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Exil-Iraner fordern Regimewechsel

Die oppositionellen Volksmudschahedin präsentieren sich als Alternative zum iranischen Regime. Unterstützung erhält die sektenartige Gruppierung von der Trump-Administration, die die «Ajatollahs ersticken» will.
Michael Wrase, Teheran
Maryam Rajavi, Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates im Iran. Bild: Siavosh Hosseini/Getty (Paris, 30. Juni 2018)

Maryam Rajavi, Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates im Iran.
Bild: Siavosh Hosseini/Getty (Paris, 30. Juni 2018)

Die schlanke Dame im eng anliegenden, türkisblauen Mantel versteht es perfekt, sich als Heilsbringerin zu inszenieren. «Die Räder des Wandels», ruft Maryam Rajavi mit heiserer Stimme ihren euphorisierten Anhängern zu, «haben sich zu drehen begonnen.» «Free Iran» steht in riesigen weissen Lettern hinter dem Rednerpult der Führerin des «Nationalen iranischen Widerstandsrates». Darunter, fast genau so gross, «United States of America», die am letzten Juni-Samstag im Pariser Vorort Villepinte von Newt Gingrich und Rudy Giuliani vertreten werden.

Der Anwalt von US-Präsident Donald Trump lässt nicht die geringsten Zweifel aufkommen, um was es geht: «Wir wollen die diktatorischen Ajatollahs ersticken.» Gingrich ergänzt zufrieden: «Schon bald werden wir uns in Teheran wiedersehen.»

Bereits vor einem Jahr hatte Trumps Sicherheitsberater John Bolton die Botschaft vom «Regime-Change» an die Seine gebracht und wie Giuliani und Gingrich frenetischen Beifall geerntet. «Der Wechsel» sei so nahe wie nie zuvor, behauptet Rajavi mit ausgebreiteten Armen. Später lächelt sie zufrieden, als die «lieben amerikanischen Freunde» den Schulterschluss mit dem «Widerstandsrat» demonstrieren. Offiziell ist die in Paris geschmiedete Allianz noch nicht. Wer wie Maryam Rajavi im Iran «eine Gesellschaft aufbauen will, die auf den Fundamenten von Freiheit, Gleichheit und Demokratie basieren», kann sich aber sicher sein, von Washington als «erste Alternative» zur Teheraner Geistlichkeit akzeptiert zu werden.

Oppositionelle seien unbeliebter als Regime

Dass die iranische Bevölkerung über diese «Alternative» ganz anders denkt, spielt anscheinend keine Rolle. Er habe sieben Jahre im Iran gelebt und in dieser Zeit mit unzähligen Regimekritikern gesprochen, schreibt der amerikanisch-iranische Journalist Jason Rezaian in der «Washington Post». «Kein einziger von ihnen» habe Frau Rajavi als «brauchbare Alternative zu den Mullahs» bezeichnet.

Der von den oppositionellen Volksmudschahedin (persisch Mujaheddin-e Chalk oder MKO) ins Leben gerufene «Widerstandsrat», so die weit verbreitete Meinung im Iran, sei vielmehr noch unbeliebter als das Regime selbst. Bis zum Sturz des Schahs hatten die 1965 gegründeten Volksmudschahedin den Aufstand der Geistlichkeit unterstützt. Da die marxistisch-islamistische Gruppe eigene Machtansprüche anmeldete, wurde sie von den Mullahs brutal verfolgt und zwei Jahre nach der Revolution ins irakische Exil getrieben, wo sie fortan von Saddam Hussein instrumentalisiert wurde.

Im Auftrag des Diktators unterdrückten die Milizen der Volksmudschahedin am Anfang die schiitischen und die kurdischen Aufstände im Süden und im Norden des Iraks. Als im Juli 1987 ein Friedensplan der UNO zur Beendigung des iranisch-irakischen Krieges bereits beschlossen war, marschierten 7000 Kämpfer der MKO von ihren Basen im Irak in den Iran ein. «Ewiges Licht» hatte Maryam Rajavi ihre «unausweichliche Befreiungsoperation» getauft, welche schon bald mit einer katastrophalen Niederlage endete.

Wie eine Sekte aufgebaut

Wegen ihrer Kooperation mit Saddam Hussein seien die MKO «in allem Bevölkerungsschichten im Iran verhasst», erklärt der Nahostexperte und Buchautor Michael Lüders im Gespräch mit dieser Zeitung. «Die Vorstellung, die Volksmudschahedin könnten jemals politische Verantwortung in dem Land übernehmen, ist geradezu absurd.» Diese Ansicht hatten bis vor wenigen Jahren auch die USA und die EU geteilt und die MKO als eine «wie eine Sekte organisierte Terrororganisation» eingestuft. Die Führung der Gruppe, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, bestimme das Leben ihrer Mitglieder bis ins Detail, verlange von ihnen Treueschwüre, die regelmässig erneuert würden. Wer nicht spure, werde sowohl psychisch als auch verbal misshandelt und müsse in Isolationshaft Schläge über sich ergehen lassen. Ein französischer MKO-Kenner zog in einer Arte-Dokumentation sogar den Vergleich zum kambodschanischen Gewaltherrscher Pol Pot.

Als nach dem von den USA erzwungenen Sturz von Saddam Hussein der Einfluss Teherans im Nahen Osten immer grösser wurde, suchte Washington nach einem «Gegenwicht». Die Milizen der Volksmudschahedin hatten sich zu diesem Zeitpunkt in einem Camp bei Bagdad verbarrikadiert, in dem sie von dem neuen schiitischen Regime in Bagdad bedrängt wurden.

Viele MKO-Mitglieder erhielten Asyl in den USA und in Europa. Da der «bewaffnete Kampf» aus dem Irak nicht mehr fortgesetzt werden konnte, verpasste sich die Gruppe das Image einer demokratischen Exilbewegung. Mit massiver Lobbyarbeit gelang es den Volksmudschahedin, die Streichung von den Terrorlisten zu erreichen und sich als «Alternative» zum Teheraner Regime zu empfehlen.

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