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Erfolgreich gegen das Diktat aus Riad

Der Kleinstaat Katar wehrt sich seit einem Jahr gegen Unterwerfungsversuche Saudi-Arabiens.
Michael Wrase, Limassol
Ausdruck von Wachstum und Wohlstand: Sicht auf einen Freizeitpark und die stetig wachsende Skyline von Doha. (AP Kamran Jebreili/AP, Doha, 6. Mai, 2018)

Ausdruck von Wachstum und Wohlstand: Sicht auf einen Freizeitpark und die stetig wachsende Skyline von Doha. (AP Kamran Jebreili/AP, Doha, 6. Mai, 2018)

Es begann mit Fake News, die nicht von russischen Hackern, wie anfangs vermutet, sondern vom Geheimdienst der Vereinigten Arabischen Emirate verbreitet wurden. Der Emir von Katar, hiess es in der Falschmeldung, habe den Iran in einer Rede als eine «Islamische Macht» gepriesen und auch die palästinensische Hamas ausdrücklich gelobt. Die Ende Mai 2017 lancierten Fake News waren Teil einer durchsichtigen Kampagne, mit der die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Bahrain und Ägypten das schwerreiche Emirat am Persischen Golf als Helfershelfer terroristischer Gruppen und Bundesgenossen des Irans blosszustellen versuchten.

Am 5. Juni 2017 setzte das Quartett die diplomatischen Beziehungen zu Katar aus und verhängte eine Land-, See- und Luftblockade. Zwei Wochen später erhöhten die Staaten den Druck weiter. Den Regenten in Doha wurde ein Ultimatum mit 13 Forderungen gestellt. Neben dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran sollte auch der populäre katarische Fernsehsender Al Jazeera seinen Sendebetrieb einstellen, was Scheich Tamin bin Hamad al Thani, der Emir von Katar, bis heute kategorisch ablehnt.

Komfortabler finanzieller Puffer

Niemals werde man sich dem Diktat der Nachbarstaaten unterwerfen, betont der erst 33 Jahre alte Herrscher, der zum Verdruss des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman auch weiterhin seinen eigenen Weg geht. Die Mittel dafür sind reichlich vorhanden. Das kleine Katar besitzt die drittgrössten Erdgasreserven. Die finanziellen Rücklagen des WM-Ausrichters von 2022 beliefen sich im Juli letzten Jahres auf gewaltige 340 Milliarden US-Dollar.

Der komfortable Puffer garantiert den 2,7 Millionen Einwohnern auch in Krisenzeiten ein sorgenfreies Leben, was ein Besuch in einem der vielen Lulu-Supermärkte von Doha eindrücklich veranschaulicht: Sämtliche Regale sind prall gefüllt. Für die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse sorgt inzwischen der Iran, der Qatar Airways auch seinen Luftraum zur Verfügung gestellt hat. Milchprodukte und Fleisch, das früher aus Saudi-Arabien kam, liefert die Türkei. Mit mehr als 2000 Soldaten stärkt das Land am Bosporus Katar auch militärisch den Rücken. Was Ankara und Doha ideologisch verbindet, ist die Unterstützung der Muslimbruderschaft, die von den Regenten in Abu Dhabi, Riad und Kairo als Terrororganisation eingestuft wird.

Ärgernis erster Güte für die Amerikaner

Für die USA ist die sogenannte Katar-Krise mittlerweile ein Ärgernis erster Güte. Im Streit um das Emirat hatte sich US-Präsident Donald Trump zunächst auf die Seite von Saudi-Arabien und seiner Verbündeten geschlagen, bis ihm seine Berater erklärten, dass sich ausgerechnet in Katar der grösste amerikanische Militärstützpunkt im Mittleren Osten befindet. Die US-Diplomatie versuchte daraufhin, zwischen den Parteien zu vermitteln, scheiterte jedoch an der Halsstarrigkeit des saudischen Kronprinzen bin Salman, den Washington nicht brüskieren wollte.

Nach der Verhängung von noch härteren Sanktionen gegen den Iran drängt in Washington nun offenbar die Zeit: In der dritten Maiwoche forderte die US-Regierung die Mitglieder des Golfkooperationsrates (GCC), dem neben Saudi-Arabien auch Katar, die Vereinigten Emirate, Kuwait, Bahrain und der Oman angehören, auf, ihrer Konfrontationsstrategie gegenüber dem Iran zu folgen. Wichtigste Voraussetzung dafür wäre eine Aufhebung der saudischen Blockade gegen Katar, das zum wirtschaftlichen Überleben auf den Iran angewiesen ist. Nicht nur die meisten Flugzeuge, sondern auch Schiffe müssen auf dem Weg nach Doha durch iranisches Hoheitsgebiet. Mit der Islamischen Republik teilt Katar auch das grösste Gasfeld der Welt.

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