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Fall Khashoggi: CIA-Bericht bringt US-Regierung noch tiefer ins Dilemma

Auch der US-Geheimdienst kommt zum Schluss, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman habe den Mord an Jamal Khashoggi autorisiert. US-Politiker fordern, die Beziehungen zum Wüstenstaat grundlegend zu überprüfen.
Martin Gehlen, Tunis
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman steht zunehmend unter Druck. (Bild: Bandar Algaloud/EPA (Riad, 24. Oktober 2018)

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman steht zunehmend unter Druck. (Bild: Bandar Algaloud/EPA (Riad, 24. Oktober 2018)

Alles hat das saudische Königshaus versucht, um den monströsen Verdacht von seinem Kronprinzen abzulenken. Immer neue Versionen wurden der Weltöffentlichkeit zu dem mysteriösen Verschwinden von Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat aufgetischt. Erst hiess es, das Ganze sei ein Unfall, dann eine schiefgelaufene Entführung und zuletzt ein geplantes Mordkomplott selbstherrlicher Geheimdienstler hinter dem Rücken des allmächtigen Mohammed bin Salman. 21 Leute sitzen derzeit in Haft, darunter alle 15 Mitglieder des am 2. Oktober aus Riad entsandten Killerkommandos. Demonstrativ forderte der saudische Chefankläger kürzlich für fünf der angeblichen Drahtzieher die Todesstrafe. Seit dem Wochenende jedoch ist das hektische Manöver Saudi-Arabiens, die verheerende Mordtat möglichst rasch mit ein paar enthaupteten Untergebenen ad acta zu legen, endgültig gescheitert.

Wie die «Washington Post» und die «New York Times» berichten, kommt die CIA in ihrem Abschlussbericht zu dem Schluss, Mohammed bin Salman persönlich habe «mit hoher Wahrscheinlichkeit» den Mord an Jamal Khashoggi autorisiert – der bisher härteste Schlag gegen ­Ansehen und Glaubwürdigkeit des Kronprinzen.

«Zahlreiche unbeantwortete Fragen»

Vizepräsident Mike Pence kündigte in einer ersten Reaktion an, man sei entschlossen, alle Verantwortlichen für diesen Mord zur Rechenschaft zu ziehen, betonte aber gleichzeitig, die USA wollten weiterhin an der «festen und historisch gewachsenen ­Beziehung» zu Saudi-Arabien festhalten. Aussenminister Mike Pompeo liess erklären, es gebe noch «zahlreiche unbeantwortete Fragen», und die Regierung habe sich noch kein endgültiges Urteil gebildet. Auch Donald Trump hielt sich bedeckt, versicherte aber, er habe volles Vertrauen in die CIA. Der US-Präsident will in den nächsten Tagen Stellung beziehen, wenn ihm der komplette CIA-Bericht vorliegt. Ausserdem hat Trump einen weiteren «sehr umfassenden Bericht» bis Dienstag angekündigt.

Die Trump-Administration gerät durch das brisante CIA-Fazit in ein immer tieferes Dilemma. Für sie ist bin Salman der wichtigste regionale Verbündete im Kampf gegen den Iran und der mit Abstand grösste Waffenkunde im Nahen Osten. Dagegen möchte die US-Führung den von dem 33-Jährigen 2015 angezettelten Krieg im Jemen jetzt möglichst rasch beenden. Als ersten Schritt stoppte das Pentagon kürzlich die US-Lufteinsätze zum Betanken der saudischen Kampfjets.

In ihrem Urteil über die Rolle von Mohammed bin Salman ­verweisen die CIA-Ermittler vor ­allem auf die strikt-autoritäre Befehlsmentalität auf der Arabischen Halbinsel.

Dem seit den Zwischenwahlen wieder von den Demokraten beherrschten Repräsentantenhaus jedoch geht dies längst nicht weit genug. Es will die amerikanisch-saudischen Beziehungen grundsätzlich auf den Prüfstand stellen. Auch einflussreiche Republikaner im Senat fordern Konsequenzen. Sie verlangen von Saudi-Arabien, die Repressionen zu lockern und festgenommene Aktivisten freizulassen, allen voran die im Mai verhafteten Frauenrechtlerinnen, die jahrzehntelang für das Recht auf Autofahren gekämpft haben.

In ihrem Urteil über die Rolle von Mohammed bin Salman ­verweisen die CIA-Ermittler vor ­allem auf die strikt-autoritäre Befehlsmentalität auf der Arabischen Halbinsel. Untergebene entscheiden selbst marginale Dinge nicht selbst, ohne sich vorher bei ihrem Chef abzusichern. Vor diesem Hintergrund hält es die CIA für ausgeschlossen, dass eine Crew von Sicherheitsleuten eine derart heikle und komplexe Operation auf dem Territorium eines anderen Staates plant, ohne sich dafür vom faktischen Staatschef die ausdrückliche Genehmigung zu holen. In diese Richtung deutet auch der Mitschnitt eines Telefonates, bei dem der Anführer des Killerkommandos, Maher Mutreb, noch aus dem Konsulatsgebäude einen Mitarbeiter im Büro des Kronprinzen anrief und ihm mitteilte: «Sag deinem Boss, die Sache ist erledigt.»

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