Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Frankreich in Flammen, Macron unter Beschuss

Nach einer neuen Krawallnacht denkt die französische Regierung in Paris über die Ausrufung des Ausnahmezustandes nach. Die protestierenden Gelbwesten bleiben aber so unnachgiebig wie Präsident Macron.
Stefan Brändle, Paris
Tränengasgeschwängerte Luft vor dem Arc de Triomphe beim Protest der Gelbwesten. (Bild: Veronique de Viguerie (Paris, 1. Dezember 2018))

Tränengasgeschwängerte Luft vor dem Arc de Triomphe beim Protest der Gelbwesten. (Bild: Veronique de Viguerie (Paris, 1. Dezember 2018))

Das sei ja «wie im Bürgerkrieg», meinte ein englischsprachiger Passant, der sich am Sonntagmorgen bei der Avenue Kléber einen Weg zwischen herausgerissenen Pflastersteinen bahnte. Überall lagen Trümmer einer langen Nacht – geplünderte Läden, eine in Brand gesteckte Bankagentur, dazu ausgebrannte Autowracks und verkohlte Barrikaden. Die Polizei hatte im Viertel zwischen Champs-Élysées und Boulevard Haussmann 412 Randalierer festgenommen. 133 Leute wurden verletzt, mehrere schwer.

Präsident Macron besuchte den Schauplatz am Sonntagmorgen. Er suchte eine verwüstete Brasserie auf, sprach mit Feuerwehrleuten und Polizisten. Einige Zaungäste buhten ihn aus und riefen «Macron, démission!», andere dagegen «tenez bon!» – halten Sie durch! Der Präsident liess sich nicht beirren und suchte zu Fuss den Triumphbogen auf, dessen Eingangshalle für Touristen mit Hämmern zerstört worden war. Ein Polizeivertreter sprach von einer «Stadtguerilla». Ihr waren die gut ausgerüsteten, in Gruppen operierenden CRS-Bereitschaftspolizisten nicht gewachsen, obwohl sie über Wasserwerfer verfügten und 10'000 Tränengaspatronen verschossen.

Proteste in Provinzstädten

Millionen von Franzosen verfolgten die spektakulären Szenen live am Fernsehen, als handle es sich um einen Actionfilm. Macron weiss, dass solche Bilder über den Ausgang des harten Sozialkonfliktes entscheiden werden – und dass es die Franzosen nicht mögen, wenn ein nationales Symbol wie der Arc de Triomphe besudelt wird. «Ich werde diese Gewalt nie akzeptieren», sagte der Präsident. Innenminister Christophe Castaner schloss die Ausrufung des Notstandes nicht aus.

Die Gewalt weitet sich langsam auf das ganze Land aus und richtet sich immer direkter gegen Macron. Erstmals kam es auch in Provinzstädten wie Toulouse, Bordeaux, Marseille sowie im frankofonen Belgien zu Krawallen mit grossen Materialschäden. In Arles starb ein Autofahrer, als er in eine Staukolonne vor einer der zahllosen Autosperren fuhr. Es ist das dritte Todesopfer seit Beginn der Proteste.

«Ich werde diese Gewalt nie akzeptieren.»

Emmanuel Macron, Präsident Frankreichs

Ein Komitee von Gelbwesten publizierte in einer Sonntagszeitung einen Aufruf zur Mässigung. Es zeigt sich bereit, mit der Regierung zu diskutieren – aber nur, wenn die umstrittene Steuer­erhöhung auf Benzin und Diesel zurückgenommen werde. Der Staatschef hat zwar kleinere Konzessionen gemacht, will aber in der Hauptsache hart bleiben, wohl wissend, dass sein gesamter Reformkurs auf dem Spiel steht.

Und damit auch seine politische Zukunft. Der Vorsteher der konservativen Republikaner, Laurent Wauquiez, verlangte ein Referendum über die Steuer- und Umweltpolitik Macrons. Eine solche Volksabstimmung würde sich unweigerlich in ein Plebiszit über den Präsidenten verwandeln – er kommt derzeit nur auf 26 Prozent Zustimmung. Die Gelbwesten werden hingegen von 84 Prozent der Franzosen gestützt. Die Gewaltexzesse in Paris könnten sie allerdings Sympathien kosten.

Linke und Rechte fordern Neuwahlen

Linkenchef Jean-Luc Mélenchon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen erhoben am Sonntag nicht zum ersten Mal die gleiche Forderung: Sie verlangen die Auflösung der Nationalversammlung und die Ansetzung von Neuwahlen. Macron kann angesichts seiner rekordhohen Unpopularität nicht daran denken. Eine politische Antwort auf den Konflikt muss er dennoch finden. Premierminister Édouard Philippe sagte deshalb eine Reise zum Klimagipfel in Polen ab.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.