Grossbritannien
Ex-Johnson-Berater Cummings: «Wir haben Leute mit Corona zurück in die Pflegeheime geschickt»

Der einstige Vertraute von Regierungschef Boris Johnson erhebt schwere Vorwürfe gegen die britische Regierung.

dpa
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Dominic Cummings bezeichnet die britische Regierung als unfähig.

Dominic Cummings bezeichnet die britische Regierung als unfähig.

EPA

Der einst wichtigste Berater des britischen Premierministers Boris Johnson hat der Regierung «katastrophales Versagen» zu Beginn der Coronapandemie vorgeworfen. Johnson selbst habe das Virus völlig unterschätzt, sagte Dominic Cummings gestern vor Parlamentariern in London. Der Regierungschef habe sich sogar absichtlich mit Corona infizieren lassen wollen, um zu zeigen, dass das Virus nicht gefährlich sei.

Minister, Beamte und Berater seien «katastrophal hinter den Standards zurückgeblieben, die die Öffentlichkeit in einer Krise erwarten darf», sagte Cummings. Die Regierung habe die Anzeichen der sich ausbreitenden Pandemie nicht erkannt, habe zu spät zu Homeoffice-Arbeit aufgerufen und Pubs und Sportstätten zu lange offen gelassen.

Der Plan der Regierung sei es gewesen, die Herdenimmunität zu erreichen. So hätte ein Spitzenbeamter Mitte März 2020 gesagt, Johnson solle die Bevölkerung zu Coronavirus-Partys aufrufen. Zudem sei man fahrlässig mit dem Schutz von Alten und Kranken umgesprungen.

«Wir haben Leute mit Corona zurück in die Pflegeheime geschickt.»

Das sagte Cummings. Das Virus habe sich deswegen «wie ein Lauffeuer verbreitet».

Boris Johnson hat seine Coronapolitik gestern hingegen verteidigt. «Wir haben in jeder Phase versucht, den Verlust von Menschenleben zu minimieren», sagte der Premierminister am Mittwoch im Parlament in London. (dpa)