Italien
Erste Lockerungen nun auch in Europas Coronahotspot: Italiens wirrer Weg in die Normalität

Gestern startete Italien seine Lockdown-Lockerung. Selbst im einst völlig überlasteten Spital von Bergamo herrscht wieder Normalbetrieb.

Dominik Straub aus Rom
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Auch Neapel erwachte gestern wieder zum Leben.

Auch Neapel erwachte gestern wieder zum Leben.

Ciro Fusco/EPA

Italien atmet auf: Rund vier Millionen Menschen, die in «strategisch wichtigen Branchen» arbeiten, konnten gestern ihren Job nach fast zwei Monaten im Lockdown wieder aufnehmen. Und alle anderen durften wenigstens wieder einmal richtig an die frische Luft. Die «Phase 2», wie der erste Schritt zurück in die Normalität genannt wird, sei kein Freipass um tun und lassen zu können, wonach einem gerade der Sinn steht, warnte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Sonntagabend.

Die Vorschrift, mindestens einen Meter Abstand zu anderen Menschen einzuhalten, bleibt bestehen. In geschlossenen Räumen herrscht Maskenpflicht. Ansammlungen von mehr als zwei Personen bleiben verboten. Zumindest am ersten Tag nach der «Befreiung» hat das gut funktioniert.

Was gilt und was nicht, ist häufig unklar

Die Regierung hatte in der vergangenen Woche zunächst deutlich vorsichtigere Öffnungen angekündigt. Doch unter dem Druck der Unternehmerverbände und der von Lega-Chef Matteo Salvini angeführten rechten Opposition beschloss Conte dann doch eine raschere Lockerung. Was nun gilt und was nicht, ist zuweilen aber reichlich verwirrend. Ein Beispiel: Spazierengehen ist offiziell weiterhin nicht gestattet, «Walking» dagegen schon, weil es sich dabei laut der Regierung um eine erlaubte «körperliche Ertüchtigung» handelt.

Zum Regel-Chaos beigetragen haben ausserdem einige Regionen, die in den letzten Tagen mit verhältnismässig liberalen eigenen Bestimmungen vorgeprescht sind. So hat etwa Kalabriens Regionalpräsidentin Jole Santelli angesichts der tiefen Fallzahlen in ihrer südlichen Region angeordnet, dass Bars und Restaurants, die Tische im Freien anbieten können, wieder öffnen dürfen. Gemäss dem Dekret der Regierung müssten die Gastronomiebetriebe aber noch bis Ende Mai geschlossen bleiben.

Italien scheint also fürs Erste über den Berg: Die Zahl der Coronatoten ist von täglich fast 1000 auf durchschnittlich 200 zurückgegangen, Tendenz sinkend. Die Zahl der Covid-Patienten in den Intensivstationen hat sich seit dem Höhepunkt der Epidemie mehr als halbiert. Selbst im Spital von Bergamo, das zum Sinnbild der völlig überlasteten Krankenhäuser in Norditalien geworden war, herrscht wieder Normalbetrieb.