Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ESKALIERENDE REBELLIONEN: Kongo, seit Jahrzehnten in der Gewaltspirale

Die Gewalt im Süden und Osten der Demokratischen Republik Kongo wird immer brutaler, eine politische Lösung im Konflikt um Präsident Joseph Kabila immer unwahrscheinlicher.
Walter Brehm
Binnenflüchtlinge aus der umkämpften Region Kasai harren in Kikwit aus. Rund 3000 Personen sind der Gewalt in Kasai zum Opfer gefallen. (Bild: John Wessels/AFP (7. Juni 2017))

Binnenflüchtlinge aus der umkämpften Region Kasai harren in Kikwit aus. Rund 3000 Personen sind der Gewalt in Kasai zum Opfer gefallen. (Bild: John Wessels/AFP (7. Juni 2017))


Walter Brehm

Die Gewalt in der Kasai-Region im Süden der Demokratischen Republik Kongo (DRC) wird immer brutaler. Der UNO-Sicherheitsrat hat sich zu einer Resolution dazu aufgerafft. Die Lage soll von unabhängigen Experten untersucht werden. Die Lage? Das sind Überfälle, Morde und Vertreibung, begangen von Truppen der Regierung und Rebellen­milizen gleichermassen. Seit vergangenem August sind in der Kasai-Region mindestens 3300 Personen getötet worden. Etwa 1,3 Millionen Personen aus den drei Kasai-Provinzen sind zu Binnenflüchtlingen geworden, etwa 30000 suchen Schutz in Angola.

Seit über einer Woche stehen auch die seit Jahren zwischen der kongolesischen Armee und wechselnden Rebellenorganisationen umkämpften, aber lange vergessenen Ostprovinzen Nord- und Süd-Kivu wieder im Fokus des internationalen Interesses. Eine bisher unbekannte Gruppe, welche die Befreiung des Landes ankündigt, rückte vergangene Woche in Beni ein, der Metropole Nord-Kivus. Die Rebellen lieferten sich mit schwerer Artillerie heftige Kämpfe mit Regierungstruppen. Augenzeugen berichten, die Rebellen seien wieder aus dem Stadtzentrum vertrieben worden, die Kämpfe dauerten aber an.

Undurchsichtige Lage in den Ostprovinzen Kongos

Wie undurchsichtig die Lage ist, zeigt folgendes Beispiel: Die «Revolutionäre Nationalbewegung» (MNR) hatte sich vergangene Woche erstmals öffentlich zu Wort gemeldet. Sie rief zur Befreiung des Landes von Präsident Joseph Kabila und von der «ausländischen Besatzung» auf. Ihr angeblicher Sprecher John Mangaiko erklärte, die MNR sei eine «revolutionäre Bewegung ohne Chefs». Ihren Angriff auf Beni begründete der Sprecher ohne nähere Erklärung mit «Provokationen». Laut der in Berlin erscheinenden TAZ sehen viele Kongolesen in den MNR-Aktionen keinen Versuch, Kabila zu stürzen. Vielmehr stünden staatliche Akteure dahinter, um weitere Unsicherheiten zu schüren und so die längst überfälligen nationalen Wahlen unmöglich zu machen.

Egal, welche Rolle die MNR oder verdeckte Hintermänner spielen: In der Demokratischen Republik Kongo geht es derzeit tatsächlich vor allem um den Sesselkleber Joseph Kabila, der sich dem Ende seiner Präsidialzeit mit allen Mitteln des Verfassungsbruchs und der Gewalt verweigert. Dennoch mehren sich die Zeichen, dass Kabila die internationale Duldung seiner Herrschaft verliert – und sei es nur deshalb, weil er bei der Ausbeutung kongolesischer Bodenschätze nicht mehr nützlich ist. Sicherheits­garantien für internationale Konzerne kann er längst nicht mehr einhalten. In der Bergbauregion Kasai hat Kamwina Nsapu, Chef der gleichnamigen Miliz, im vergangenen August zum Sturz Kabilas und zur Ermordung von Vertretern ausländischer Firmen aufgerufen.

Ausländische Pläne für Regimewechsel?

Die Vermutung, dass es internationale Pläne für einen «Regime-Change» im Kongo gibt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Denn innenpolitisch hat Kabila trotz der eskalierenden Gewalt wenig zu befürchten. Etienne Tshisekedi, der wichtigste Oppositionspolitiker, ist im Februar gestorben. Seine Partei Union für Demokratie und Fortschritt ist im Kampf gegen Kabila seither gespalten.

Schlechte Aussichten für einen Kongo, der seinen Staatsnamen verdient. Die Versuchung, einen neuen Garanten für internationale Rohstofffirmen zu finden, wächst. Die Zeche zahlte einmal mehr das kongolesische Volk.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.