Kolumbien
Flugzeug mit brasilianischem Fussball-Team abgestürzt – 5 Passagiere überleben

Beim Absturz eines Flugzeugs mit der brasilianischen Fussballmannschaft Chapecoense an Bord sind in Kolumbien 76 Menschen getötet worden.

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Kolumbien Flugzeugabsturz
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Retter suchen nach Überlebenden.
Sechs Personen haben überlebt.
Retter bergen die Toten nach dem Flugzeugabsturz.
Bei dem Absturz der Chartermaschine starben 71 Menschen, darunter 19 Fussballer und 20 Journalisten, die das Team begleiteten.
Das Flugzeug war auf dem Weg zum Final-Hinspiel um die Copa Sudamericana gegen Atletico Nacional Medellin.
Der 27-jährige Fussballspieler Alan Ruschel ist einer der Überlebenden.
Ärztliches Personal kümmert sich um den Verletzten.
Auch der brasilianische Journalist Rafael Henze gehört zu den Überlebenden.
An Bord des Flugzeuges befand sich die brasilianische Fussballmannschaft Chapecoense – Fans trauern.

Kolumbien Flugzeugabsturz

AP/Keystone

Tragödie auf dem Weg zum bedeutendsten Spiel der Vereinsgeschichte: Beim Absturz eines Flugzeugs mit der brasilianischen Fussballmannschaft AF Chapecoense an Bord sind in Kolumbien 76 Menschen gestorben. In Brasilien wurden drei Tage Staatstrauer angeordnet.

Nach den Worten des Leiters der Polizei Medellín wurden aus dem Wrack sechs Menschen lebend geborgen - ein Torwart des Teams erlag aber später seinen Verletzungen. Bei den Überlebenden soll es sich um drei Spieler, einen Journalisten und ein Crewmitglied handeln.

Die in der höchsten brasilianischen Liga spielende Mannschaft sollte in Medellín das Finale des Vereinswettbewerbs Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellín bestreiten. Die Copa Sudamericana ist nach der Copa Libertadores der zweitwichtigste Fussball-Clubwettbewerb in Südamerika.

Auch rund 20 Journalisten an Bord

Das Flugzeug mit 81 Menschen an Bord stürzte im Nordwesten Kolumbiens ab. Nach einem Flug von São Paulo nach Santa Cruz in Bolivien war die vom Club gecharterte Maschine dort in Richtung Medellín gestartet. An Bord waren auch rund 20 Journalisten, die über das Final-Hinspiel berichten wollten.

Wie die Luftfahrtbehörde mitteilte, verunglückte die Maschine vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión.

Polizisten seien als erste zu der schwer zugänglichen Unglücksstelle gelangt, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Die Gegend sei wegen Nebels nur auf dem Landweg zu erreichen, nicht aus der Luft.

Technische Probleme gemeldet

Bevor das vierstrahlige Flugzeug gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) am Montagabend vom Radar verschwunden sei, hätten die Piloten technisch Probleme gemeldet, hiess es unter Berufung auf den Kontrollturm des Flughafens von Medellín. Die genaue Unglücksursache war zunächst unklar.

An Bord waren 72 Passagiere sowie neun Besatzungsmitglieder. Zu den Geretteten sollen unter anderem Abwehrspieler Alan Ruschel und eine Stewardess gehören. Auf Bildern war zu sehen, wie Ruschel auf einer Trage ins Spital San Juan de Dios in La Ceja gebracht wurde. Auch ein Journalist überlebte.

Nach Angaben des kolumbianischen Katastrophenschutzes war nicht auszuschliessen, dass noch weitere Überlebende gefunden würden. Neun Spieler waren nicht zum Finale mitgereist.

Finale abgesagt

Der brasilianische Staatspräsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Ich möchte in dieser traurigen Stunde, die die Tragödie für Dutzende Familien bedeutet, mein Mitgefühl aussprechen", teilte Temer mit. Man werde alles mögliche tun, um den betroffenen Familien zu helfen.

Der südamerikanische Fussballverband sagte das Finale ab und setzte bis auf weiteres alle Spiele aus. In der Fussballszene löste das Unglück grosse Anteilnahme aus.

Der kleine Fussballclub aus Chapeco war erst 2014 in die oberste Liga Brasiliens aufgestiegen. Nun hatte er erstmals den Einzug in das Finale eines grossen Wettbewerbs in Südamerika geschafft.

Der Absturz weckte Erinnerungen an das Flugzeugunglück von München im Jahr 1958, bei dem die Mannschaft von Manchester United auf dem Rückweg von einem Europapokal-Spiel an Bord war. 23 Menschen kamen damals um, darunter acht Spieler des englischen Traditionsvereins.

Flugzeugunglücke mit Sportlern

September 2011: Eine Maschine mit Lokomotive Jaroslawl, dem Eishockey-Team aus der KHL, stürzt nach dem Start ab. 44 Menschen sterben.

- April 1993: Auf dem Flug zu einem WM-Qualifikationsspiel im Senegal kommen alle Spieler der Fussball-Nationalmannschaft von Sambia ums Leben. Die Militärmaschine stürzte ins Meer.

- Dezember 1987: Ein Flugzeug der peruanischen Marine stürzt vor der Küste von Lima ins Meer. Unter den 43 Todesopfern sind 16 Spieler der Fussballmannschaft Alianza Lima, davon vier peruanische Internationale.

- August 1979: 14 Spieler und drei Betreuer des usbekischen Fussballklubs Pachtakor Taschkent sterben bei einem Unglück über der Ukraine. Zwei sowjetische Maschinen waren zusammengestossen.

- Oktober 1972: Eine Maschine der uruguayischen Luftwaffe prallt in den Anden gegen einen Berg. An Bord ist das Rugby-Team des Spitzenklubs Old Christians aus Montevideo mit vielen Nationalspielern. Erst zehn Wochen später werden 16 Menschen gerettet. Sie überlebten auch deshalb, weil sie in den Bergen Leichenteile ihrer getöteten Teamkollegen assen. Die Geschehnisse wurden 2007 im eindrücklichen Dokumentarfilm "Das Wunder der Anden" von Überlebenden nacherzählt.

- Januar 1966: Sieben Schwimmer der italienischen Nationalmannschaft kommen bei Bremen ums Leben, als eine Propellermaschine der Lufthansa nach einem abgebrochenen Landeversuch abstürzt.

- Februar 1958: Die Mannschaft von Manchester United stürzt auf dem Rückflug von einem Spiel bei Roter Stern Belgrad kurz nach einer Zwischenlandung in München ab. 23 Menschen sterben, darunter acht Spieler. 15 Insassen überleben, zu ihnen gehörten Bobby Charlton und Trainer Matt Busby.

- Mai 1949: Eine Maschine mit der Mannschaft des italienischen Serienmeisters Torino an Bord streift auf dem Rückflug von Lissabon bei Turin einen Kirchturm und stürzt ab. Alle 31 Insassen kommen ums Leben, darunter 15 Fussballer, des damals landesweit verehrten "Grande Torino". Das Unglück wird zur nationalen Tragödie, deren Jahrestag noch heute mit Gedenkfeiern begangen wird.