Pro & Contra
Erhalt oder Gefährdung der Landwirtschaft?

Am 23. September stimmen wir über die Initiative für Ernährungssouveränität ab. Bäuerin Elsbeth Arnold und Nationalrat Marcel Dettling erläutern ihre Argumente.

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Pro

Elsbeth Arnold.

Elsbeth Arnold.

Die Umfragen zeigen es: Die Initiative für Ernährungssouveränität weckt gerade bei Frauen und jungen Menschen grosses Interesse. Angesichts der vielen Lebensmittelallergien und der unzähligen Lebensmittelskandale in den vergangenen Jahren ist das verständlich.

Für mich als Bäuerin ist wichtig, dass wir überlegen, was auf uns zukommt. Die Initiative fordert «gleich lange Spiesse für alle». Die Zukunft beschert uns weitere landwirtschaftliche Initiativen, weil gesunde Ernährung ein wichtiges Anliegen der Bevölkerung geworden ist. Diese Initiativen (Trinkwasser, pestizidfreie Schweizer Landwirtschaft, keine Massentierhaltung u. a.) fordern höhere Standards für die Produktion von Lebensmitteln in der Schweiz.

Bei einem Triumph der Ernährungssouveränität können wir diese Standards auch von importierten Lebensmitteln einfordern. Das wird für den Erhalt der einheimischen Landwirtschaft entscheidend sein. Wir sind auf Nahrungsmittelimporte angewiesen, von Abschottung ist nicht die Rede. Die Initiative möchte der Versorgung mit einheimischen Lebens- und Futtermitteln, wo immer möglich, den Vorrang geben. Das ist richtig und wichtig. Von uns Bauern wird erwartet, dass wir nachhaltige Lebensmittel anbieten. Konsumenten wollen mehr lokale Produkte und weniger Energie- und Ressourcenverschleiss. Deshalb legen wir ein Ja für Ernährungssouveränität in die Urne

Elsbeth Arnold, Spiringen UR, Bäuerliches Komitee für die Ernährungssouveränitätsinitiative

Contra

Marcel Dettling.

Marcel Dettling.

Die Ernährungssouveränitätsinitiative ist gut gemeint. Sie will unter anderem, dass der Bund eine einheimische, bäuerliche Landwirtschaft fördert, die gesunde Lebensmittel produziert. So weit, so gut. Das kann ich alles unterstützen. Dem hat das Schweizervolk bereits im letzten Herbst im Grundsatz zugestimmt, beim Gegenvorschlag zur Initiative des Bauernverbandes.

Die Initiative aus der Westschweiz geht nun aber noch viel weiter. Sie möchte, dass sich der Staat mehr einmischt, was in welchen Mengen produziert wird, beim Preis, bei den Arbeitsbedingungen der Angestellten in der Landwirtschaft und so weiter. Kurzum, es werden noch mehr Gesetze entstehen, was mehr Vorschriften für die Bauern bedeutet. Letztlich führt dies zu höheren Preisen für die Konsumenten, ohne dass der Produzent etwas davon hat. Mit höheren Preisen riskieren wir noch mehr Einkaufstourismus.

Das heisst, wir verlieren noch mehr Wertschöpfungsanteil ans nahe Ausland. Der Staat muss gute Rahmenbedingungen festlegen und sich nicht in alle Bereiche einmischen. Diese Initiative ist viel zu extrem formuliert. Mit der Annahme des Gegenvorschlages zur Initiative des Bauernverbandes haben wir eine gute Grundlage, um die Agrarpolitik dieses Landes positiv zu gestalten. Setzen wir zuerst diese Initiative vom letzten Herbst um – und lehnen die Initiative für Ernährungssouveränität ab.

Marcel Dettling, Nationalrat (SVP/SZ)