FRANKREICH: Ein schwieriger Tourist in Versailles

Wladimir Putin und Emmanuel Macron unternehmen einen sehr reservierten Annäherungsversuch. Die unterschiedlichen Haltungen zu Syrien und Ukraine sorgen für Spannungen.

Stefan Brändle, Paris
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Der französische Präsident Emmanuel Macron empfängt den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Versailles. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA (Paris, 29. Mai 2017))

Der französische Präsident Emmanuel Macron empfängt den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Versailles. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA (Paris, 29. Mai 2017))

Stefan Brändle, Paris

In Versailles, dem 10 Kilometer westlich von Paris gelegenen Königshof und Schlosspark, waren gestern keine Touristen zugelassen. Bis auf einen – Wladimir Putin. Russlands Präsident eröffnete im Grossen Trianon die Ausstellung über den russischen Zaren Peter den Grossen, genauer gesagt über dessen Besuch im Jahr 1717 bei König Ludwig XV. Wenn man in Betracht zieht, dass der französische König damals sieben Jahre alt war, verfügt der neuste Gastgeber Macron (39) über ein fortgeschrittenes Alter. Das zeigte sich auch im diplomatischen Geschick, mit dem er nach dem US-Präsidenten Donald Trump auch dem Kremlchef begegnete.

Dabei war die Partie alles andere als einfach. Der Sozialist François Hollande nahm in der Ukraine-Frage die gleiche dezidierte Haltung wie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ein. Und als der französische Präsident Ende 2016 vor einem Paris-Besuch Putins die russische Militärhilfe für den Syrer Baschar al-Assad kritisierte, annullierte der Gast den Termin kurzerhand.

Kühler und distanzierter Austausch

Jetzt knüpft Macron den Kontakt neu. Die Initiative für den Versailler Putin-Besuch ging von ihm aus. Er empfing den Russen mit allen militärischen Ehren, aber nicht wie politische Freunde im Elysée-Palast. Und der Austausch bei einem gut einstündigen Gespräch und einem gemeinsamen Mittagessen blieb kühl und distanziert. Macron nannte ihn bei einer nachfolgenden Pressekonferenz «offen und direkt». Putin lächelte dazu ebenso bemüht wie sein Gastgeber.

Die beiden Präsidenten betonten immerhin ihren Willen, den Terrorismus der IS-Milizen in Syrien gemeinsam «auszurotten».

Diese Kooperation soll durch die Bildung einer bilateralen Arbeitsgruppe sogar noch ausgebaut werden. Macron erklärte sich bereit, auch mit dem Assad-Regime zu verhandeln, um neben einer militärischen auch zu einer politischen Lösung zu gelangen. Die «rote Linie» sei allerdings ein neuer Giftgaseinsatz, fügte er an: In dem Fall würde Frankreich «sofort militärisch reagieren». Worauf Putin maliziös fragte, «wie unabhängig Frankreich im Syrien-Krieg von den USA» sei.

In der Ukraine-Krise einigten sich Macron und Putin auf ein Treffen im sogenannten Normandie-Format, das heisst neben den Konfliktparteien Ukraine und Russland mit Beteiligung Deutschlands und Frankreichs. Ein Datum wurde aber nicht festgelegt. Macron erklärte nur, er werde Kanzlerin Angela Merkel sogleich darüber informieren. Zur Aufhebung der westlichen Russland-Sanktionen wegen der Krim-Annexion schwieg sich Macron aus, obwohl die französische Rechte noch gestern darauf gedrängt hatte. Putin meinte, die Sanktionen könnten nicht zur Stabilisierung der Ostukraine beitragen.

Putins Besuch erhellte zumindest Macrons diplomatische Methode, mit allen zu sprechen, aber in der Sache hart zu bleiben. Der ambitiöse Präsident musste allerdings einsehen, dass er damit wohl nicht weiterkommt als sein Vorgänger. Sein Stil ist zwar weniger jovial und biegsam, doch das schien Putin nicht über Gebühr zu beeindrucken. Auch unter dem neuen «Player» Macron dürften sich die Moskauer und westlichen Positionen weder in der Krim-, Ukraine- noch der Syrien-Frage sehr rasch bewegen.

Auch bei Nebenthemen blieb die Atmosphäre zwischen Macron und Putin eher gespannt. Von Journalisten gefragt, warum er im französischen Präsidentenwahlkampf die Rechtsextremistin Marine Le Pen empfangen habe, antwortete Putin, ihm gehe es um die Rettung der europäischen Nationen.

Dass russische Hacker den Wahlkampf in Paris gestört haben könnten, tat er als nicht belegbare Vermutung von Journalisten ab. Macron bekräftigte seinerseits, dass er Reporter zweier russischer Newsportale, die «Lügen» über ihn verbreitet hätten, nicht akkreditiere. Auch fügte er an, Frankreich werde «wachsam» verfolgen, ob in Tschetschenien weiterhin Homosexuelle verfolgt würden.