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Ex-Staatschef Juan Carlos im Zwielicht

Brisante Vorwürfe von einer ehemaligen Freundin: Altkönig Juan Carlos sieht sich mit Vorwürfen im Umfeld von Korruption und Geldwäsche konfrontiert. Ein Polizist hat ein Gespräch mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein aufgezeichnet und veröffentlicht.
Ralph Schulze, Madrid
Seine frühere «Amiga» enthüllte wenig Schmeichelhaftes über Juan Carlos. Bild: Carlos Alvarez/Getty (Madrid, 6. Juni 2018)

Seine frühere «Amiga» enthüllte wenig Schmeichelhaftes über Juan Carlos.
Bild: Carlos Alvarez/Getty (Madrid, 6. Juni 2018)

Die Frage ist brisant: Hat Spaniens alter König Juan Carlos als Staatschef Schmiergelder kassiert? Und versteckte er einen Teil seiner Reichtümer vor dem spanischen Finanzamt? Diesen Verdacht legen vertrauliche Aussagen von Juan Carlos’ früherer Freundin und Beraterin Corinna zu Sayn-Wittgenstein nahe, die nun in Form einer Tonaufzeichnung spanischen Medien zugingen. Sollten sich die Enthüllungen als wahr erweisen, könnte der 80-Jährige im Ruhestand auf der Anklagebank landen.

«Er unterscheidet nicht zwischen dem, was legal ist, und dem, was illegal ist», lautet eine der brisanten Aussagen von jener Frau, die mehrere Jahre als «Amiga» und Vertraute von Juan Carlos galt und heute 53 Jahre alt ist. Dass die blonde Geschäftsfrau eine ­besondere Rolle in Juan Carlos’ Leben spielte, erfuhr die Welt im Jahr 2012. Damals brach sich Ihre Majestät im afrikanischen Botswana die Hüfte, und zwar bei einem Stolperunfall während einer Elefantenjagd. Als seine ­Begleiterin wurde aber nicht die ihm angetraute Königin Sofía identifiziert, sondern Corinna zu Sayn-Wittgenstein.

Peinliche Dokumente sollten vernichtet werden

Nach der verunglückten Grosswildjagd ging es wohl auch mit der langjährigen Beziehung zu Sayn-Wittgenstein bergab. Eine Beziehung, die offenbar vorübergehend so eng war, dass Juan Carlos laut Sayn-Wittgenstein versichert haben soll: «Ich werde dich heiraten.» Doch das war schon Geschichte zu jenem Zeitpunkt, als sich die Deutsche 2015 gegenüber einem hochrangigen spanischen Polizeioffizier beklagte, dass sie von Spaniens Geheimdienst unter Druck gesetzt werde. Und dass man sie mit Drohungen dazu bewegen wolle, für den König höchst peinliche Dokumente zu vernichten. Der Polizist nahm das vertrauliche Gespräch offenbar ohne Wissen der Betroffenen auf und spielte es nun, drei Jahre später, den Medien zu. Vermutlich aus Rache, weil er derzeit selbst wegen mutmasslicher illegaler Geschäfte in U-Haft sitzt.

In diesen Audioaufzeichnungen berichtet Sayn-Wittgenstein zum Beispiel, dass sich Juan Carlos im Jahr 2012 in Saudi-Arabien dafür starkgemacht habe, den Bau einer Schnellzugstrecke einem spanischen Konsortium zuzuschlagen, das dann auch tatsächlich den Auftrag erhielt. Im Gegenzug habe der damalige Staatschef auf einer millionenschweren Kommission bestanden, die ihm über Umwege und mit Hilfe eines Schweizer Anwalts auch zugekommen sei.

Praktiken im Dunstkreis der Geldwäsche

Sayn-Wittgenstein beklagt sich zudem, dass Juan Carlos ihren Namen und ihre Bankkonten benutzt habe, um fragwürdige Zahlungen und ausländisches Immobilieneigentum zu verschleiern. Sie habe ihn darauf hingewiesen, dass diese Praktiken den Tat­bestand der Geldwäsche erfüllen könnten. Auch ein Neffe von Juan Carlos sei als Strohmann für ­geheime Schweizer Konten des Königs benutzt worden. Zudem berichtet sie, dass Juan Carlos tief in jenen Betrugs- und Korruptionsskandal verstrickt gewesen sei, für den der königliche Schwiegersohn Iñaki Urdangarin vor kurzem zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt worden ist.

Dass es Juan Carlos mit dem vorbildlichen Verhalten nicht so genau nahm, ahnte man in Spanien schon ziemlich lange. Doch bis zu seiner Abdankung im Jahr 2014 genoss er Immunität. Diesen Schutz geniesst er nun nicht mehr, sodass es nach dem Auftauchen dieser brisanten Aufzeichnungen schwer vorstellbar ist, dass keine strafrechtlichen und steuerlichen Untersuchungen gegen Juan Carlos anrollen.

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