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Nach Christchurch-Anschlag: Erdogan brüskiert Neuseeland und Australien

Nach dem Attentat von Christchurch sind die ersten Opfer gestern beerdigt worden. Derweil nutzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Tat propagandistisch aus.
Urs Wälterlin, Canberra
Opfer des Anschlags von Christchurch werden zu Grabe getragen. (Bild: Carl Court/Getty; Christchurch, 20. März 2019)

Opfer des Anschlags von Christchurch werden zu Grabe getragen. (Bild: Carl Court/Getty; Christchurch, 20. März 2019)

Khaled Mustafa (44) und sein Sohn Hamsa (16) waren als Flüchtlinge aus dem kriegsgeplagten Syrien nach Neuseeland gekommen, nur um ein Jahr später in der Moschee in der Stadt Christchurch im Kugelhagel eines fanatischen Rassisten zu sterben. Die Körper der beiden wurden gestern zu Grabe getragen, nur einen Steinwurf entfernt vom Ort, wo sie am Freitag gestorben waren. Zaid Mustafa, der zweite Sohn von Khaled, sass bei der Abdankung in einem Rollstuhl. Er war von den Schüssen aus den Waffen des 28-jährigen Australiers schwer, aber nicht tödlich verletzt worden.

«Ich sollte nicht vor euch stehen», so Zaid am Grab, «ich sollte neben euch liegen», soll er einem Verwandten gesagt haben. Bei dem Terroranschlag auf zwei Moscheen starben insgesamt 50 Menschen. 30 weitere wurden verletzt.

«Wachsende Islamophobie»

Während sechs der Todesopfer der ewigen Ruhe übergeben wurden, eskalierte gestern in der Hauptstadt Wellington ein politisches Drama. Premierministerin Jacinda Ardern beauftragte ihren Aussenminister Winston Peters, in die Türkei zu fliegen und die türkische Regierung mit den Bemerkungen «zu konfrontieren», die Präsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag während einer Wahlveranstaltung gemacht hatte. Er hatte den Angriff des Rechtsextremisten als «das jüngste Beispiel des wachsenden Rassismus und der Islamophobie» des Westens kritisiert. Der Präsident verlangte die Todesstrafe für den mutmasslichen Täter und meinte, «wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft zieht, werden wir dies tun – auf die eine oder andere Weise».

Besuchern der Türkei, die eine «antimuslimische Gesinnung» hätten, drohte Erdogan, sie würden «in Särgen zurückgeschickt, wie ihre Grossväter» aus den Reihen der Truppen Grossbritanniens und der Empire-Länder Neuseeland und Australien. Bei der Schlacht von Gallipoli zwischen 1915 und 1916 starben gegen eine primär osmanische Streitmacht insgesamt rund 10000 australische und neuseeländische Soldaten.

Videos des Täters gezeigt

Erdogan zeigte während Wahlveranstaltungen auch Ausschnitte aus den Videos des Täters von Christchurch. Die neuseeländische Regierung hatte die Öffentlichkeit seit Tagen aufgefordert, das Video weder anzusehen noch zu teilen. Zwei Männer sind in Neuseeland bereits festgenommen worden. Sie werden sich wegen «Verbreitung unzulässigen Materials» vor Gericht verantworten müssen. Der Premierminister Australiens, Scott Morrison, reagierte gestern mit der Einbestellung des türkischen Botschafters. Erdogan habe die im Ersten Weltkrieg gefallenen australischen und neuseeländischen Soldaten «hochgradig beleidigt».

Gestern schrieb der türkische Präsident in der «Washington Post», zwischen dem Amokläufer von Christchurch und Mitgliedern der Terrororganisation Islamischer Staat gebe es keinen Unterschied.

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