Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FRANKREICH: Das Drama der Sozialisten

Die französische Linke hat schon bessere Zeiten erlebt. Nun musste sie sogar ihre Parteizentrale verscherbeln.
Frankreichs Sozialisten (PS) wollen unter einer neuen Führung wieder ihren Platz in der französischen Politik finden. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA)

Frankreichs Sozialisten (PS) wollen unter einer neuen Führung wieder ihren Platz in der französischen Politik finden. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA)

Wenn Mauern reden könnten, würden sie an der Rue de Solfé­rino von glorreichen Szenen ­berichten. Zum Beispiel vom 10. Mai 1981, als François Mit­terrand mit seinem braunen ­Renault 30 gegen Mitternacht vor dem Sitz des Parti Socialiste (PS) vorfuhr, um seinen Triumph bei den Präsidentschaftswahlen zu feiern. Eine Pioniertat für die französische Linke.

Und vor allem eine Erinnerung an bessere Zeiten: Heute steht die Hausnummer 10 der Solférino-Strasse für 45 Mil­lionen Euro zum Verkauf. Das sind laut Immobilienanzeige 3389 Quadratmeter Bürofläche an «ausserordentlicher» Lage mitten im Pariser Viertel der ­Ministerien und Museen.

Faure ist der Öffentlichkeit kaum bekannt

Der unfreiwillige Verkauf der Parteizentrale illustriert den tiefen Fall einer Partei, die 1905 als «französische Sektion der Arbeiterinternationale» (SFIO) begonnen und es unter Mitterrand bis in den Élysée-Palast gebracht hatte. Danach ging es mit der Partei langsam bergab.

Die jahrzehntelang dominierende, vielleicht «französischste» Partei der Fünften Republik wurde schon totgesagt, als viele Ex-Minister in das Mittelager von Präsident Emmanuel Mac­ron überliefen. Nun weht dank des neu ernannten Chefs Olivier Faure ein hoffnungsvoller Wind. Faure hatte den ersten Wahlgang für sich entschieden, worauf sein letzter Gegenspieler gestern das Handtuch warf.

Der Abgeordnete Faure war bisher Sprecher der PS und amtiert heute als Fraktionschef in der Nationalversammlung. Er soll im April von einem Parteitag eingesetzt werden. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er kaum ­bekannt. Faure verspricht eine «Renaissance» der Partei. Auch wenn sein Programm wenig ­innovativ ist, hat er eine Chance. Denn in Frankreich wendet sich die Stimmung langsam gegen Präsident Macron.

Für die Sozialisten öffnet sich damit wieder ein politischer Raum zwischen Macron und den «Unbeugsamen» des Linksradikalen Jean-Luc Mélenchon. Viele ehemals sozialistische Wähler würden nämlich heute nicht mehr Macron wählen. Um allerdings wieder zu einer schlagkräftigen politischen Kraft im Land zu werden, müssten die Sozialisten zuerst ihre eigene politische Linie definieren. (sbp)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.