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FRANKREICH: Die Frau neben Macron

Sie wäre wohl die ungewöhnlichste «First Lady» Frankreichs: Brigitte Macron, Gattin des chancenreichsten Präsidentschaftskandidaten, ist 24 Jahre älter als Emmanuel.
Stefan Brändle, Paris
Brigitte «Bibi» Macron (64) gilt als spontan und ohne falsche Komplexe. (Bild: Chesnot/Getty (Le Touquet, 22. April 2017))

Brigitte «Bibi» Macron (64) gilt als spontan und ohne falsche Komplexe. (Bild: Chesnot/Getty (Le Touquet, 22. April 2017))

Stefan Brändle, Paris

Brigitte ist unübersehbar. Am Sonntagabend, als Emmanuel Macron (39) den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen gewann und vor seine begeisterten Fans trat, hatte die Nation nur Augen für seine elegante Frau, die er an der Hand auf die Bühne führte. Unbefangen küsste sie ihn, spornte die Fans an und verschickte Handküsschen ins Publikum, als hätte sie zeitlebens nichts anderes getan. Man konnte es spüren: Zwischen den beiden herrscht eine unausgesprochene, fast fusionelle Komplizenschaft.

Mit diesem Ausdruck umschreibt jedenfalls Emmanuel seit langem seine Beziehung zu Brigitte. Alles passierte im Theaterkurs der Mittelschule von Amiens (Nordfrankreich). Sie leitete die Inszenierung, er spielte eine Vogelscheuche. Sie war 39, er 15. Zuerst sei da eine «intellektuelle Komplizenschaft» gewesen, wie er sagte. Die Beziehung wurde rasch intensiver, so intensiv, dass es Brigitte unheimlich wurde. Schliesslich war die beliebte, stadtbekannte Lehrerin mit einem Banker verheiratet, mit dem sie drei Kinder hatte. Sie veranlasste, dass ihr brillanter Schüler an eine Schule in Paris verlegt wurde.

«Ich werde zurückkommen, um Sie zu heiraten»

Es half nichts: «Sie werden mich nicht los, ich werde zurückkommen, um Sie zu heiraten», soll Macron ihr beim Abschied gesagt haben. Und so geschah es auch: 2007 heiratete die mittlerweile geschiedene Lehrerin den Eliteschulabsolventen vor einer illustren Gästeschar – sogar ein früherer Premierminister war dabei.

Heute leben die Macrons im mondänen Badeort Le Touquet am Ärmelkanal. In dem Haus, das Brigitte gehört, kommen häufig ihre drei Kinder vorbei, darunter Tiphaine, die gleich alt ist wie ihr neuer Stiefvater Macron und ihm in die Politik folgen will. Der Altersunterschied des Ehepaares ist kein Thema. Brigitte, die vor kurzem Geburtstag feierte, lacht nur darüber: Emmanuel müsse sich beeilen, die Präsidentenwahl schon 2017 zu gewinnen, meinte die 64-Jährige – «denn wer weiss, welches Gesicht ich bei der Kampagne 2022 haben werde!»

Brigitte Macron ist nun einmal frank und frei, spontan und ohne falsche Komplexe. Zu Home-Storys der Illustrierten «Paris-Match» bietet sie bereitwillig Hand, und Reportern sagt sie Dinge wie: «Mein Gatte ist ein Kavalier, ein Mensch von einem anderen Planeten, ein Philosoph, ein Schauspieler, ein Schriftsteller, der noch nichts veröffentlicht hat.» Um schelmisch anzufügen: «Und ich, ich verwahre die Manuskripte.»

Immer in der ersten Reihe mit dabei

Am liebsten flicht Brigitte englische Ausdrücke in ihre sehr forsche Rede ein, was in Frankreich nicht üblich ist und in besseren Kreisen einen gewissen Schick hat. Andernorts ergiesst sich Häme über die vife Präsidentengattin in spe: Die siebenfache Grossmutter übertreibe es, trage zu kurze Röcke, zu teure Designerroben von LVMH, liest man in den sozialen Medien; sie rede ihrem Mann ständig drein und sonne sich im Blitzlichtgewitter.

Den bösen Zungen hört das unkonventionelle Paar längst nicht mehr zu. «Bibi», wie er sie nennt, ist durchaus präsent – hinter und vor den Kulissen. Sie nimmt an Strategietreffen ihres Mannes aktiv teil, geht seine Reden durch und regelt die Details seiner Auftritte, die sie stets aus der ersten Sitzreihe verfolgt. Bei seinen Kampagneausflügen ist sie zuvorderst dabei. Brigitte Macron beteiligt sich als einzige Kandidatengattin aktiv am Wahlkampf. Soll niemand sagen, die zukünftige First Lady Frankreichs sei nur ein Anhängsel des grossen Präsidenten.

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