Ex-Skistar Marc Girardelli kauft sich in Bansko sein eigenes Skigebiet

Der ehemalige Skistar entpuppt sich als Besitzer eines bulgarischen Skigebiets. Dort hat Girardelli grosse Pläne, trifft aber auf erbitterte Gegner.

Frank Stier, Sofia
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Hat in Bulgarien ein Skigebiet gekauft. Marc Girardelli. (Bild: Roger Grütter)

Hat in Bulgarien ein Skigebiet gekauft. Marc Girardelli. (Bild: Roger Grütter)

Jahr für Jahr wird das malerische Städtchen Bansko am Fusse des 2914 Meter hohen Gipfels Wichren im südwestbulgarischen Pirin-Gebirge von internationalen Medien zur preiswertesten Ski-Destination Europas gekürt. Es hat einen prominenten Ehrenbürger. Der fünffache Ski-Weltcup-Gesamtsieger Marc Girardelli wirkt als sein «Reklame-Gesicht». Jeweils zur Eröffnung der Skisaison im Dezember lädt er alte Kämpen aus dem Skizirkus zu Schaurennen über die Pisten «Girardelli» und «Tomba» ein. Der heuer als Ehrengast angekündigte Patrick Ortlieb musste seine Teilnahme krankheitsbedingt aber absagen.

Am Montag hat Marc Girardelli eine Medien-Bombe gezündet. In einem Gespräch mit den bulgarischen Ministern für Wirtschaft, Umwelt und Tourismus outete er sich als Mehrheitseigentümer der das Banskoer Skigebiet betreibenden Julen AG. Eine Überraschung, weil um die Hintermänner der Julen AG seit langem ein grosses Geheimnis gemacht wurde. Umweltschützer haben mehrmals vergeblich versucht, das Geheimnis zu lüften. Zwischen ihnen und der Julen AG herrscht ein erbitterter Streit um die Entwicklung des Skigebiets, das im zum Unesco-Weltnaturerbe gehörenden Nationalpark Pirin liegt. Bislang hatten die Umweltschützer aber einen gesichtslosen Gegner. In einem kaum zu durchschauenden Geflecht aus Offshore-Gesellschaften tauchte stets Georgius Georgiu als einziger Name einer natürlichen Person auf. Bei ihm soll es sich aber um einen mittellosen Zyprioten handeln. Am Montag veröffentlichte das bulgarische Umweltministerium im Anschluss an das Gespräch mit Girardelli die folgende Presseerklärung: «Marc Girardelli hat Originalunterlagen vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass er zu 100 Prozent Eigentümer der auf den britischen Jungfraueninseln registrierten Tax Services Ltd. ist, die ihrerseits die Mehrheit an der Julen AG besitzt.»

Er habe die Tax Services Ltd. im Jahr 2016 von einem grossen, auf drei Kontinenten tätigen Investitionsfonds gekauft, erzählte Marc Girardelli am Dienstagmorgen im Frühstücksfernsehen des bulgarischen TV-Kanals Nova TV. Aufgrund einer Vertraulichkeitsverpflichtung dürfe er dessen Namen nicht nennen, könne auch zum Kaufpreis nichts sagen. Warum er sich aber seitdem nicht als Mehrheitseigner von Julen zu erkennen gegeben habe? «Es hat mich ja niemand gefragt», antwortete lapidar der ehemalige Skistar, der seit vielen Jahren in Rebstein im Kanton St. Gallen wohnt.

Im Banskoer Skigebiet sorgt ein gutes Dutzend Lifte für die zügige Beförderung der Skifahrer bis fast auf 2600 Metern Höhe. An der Talstation der einzigen Gondelbahn müssen die Skifahrer zuweilen aber stundenlang warten. Skigebietsbetreiber Julen will seit langem eine zweite Gondel bauen. Nach Ansicht der Umweltschützer lässt der gültige Entwicklungsplan für das Naturschutzgebiet die Ausbau aber nicht zu. Der Streit wird medial mit harten Bandagen geführt. Die Umweltschützer würden von den Alpenrepubliken Schweiz und Österreich bezahlt, um Bulgariens Skitourismus zu torpedieren, behaupten bulgarische Medien.

Dass sich mit Girardelli ausgerechnet ein in der Schweiz lebender Österreicher als Investor des Skigebiets präsentiert, ist die Ironie der Geschichte. «In Österreich haben wir zig Lifte gebaut in Naturschutzgebieten und ich schäme mich immer zu sagen, dass wir hier seit zehn Jahren versuchen, eine zweite Gondel zu bauen und es nicht können», klagte Girardelli. Es sei sein Wunsch, «Bansko zu Bulgariens bestem Skiort zu machen, bekannt auf der ganzen Welt». Bleibt zu hoffen, dass Girardelli beim Skigebiet erfolgreicher wirtschaften wird als mit seiner Disco Arena in Thal (SG). Diese ging nach einem fulminanten Start Konkurs.