England
Ex-Premierministerin Margaret Thatcher ist 87-jährig gestorben

Die britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher ist heute Morgen an einem Schlaganfall gestorben. Daraufhin würdigten Politiker aller Richtungen und Weggefährten die Leistungen der konservativen Politikerin.

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Margaret Thatcher (1925-2013)
12 Bilder
1982 während des Falkland-Kriegs auf Wahl-Tournee durch London
Weiche Seiten: 1981 an einer Parteiversammlung der Konservativen
Mit Ronald Reagan 1983
1984 auf dem Bundesratssitz Lohn bei Kehrsatz: Thatcher mit dem Schweizer Bundesrat
In China: Auf einer Aufnahme von 1982 mit Deng Xiaoping, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei
Mit ihrem Ehemann Denis Thatcher in Indien 1981
Bei Papst Benedikt XVI.
Im «House of Lords» vor der Rede der Queen

Margaret Thatcher (1925-2013)

Keystone

Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist tot. Sie starb am Montag an den Folgen eines Schlaganfalls, wie ihr Sprecher Lord Timothy Bell unter Berufung auf die Familie Thatcher bekanntgab.

Die als "Eiserne Lady" bekanntgewordene konservative Politikerin hatte bereits mehrere Schlaganfälle erlitten. Nach Angaben ihrer Tochter war sie seit Jahren dement. Sie hatte sich nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt.

Thatcher war von 1979 bis 1990 Premierministerin Grossbritanniens. Sie machte sich vor allem durch den Falkland-Krieg gegen Argentinien und ihre Rolle innerhalb der damaligen Europäischen Gemeinschaft einen Namen.

Das - verkürzte - Zitat "Ich will mein Geld zurück", mit dem sie den sogenannten "Britenrabatt" durchsetzte, wurde legendär. Nach ihrem Abgang aus der Downing Street wurde sie in den Adelsstand erhoben und trat in das britische Oberhaus ("House of Lords") ein.

Harter Kurs

Thatcher hatte die britische Politik und Teile der Weltpolitik in den 1980er Jahren geprägt. Innenpolitisch hatte vor allem ihr extrem harter Kurs gegen die in Grossbritannien bis dahin traditionell starken Gewerkschaften, das Kürzen von Sozialleistungen und eine von ihrer Regierung in Gang gesetzte Welle von Privatisierungen für Furore gesorgt.

Kritiker ihrer Politik sehen dies als schwere Fehler an, Befürworter halten die Reformen nach wie vor für wichtige strukturpolitische Weichenstellungen.

Aussenpolitisch gab sich Thatcher ebenso kompromisslos. Mit US-Präsident Ronald Reagan wurde ihr ein innige politische Freundschaft nachgesagt, das Verhältnis zum damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) galt dagegen als gespalten. Nach dem Fall des Eisernes Vorhanges hatte sich Thatcher zunächst skeptisch gegenüber einer Wiedervereinigung Deutschlands gezeigt.

"Naturgewalt"

Der britische Regierungschef und Parteifreund Thatchers, David Cameron, brach eine Tour durch europäische Hauptstädte wegen des Todes Thatchers umgehend ab. "Wir haben eine grosse Führerin verloren, eine grosse Premierministerin und eine grosse Britin", würdigte Cameron die Verstorbene.

Auch Queen Elizabeth II. verlieh ihrer Trauer über den Tod der Weggefährtin Ausdruck. Die Königin werde ein privates Telegramm an die Familie Thatchers schreiben, kündigte der Buckingham Palast an.

Der frühere Labour-Premier Tony Blair erklärte, Thatcher habe nicht nur die politische Landschaft ihres Landes, sondern der ganzen Welt verändert. Der frühere konservative Premier John Major hat seine direkte Vorgängerin Margaret Thatcher als "Naturgewalt" und "politisches Phänomen" gewürdigt.

Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, erklärte, die oft EU-kritisch aufgetretene Thatcher werde "genauso für ihre Beiträge wie für ihre Vorbehalte gegenüber unserem gemeinsamen Vorhaben" in Erinnerung bleiben.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erklärte, die erste und bislang einzige Frau an der Spitze der britischen Regierung sei "keine Frauenpolitikerin" gewesen. Trotzdem habe sie "vielen nach ihr ein Beispiel gegeben".

Über dem britischen Regierungssitz wehte am Montag die Flagge auf halbmast. Schon kurz nachdem sich die Nachricht vom Tod Thatchers verbreitet hatte, wurden vor ihrem Haus im Londoner Diplomatenviertel Belgravia Blumen niedergelegt.

Kritische Stimmen

Doch es gab auch kritische Stimmen zum Tod der umstrittenen Politikerin. Der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone sagte, die Politik Thatchers sei "grundlegend falsch" gewesen.

Es sei ein "grossartiger Tag" für Kohle-Arbeiter, erklärte der Generalsekretär der Gewerkschaft der Bergleute in Durham. "Ich habe kein Mitleid, weil sie unserer Gesellschaft Schlimmes angetan hat. Sie hat unsere Gemeinschaft, unsere Dörfer und unsere Menschen zerstört."

Thatcher hatte bereits mehrere Schlaganfälle erlitten. Nach Angaben ihrer Tochter Carol war sie seit Jahren dement. Sie hatte sich nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt.