Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ermittler widersprechen ersten Darstellungen im Fall Magnitz

Die Empörung nach dem Angriff auf einen AfD-Abgeordneten ist gross. Doch nun gibt es Zweifel an der Darstellung der Partei über den Vorfall in Bremen. Die Polizei ist im Besitz eines Überwachungsvideos, auf dem die Tat dokumentiert ist.
Christoph Reichmuth, Berlin
An dieser Stelle wurde der AfD-Abgeordnete Frank Magnitz am Montag von Unbekannten attackiert. (Helmut Reuter/Keystone (Bremen, 8. Januar 2019)

An dieser Stelle wurde der AfD-Abgeordnete Frank Magnitz am Montag von Unbekannten attackiert. (Helmut Reuter/Keystone (Bremen, 8. Januar 2019)

Frank Magnitz hat das Bremer Krankenhaus gestern auf eigenen Wunsch verlasen. Dem 66-jährigen Bremer AfD-Landeschef und Bundestagsabgeordneten gehe es den Umständen entsprechend gut, hiess es. Tags zuvor, am Dienstag, hatte der bislang eher unbekannte Abgeordnete landesweit und sogar international für Schlagzeilen gesorgt. Der Politiker war am Montagabend nach einem Neujahrsempfang der Bremer Lokalzeitung auf dem Nachhauseweg von Unbekannten attackiert worden.

Frank Magnitz. (Bild: AP/DPA)

Frank Magnitz. (Bild: AP/DPA)

Die AfD veröffentlichte ein schauerliches Foto des schwer verletzten Mannes: geschwollene Augen, blutige Narben im Gesicht. Die Bundesregierung, der Bundespräsident, Vertreter sämtlicher Parteien verurteilten die Gewalttat gegen den Politiker. Magnitz selbst empfing am Dienstag Medienvertreter am Spitalbett und sagte: «Das darf man ohne zu dramatisieren als Mordanschlag bezeichnen.» AfD-Chef Alexander Gauland schlug in die selbe Kerbe. Er machte Medien und die politische Konkurrenz für die Gewalttat auf den AfD-Mann mitverantwortlich.

Vorfall in guter Qualität aufgenommen

Indes, so dramatisch und scheinbar durchgeplant, wie die AfD Bremen und das Opfer Magnitz den Vorfall geschildert hatten, ist die Tat offenbar nicht abgelaufen. Jedenfalls nicht nach Darstellung der zuständigen Ermittlungsbehörden. Magnitz sei nicht mit einem Kantholz oder einem anderen Gegenstand von drei Vermummten bewusstlos geschlagen und es sei auch nicht auf den bereits am Boden kauernden Politiker mit Füssen eingetreten worden. Der Vorfall vom späten Montagnachmittag wurde von Überwachungskameras laut Polizeiangaben in guter Qualität aufgezeichnet. Der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade, meinte gestern: «Das Video spricht für sich.»

Demnach zeigen die Aufnahmen aus der Überwachungskamera, wie drei Unbekannte dem AfD-Mann gefolgt sind. Einer der Männer habe Magnitz von hinten angesprungen, «den Ellbogen voraus», sagt Passade. Ein zweiter Mann sei nebenher gelaufen, ein Dritter habe sich im Hintergrund aufgehalten. Die massiven Verletzungen im Gesicht des AfD-Abgeordneten stammten nach dieser Darstellung nicht von Fusstritten, sondern vom umgebremsten Sturz mit dem Gesicht voran – Magnitz soll die Hände in der Hosentasche gehabt haben und konnte den Sturz daher nicht abfedern.

Die drei Unbekannten, die sich erst kurz vor der Tat eher behelfsmässig vermummt hätten, seien sofort geflüchtet, von Tritten, Schlägen oder einem Kantholz keine Spur. Magnitz sei auch nicht – wie von der AfD dargestellt – durch das beherzte Eingreifen von sich in der Nähe aufhaltenden Handwerkern quasi vor noch Schlimmerem bewahrt worden. Die Handwerker hätten den Notarzt alarmiert, aber nicht in das Geschehen eingegriffen. Die Handwerker haben laut Berichten auch nichts von einem Kantholz erzählt – was wiederum im Widerspruch zu den Angaben von Frank Magnitz steht, der seine Schilderungen mit Verweis auf die Aussagen seiner angeblichen Helfer getätigt hatte. Bereits am Vormittag war Magnitz in der «Bild»-Zeitung zurückgekrebst. Es könne auch «ein Raubüberfall gewesen sein», meinte er.

«Wir würden mit dem jetzigen Wissen etwas anders formulieren»: Thomas Jürgewitz, Stellvertretender Bremer AfD-Landesvorsitzender

Allerdings erscheint auch dies unwahrscheinlich, da die Täter sofort das Weite gesucht haben. Die Bremer Staatsanwälte ermitteln jedenfalls nicht mehr wegen Totschlagversuchs, sondern wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen die drei Angreifer. Motive und die Identitäten der Täter sind noch immer unbekannt.

«Kantholz-Version» fallen gelassen

Die AfD Bremen hielt zunächst an ihrer Darstellung des Tathergangs fest, ruderte am späten Nachmittag dann aber etwas zurück. Die «Kantholz-Version», die zunächst auch von der Bremer Polizei aufgrund ungesicherter, von aussen an sie herangetragenen Informationen so gestützt worden war, wurde fallen gelassen. «Wir würden mit dem jetzigen Wissen etwas anders formulieren», sagte der stellvertretende Bremer AfD-Landesvorsitzende Thomas Jürgewitz gegenüber der «Welt».

Sicherlich, die Attacke gegen den Politiker ist so oder so zu verurteilen. Nichtsdestotrotz ist die Darstellung der Tat von Relevanz – vor allem auch das Motiv der Täter. Magnitz selbst machte deutlich, dass er die Angreifer in der linksextremen Szene verortet, die AfD verschaffte sich nach dem Vorfall ebenfalls medienwirksam Gehör.

In Deutschland bahnt sich eine weitere pikante Affäre über die Frage nach der richtigen Version einer Geschichte an. Die letzte endete mit der Entlassung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maassen nach dem mutmasslich von Flüchtlingen verübten Mord an einem Deutschen in Chemnitz in diesem Sommer.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.