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Estland reagiert auf Angriff

Auslöser Der Standort des Nato Cyber Defence Centre im estnischen Tallinn ist kein Zufall. 2007, ein Jahr vor der Gründung des Centers, wurde Estland, das wie kein anderes Land in Europa auf die Digitalisierung gesetzt hat, Opfer einer Cyber-Attacke bisher unbekannten Ausmasses. Die Störungen begannen Ende April. Bankomaten verweigerten den Dienst, in Läden war Kartenzahlung unmöglich, Webseiten von Regierung und Parlament waren blockiert. Die Angriffe hielten mehrere Wochen lang an, zum Teil waren auch Medien, Internetanbieter und Geschäftsbanken betroffen.

Über so genannte «Denial of Service»-Attacken wurden von Tausenden ferngesteuerten Computern so viele Anfragen an Webseiten geschickt, dass diese unter der Last zusammenbrachen. Der Organisationsgrad der Attacken und die Gleichzeitigkeit, mit der die verschiedenen Institutionen angegriffen wurden, waren so hoch, dass schnell die Vermutung aufkam, Russland stecke hinter der Aktion oder habe zumindest Internet­kriminellen viel Geld dafür bezahlt. Der Verdacht wurde auch durch den politischen Kontext gestützt. Die Attacke begann just am selben Tag, an dem unter Protesten von russischsprachigen Jugendlichen ein sowjetisches Bronzedenkmal aus Tallinn entfernt wurde.

Eine ganze Industrie für Hackerangriffe

Dass niemand bei der Cyber-Attacke ernsthaft zu Schaden kam, war gemäss dem damaligen Präsidenten Toomas Hendrik Ilves nur eine Frage des Glücks. «In der Zeit, in der der Notruf angegriffen und blockiert wurde, ist nichts passiert. Aber es hätte anders sein können. Da hört der Spass dann auf», so Ilves gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Dass es in Russland eine eigentliche Industrie für Hackerangriffe gibt, ist mittlerweile bekannt. Gemäss Oberstleutnant Frank Lantenhammer, dem stellvertretenden Leiter des Nato Cyber Defence Centre in Tallinn, verfügen Russland und China neben den USA klar über die grössten Kapazitäten zur Durchführung von Operationen im Cyber-Raum. Auch beim Teilblackout der ukrainischen Stromversorgung 2015 ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Urheber in Russland zu suchen sind. Eine nochmals andere Qualität stellte die Cyber-Attacke mittels des Computerwurms Stuxnet auf iranische Atomanlagen 2010 dar. Nach der Einschleusung veränderte der Wurm die Steuerungssoftware mit dem Ziel, die Anlagen funktionsunfähig zu machen. Es wird vermutet, dass Israel und die USA die Auftraggeber hinter Stuxnet waren. (rhb)

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