Frankreich
François Fillon: «Ich werde bis zum Ende kämpfen»

François Fillon wird offiziell der Veruntreuung öffentlicher Gelder verdächtigt. Der republikanische Präsidentschaftskandidat verliert immer mehr den Rückhalt.

Stefan Brändle, Paris
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Um Fillon wird es einsam. keystone

Um Fillon wird es einsam. keystone

KEYSTONE

Starke Worte eines geschwächten Kandidaten: Die Ermittlungen der französischen Justiz wegen der Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope seien «politischer Mord», erklärte François Fillon gestern bei einem Presseauftritt in Paris. Der 62-jährige Republikaner gab bekannt, dass er «mit Blick auf eine Verfahrenseröffnung» eine richterliche Vorladung für den 15. März erhalten habe. Es sei kein Zufall, dass dieser Termin zwei Tage vor der Kandidatur-Eingabefrist für die Präsidentschaftswahl angesetzt sei, beschwerte sich Fillon. Immerhin will er der Vorladung Folge leisten, während seine rechtsextreme Rivalin Marine Le Pen in einer ähnlich gelagerten Affäre im Europaparlament jede Einvernahme verweigert.

Fillon behauptete weiter, die ganze Vorermittlung sei mit dem einzigen Ziel einer Anklage und zudem mit einer «beispiellosen» Geschwindigkeit» lanciert worden. «Die Unschuldsvermutung ist völlig verschwunden», beklagte sich der Kandidat. «Nicht die Justiz, nur eine Urnenabstimmung kann darüber entscheiden, wer nächster Präsident Frankreichs wird», rief der Ex-Premierminister aus, um seine «verdoppelte» Entschlossenheit zu unterstreichen und klarzumachen: «Ich werde nicht weichen, ich werde nicht aufgeben, ich werde bis zum Ende kämpfen.» Das Problem an dem Auftritt war, dass die markigen Worte «seltsam leer» klangen, wie ein Pariser Journalist meinte.

Spekulationen über Rückzug

In den Stunden zuvor war in Paris nur darüber spekuliert worden, ob Fillon seine Kandidatur zurückziehen werde. Am frühen Morgen hatte er einen Routine-Besuch an der Landwirtschaftsmesse zur Überraschung seiner eigenen Berater abgesagt und eine Presseerklärung angekündigt. Zahllose Medienvertreter drängten sich darauf in Fillons Hauptquartier, um die neuste Wendung im «Penelope-Gate» mitzukriegen. Als Fillon eine halbe Stunde auf sich warten liess, spekulierten sie, ob die Gattin des Kandidaten vielleicht doch in Polizeigewahrsam sei, wie es am Morgen – irrtümlich – geheissen hatte. Fillons Berater taten, als wüssten sie Bescheid; in Wahrheit zitterten sie ebenfalls ob der Rücktrittsgerüchte.

So geht es in Paris nun seit Wochen: Fillon, der die Präsidentschaftswahl im Mai in der Tasche glaubte, muss sich einzig und allein mit seiner Veruntreuungsaffäre herumschlagen. Sein politisches Programm ist kein Thema mehr. Vermutlich wird Fillon die riesige Agrarmesse in Paris, an der das ländliche Frankreich seinen Jahresauftritt in der schicken Hauptstadt zelebriert, in den kommenden Tagen doch noch besuchen. Seine Absenz gestern Mittwoch fiel aber schon negativ auf. Marine Le Pen hatte sich am Vortag von vielen Bauern feiern lassen: Deren 35 Prozent wollen der Front-National-Chefin laut Umfragen die Stimme geben – erstmals mehr als den Konservativen. In anderen Erhebungen erhält Fillon bloss noch 20 Prozent der Stimmen. Damit müsste er den Einzug in die Stichwahl den beiden Frontrunnern Le Pen (25 Prozent) und Emmanuel Macron (24 Prozent) überlassen.

Le Maire verlässt Wahlkampfteam

Politisch kaum mehr hörbar, verstrickt sich Fillon auch juristisch in Widersprüche. Im Januar hatte er noch verlangt, dass die Finanzstaatsanwaltschaft so rasch wie möglich handle; jetzt macht er ihr genau das zum Vorwurf. Nach den ersten Enthüllungen durch das Wochenblatt «Le Canard Enchaîné» hatte er erklärt, er werde zurücktreten, wenn ein Strafverfahren gegen ihn gestartet werde; gestern meinte er dramatisierend, er werde «bis ans Ende gehen». Weil Fillon nicht Wort halte, trat der prominente Ex-Minister Bruno Le Maire gestern aus seinem Wahlkampfteam zurück. Die Zentrumspartei UDI suspendierte gestern Abend ihre Unterstützung für Fillon Viele Politologen glauben nicht mehr, dass Fillon bis zum ersten Wahlgang Ende April durchhalten wird. Ein konservativer Alternativkandidat ist aber nicht in Sicht.