Finnlands Ex-Regierungschef Stubb will EU-Kommissionschef werden

Der finnische Ex-Regierungschef Alexander Stubb will Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werden. Stubb kündigte dazu am Dienstag im EU-Parlament in Strassburg seine Bewerbung als Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) bei der Europawahl im kommenden Jahr an.

Martin Trauth, AFP
Drucken
Teilen
Finnlands Ex-Regierungschef will raus aus der Warteschleife: Alexander Stubb will Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werden. (Bild: PD/EPA (Brüssel, 2. Oktober 2018))

Finnlands Ex-Regierungschef will raus aus der Warteschleife: Alexander Stubb will Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werden. (Bild: PD/EPA (Brüssel, 2. Oktober 2018))

In Finnland hat Alexander Stubb alles erreicht: Er war nicht nur Aussen- und Finanzminister, sondern auch Regierungschef. 2016 bekam seine steile Karrierekurve jedoch einen Knick. Seitdem ist der 50-Jährige in einer Art Warteschleife. Nun fordert Stubb CSU-Mann Manfred Weber bei der Spitzenkandidatur der Konservativen für die Europawahlen heraus.

Der Finne mit dem markigen Kinn galt in seiner Heimat über Jahre als einer der populärsten Politiker. Der Hobby-Triathlet und Marathon-Läufer, der 2016 am Ironman in Hawaii teilnahm, begeisterte vor allem die junge Wählerschaft. Pressekonferenzen gab er früher schon mal in Shorts.

Stubb gehört der Nationalen Sammlungsbewegung in Finnland an, die Teil der Europäischen Volkspartei (EVP) ist. Diese will Anfang November in Helsinki entscheiden, wer ihr offizieller Spitzenkandidat für die Europawahlen werden soll.

Gegenüber seinem Konkurrenten Weber dürfte der Finne bei der parteiinternen Ausmarchung in Helsinki jedoch im Nachteil sein. Denn Weber ist nicht nur EVP-Fraktionschef, im EU-Parlament stellen CDU und CSU bei den Konservativen auch die grösste Abgeordnetengruppe.

Der finnische Herausforderer gilt seinerseits unter den Staats- und Regierungschefs weiter als gut vernetzt und spricht neben Finnisch und Schwedisch auch Englisch, Französisch und Deutsch. Verheiratet ist er mit einer britischen Anwältin, mit der er zwei Kinder hat.

Promotion in London

Stubb kannte Brüssel schon lange vor seiner Zeit als Minister. Nach der Promotion in internationalen Beziehungen in London arbeitete er ab 1999 in der ständigen EU-Vertretung Finnlands. Von 2004 bis 2008 war er Abgeordneter im EU-Parlament, bis er in Finnland zum Aussenminister berufen wurde.

Nach den finnischen Parlamentswahlen von 2011 musste Stubb den Aussenministerposten jedoch der Koalitionsräson opfern, blieb aber als Minister für Europa und Aussenhandel im Kabinett. Im Juni 2014 wurde Stubb Ministerpräsident, nachdem Amtsinhaber Jyrki Katainen als EU-Kommissar nach Brüssel ging.

Doch Stubbs Mehrparteienkoalition war wackelig. Als die Regierung im September 2014 den Bau eines Atomkraftwerks beschloss, verliessen die Grünen das Bündnis. Eine versprochene Sozial- und Gesundheitsreform kam nicht voran. Nach Verlusten bei der Parlamentswahl im April 2015 trat Stubb als Ministerpräsident zurück.

Stubb vermisst Brüssel

Er wurde in der neuen Koalition dann Finanzminister und übernahm den Job auf dem Höhepunkt des Ringens um Griechenlands Verbleib in der Eurozone. Stubb galt schnell neben dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble als einer der Hardliner gegenüber Athen.

Zuhause war Stubbs Sparkurs umstritten. 2016 verlor er einen parteiinternen Machtkampf und auch den Posten des Finanzministers. Nach einem Jahr als einfacher Abgeordneter in Finnland wurde er im Juni 2017 einer von acht Vize-Präsidenten der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg.

Es war Stubb anzumerken, dass ihn der Posten nicht auslastete. Die Sehnsucht nach Brüssel sprach immer wieder aus seinen Twitter-Botschaften. "Ich mag dieses EU-Zeug einfach", schrieb er im Januar über einen Besuch in der EU-Hauptstadt. "Fühlt sich wie Zuhause an."