen. An die Beben hat sich zwar gewöhnt – sie gehören zum Alltag im neuseeländischen Christchurch. Doch seit Dienstagmittag funktioniert in der Stadt nichts mehr.

Maja Sommerhalder
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Schweres Erdbeben in Neuseelands zweitgrösster Stadt Christchurch
14 Bilder
Ein Auto wurde unter einem Balken begraben
Passanten helfen einer verwundeten Frau
Die Polizei brachte Anwohner in Sicherheit
Anwohner stehen vor den Trümmern ihrer Häuser
Zerstörte Kirche in Christchurch
Bergungsarbeiten bei einem eingestürzten Gebäude
Ein Mann wird aus den Trümmern gerettet
Rettungskräfte in Christchurch
Trümmer in der Innenstadt von Christchuch
Ein Mann bringt sich in Sicherheit
Durch das schwere Erdbeben zerstörte Gebäude
Die Feuerwehr versucht einen Brand unter Kontrolle zu bringen
Verlassene Autos auf einer überfluteteten Kreuzung

Schweres Erdbeben in Neuseelands zweitgrösster Stadt Christchurch

Keystone

An die Beben hat sich die Auslandschweizerin Stefi Porter-Haag (28) schon fast gewöhnt – sie gehören seit sechs Monaten zum Alltag im neuseeländischen Christchurch. Doch seit Dienstagmittag ist an Alltag nicht mehr zu denken. Nichts funktioniert mehr in der Stadt.

Hat das Bebe in Neuseeland hautnah erlebt: Stefi Porter-Haag aus Lengnau

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Limmattaler Zeitung

«Natürlich befasst man sich damit»

Als Stefi Porter-Haag vor sechs Jahren nach Neuseeland auswanderte, wusste sie, dass Erdbeben dort keine Seltenheit sind. «Natürlich befasst man sich damit. Meine Taschenlampe ist stets griffbereit.» Trotzdem war der Schreck gross, als sie im letzten September mitten in der Nacht von einem Erdbeben der Stärke 7,1 überrascht wurde. Schon damals wurden viele Gebäude zerstört, allerdings gab es «nur» Verletzte. «Seither erlebten wir zwar immer wieder kleine Nachbeben.» Trotzdem habe man angefangen, die Schäden zu reparieren. «Christchurch bereitet sich momentan auf die Rugby-Weltmeisterschaft im September vor. Ich frage mich, ob dieser Anlass jetzt noch durchgeführt werden kann.» Denn obwohl das jüngste Beben am Dienstag «nur» eine Stärke von 6,3 hatte, ist Christchurch viel stärker als beim letzten Mal getroffen. Mindestens 65 Menschen starben, Hunderte sind noch verschüttet. «So weit ich informiert bin, sind alle meine Bekannten wohlauf», sagt die Aargauerin.

Angst vor weiten Beben

Obwohl die Häuser in Neuseeland erdbebensicher gebaut sind, sind zahlreiche Gebäude eingestürzt: «Die Innenstadt ist verwüstet. Das ist ein Bild des Grauens», so Stefi Porter-Haag, die momentan einen obdachlosen Bekannten beherbergt: «Wir können von Glück reden, dass unser Haus noch steht.» Allerdings flogen beim Erdbeben sämtliche Gegenstände aus den Schränken: Als sie nach Hause kam, war der Boden mit Lebensmitteln und zerbrochenen Gläsern übersät. «Richtig beseitigen konnte ich das Chaos noch nicht. Wir haben weder Wasser noch Strom.»

Auch noch Stunden nach dem Beben, schüttelt es in Christchurch im Minutentakt: «Wir wissen nicht, was noch kommt. Die Angst vor weiteren starken Beben ist gross.» So gross, dass sie sich überlegt, Christchurch zu verlassen: «Ich mag die Stadt und Neuseeland ist meine Heimat geworden. Aber ich weiss nicht, ob ich mit dieser ewigen Ungewissheit leben kann.»