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Streit um Sanremo-Festivalsieger Mahmood – Innenminister hätte sich «reinrassigen» Italiener gewünscht

Das diesjährige Schlagerfestival von Sanremo ist vom italo-ägyptischen Rapper Mahmood gewonnen worden. Die Wahl des Siegers mit Migrationshintergrund hat in Italien für Polemik gesorgt.
Dominik Straub, Rom
Der Sieger Mahmood (26). (Bild: Ettore Ferrari/AP (Sanremo, 9. Februar 2019))

Der Sieger Mahmood (26). (Bild: Ettore Ferrari/AP (Sanremo, 9. Februar 2019))

Alessandro Mahmoud, Künstlername Mahmood, wiederholt in diesen Tagen immer wieder diesen einen Satz: «Ich bin in Mailand geboren, ich bin hundertprozentiger Italiener.» Tatsächlich hat der junge Musiker eine italienische Mamma, die aus Sardinien stammt, und er spricht ein astreines Italienisch mit Mailänder Akzent.

Alessandros Problem ist der Papa: Der ist Ägypter.

Mit dem Vater ist Mahmood zwar derart verkracht, dass er seit Jahren keinen Kontakt mit ihm hat. Aber im heutigen Italien ist die nordafrikanische Herkunft des Papa ein Problem – umso mehr, wenn man, wie der 1992 geborene Mahmood, gerade Sieger des Festivals von Sanremo geworden ist.

Es heisst, das Festival sei «der Spiegel Italiens», und wahrscheinlich ist das so. Das Land wird seit knapp einem Jahr von einer nationalistischen Koalition aus den populistischen Anti-System-Parteien Lega und Cinque Stelle regiert, und das ist für die italienische Gemütsverfassung nicht ohne Folgen geblieben.

«Das war ein sehr absehbarer Sieger: Er heisst Mohammed, im Lied hat es einen arabischen Satz, der Ramadan kommt vor... das Mestizentum ist damit garantiert», erklärte Mariagiovanna Maglie, eine der Lega nahestehende, fremdenfeindliche Journalistin, die dank der neuen Regierung endlich Karriere im Staatsfernsehen machen darf. Mahmood heisst zwar nicht Mohammed, aber was soll’s:

Er ist «Mestize» – und das reicht, um seinen Festivalsieg als skandalös zu empfinden.

Auch Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini hat keine Freude am Sieger des 69. Sanremo-Festivals. Er hätte den reinrassigen Italiener Niccolò Moriconi, genannt «Ultimo», dem Mestizen Mahmood vorgezogen, wie er die Nation auf Twitter wissen liess. Es gab aber auch einige Prominente, die für den Italo-Ägypter eine Lanze brachen, zum Beispiel die frühere Freundin von Salvini, die TV-Moderatorin Elisa Isoardi: «Dass Mahmood das Festival gewonnen hat, ist der Beweis dafür, dass die Begegnung der Kulturen Schönheit generiert», erklärte die 36-Jährige.

TV-Zuschauer sahen «Ultimo» als Sieger

Der Migrationshintergrund des Siegers war nicht der einzige Aufreger bei der diesjährigen Sanremo-Ausgabe. Kritisiert wurde auch die – tatsächlich recht eigenwillige – Art und Weise, wie der Festivalsieger gekürt wird. Herangezogen werden gleich drei verschiedene Jurys: Zum einen werden die Stimmen der Fernsehzuschauer (das «Tele-Voto») gewertet, zum anderen gibt es eine «Ehrenjury» aus Experten sowie eine Jury aus Fach-Journalisten. Die TV-Zuschauer sahen «Ultimo» als klaren Sieger, die beiden Fachjurys überstimmten das Publikum und machten Mahmood zum Gewinner.

Auch hier konnten Polemiken natürlich nicht ausbleiben. «Wir danken Sanremo, weil es Millionen von Italienern die unendlich tiefe Kluft zwischen dem Volk und der Elite aufgezeigt hat», erklärte der Politikchef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio. Was der Vizepremier damit sagen wollte: Die TV-Zuschauer haben den Römer «Ultimo» zum Sieger gekürt – aber die abgehobene Kaste aus linken Experten und Journalisten hat den Willen des Volks wieder einmal mit Füssen getreten und stattdessen für den in Italien geborenen Immigranten gestimmt.

Ähnlich tönte es von «Ultimo» selber, der Zweiter geworden ist und der dem Sieger nicht gratulieren mochte: «Das war kein Festival des Volks, sondern der Journalisten», erklärte der Sänger.

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