Ferien
Europäische Kreuzfahrer sind auf dem Vormarsch

Die Anzahl europäischer Kreuzfahrtpassagiere hat sich in den letzten acht Jahren verdoppelt. Ferien auf den Riesendampfern liegen im Trend - und sind ein gutes Geschäft. Daran konnte auch die Causa Costa Concordia nichts ändern.

Thomas Schlittler
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Platz für 5400 Passagiere: «Allure of the Seas» – das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt.Corbis

Platz für 5400 Passagiere: «Allure of the Seas» – das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt.Corbis

5400 Passagiere, 2706 Kabinen, 2165 Besatzungsmitglieder, 361 Meter Länge, 47 Meter Breite, 16 Decks, 8 Restaurants, 4 Pools – ein Schiff. Die «Allure of the Seas» gilt seit ihrer Jungfernfahrt vor über zwei Jahren als das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt.

Der Riesendampfer gehört der amerikanischen Reederei Royal Caribbean International und ist somit ein Symbol für die Vormachtstellung Nordamerikas in der Branche. Diese Dominanz hat in den letzten Jahren allerdings deutlich abgenommen.

Die Europäer holen auf: Zwischen 2005 und 2011 hat sich die Anzahl europäischer Kreuzfahrer auf stolze 6,18 Millionen Passagiere beinahe verdoppelt.

Stammten 2005 gemäss dem European Cruise Council (ECC) 70 Prozent der Kreuzfahrtpassagiere aus Nordamerika, waren es 2011 noch 56 Prozent. Für 2012 hat das ECC bisher keine Daten präsentiert, der Boom hält aber an.

Sogar das Binnenland Schweiz hat Kreuzfahrten für sich entdeckt. In den letzten fünf Jahren hat die Anzahl Schweizer Kreuzfahrer im Jahresdurchschnitt um 17,1 Prozent zugenommen. 2011 haben mehr als 120 000 Schweizer eine Kreuzfahrt gemacht.

Kein Einbruch wegen Costa-Unglück

Die grössten Schweizer Reiseveranstalter Kuoni, Hotelplan Suisse und Tui Suisse spüren die erhöhte Nachfrage. Alle drei sprechen von einer jährlichen Buchungszunahme im zweistelligen Prozentbereich. Das Unglück des italienischen Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia Anfang 2012 hat die Nachfrage nicht nachhaltig beeinträchtigt.

«Während einiger Monate haben wir das leicht gespürt, dann ging der langjährige Positivtrend aber weiter», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin von Hotelplan Suisse.

Sie glaubt, dass die erhöhte Nachfrage vor allem auf das gesunkene Preisniveau zurückzuführen ist: «Weil es immer mehr Reedereien hat auf dem Markt, sind Kreuzfahrten in den letzten Jahren deutlich billiger geworden.» Das bestätigt auch Kuoni-Sprecher Simon Marquard: «Die Kunden profitieren vom Preiskampf der Reedereien.» Kreuzfahrten würden somit für eine grössere Kundschaft erschwinglich.

Die Vertreter der Reisebranche sind aber der Meinung, dass die gesunkenen Kosten nicht der einzige Grund sind für den Boom: «Der Andrang hat sicher auch mit den neuen Angeboten zu tun. Heute gibt es sehr individualisierte Themenreisen», so Huguenin-dit-Lenoir. Von Golf- oder Country-Musik-Kreuzfahrten bis hin zu Gay-Travel-Angeboten sei praktisch für jeden Geschmack etwas dabei.

Dabei variiere auch die Dimension der Schiffe. Die grössten Schiffe kommen in der Regel bei klassischen Ozean-Kreuzfahrten zum Einsatz. Für eine Reise in die Arktis zum Beispiel werden hingegen eher kleinere Schiffe verwendet. «Das Angebot spricht nicht mehr nur die Luxusklasse an», betont Tui-Suisse-Sprecher Roland Schmid. Er und seine Kollegen von der Konkurrenz sind überzeugt, dass der Kreuzfahrten-Boom auch in Zukunft anhalten wird: «Wir erwarten eine deutlich positive Entwicklung.»