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FRANKREICH: Anschlag heizt Wahlkampf an

Der Polizistenmord auf den Champs-Elysées spaltet den französischen Wahlkampf: Während die Rechtskandidaten den Abbruch der Kampagne fordern, warnen die linken Bewerber vor einer Überreaktion.
Stefan Brändle, Paris
Die Pariser Bevölkerung trauert um den Polizisten, der am Donnerstagabend getötet wurde. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA (Paris, 21. April 2017))

Die Pariser Bevölkerung trauert um den Polizisten, der am Donnerstagabend getötet wurde. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA (Paris, 21. April 2017))

Stefan Brändle, Paris

Als wäre nichts passiert, nahm das turbulente Leben auf den Champs-Elysées gestern seinen Lauf. Nur ein paar Blumensträusse erinnerten an die Bluttat vom Vorabend: Ein mutmasslicher Einzeltäter hatte mit einem Sturmgewehr einen in einem Wagen sitzenden Polizisten per Kopfschuss umgebracht und zwei weitere verletzt; eine deutsche Touristin bekam einen Schuss in den Fuss ab, bevor andere Ordnungshüter den fliehenden und herumschiessenden ­Attentäter namens Karim Cheurfi erschossen.

Der 39-jährige Franzose stammte aus dem Pariser Ban­lieue-Norden und hatte seit 2005 wegen dreifachen Mordversuchs – zum Teil an Polizisten – und Diebstahls die meiste Zeit im Gefängnis verbracht. Vor wenigen Monaten hatten ihn Augenzeugen gemeldet, weil sie hörten, dass er Polizisten umbringen wolle. Er wurde darauf festgenommen, aber mangels Beweisen freigelassen. Laut der Zeitung «Le Monde» hatte ihn der Geheimdienst DGSI am 9. März ­wegen «Radikalisierung» registriert. Sein Fall – einer von 2000 – erhielt aber keine Priorität.

Bluttat geschah während der Wahlsendung

Am Tatort fanden die Ermittler ein handschriftliches Bekenntnis zum IS. Die Terrormiliz bekannte sich selber noch am Abend des Anschlags zur Tat. Sie benutzte dabei allerdings den Namen eines Belgiers, der sich gestern der Polizei stellte und nichts mit der Tat zu tun haben will. Die Meldung von der Bluttat platzte am Donnerstagabend mitten in eine Live-Wahlsendung am französischen Fernsehen.

Der konservative Kandidat François Fillon verlangte sogleich, die Kampagne zu stoppen, bevor sie gestern Abend offiziell zu Ende ginge. Er selbst annullierte seine letzten Auftritte. Ihm tat es der Parteilose Emmanuel Macron gleich. Der Linken-Kandidat Jean-Luc Mélenchon machte jedoch weiter, um den «Kriminellen nicht das letzte Wort zu überlassen». Ähnlich argumentierte der Sozialist Benoît Hamon.

Präsident François Hollande berief eine Krisensitzung des Verteidigungsrates ein, liess den Wahlkampf aber trotzdem weiterlaufen. Als der Linksregierung daraufhin Versagen bei der Terrorbekämpfung vorgeworfen wurde, konterte der sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve in Abkehr von seiner üblichen Zurückhaltung, Fillon habe als Premierminister rund 13'000 Polizeistellen abgebaut.

Der Nationalistin Marine Le Pen hielt Cazeneuve vor, sie versuche den Terroranschlag auszuschlachten. Die Front-National-Kandidatin unterstellte der ­Regierung, sie habe den hochgefährlichen Attentäter frei herumlaufen lassen.

Für den ersten Wahlgang am morgigen Sonntag hat die Regierung 50'000 Polizisten aufgeboten. Damit lassen sich allerdings nicht alle 67'000 Wahllokale in Frankreich schützen.

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