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FRANKREICH: Macron auf Afrika-Tournee

Der Präsident ersucht beim EU-Afrika-Gipfel um Unterstützung für den Militäreinsatz gegen Terrormilizen in der Sahelzone. Die Kontrolle über seinen «geostrategischen» Hinterhof in Westafrika will Paris allerdings nicht aufgeben.
Macron sieht die Reform als nötigen Schritt gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die bei rund zehn Prozent liegt. (Archivbild) (Bild: Keystone/AP/SETH WENIG)

Macron sieht die Reform als nötigen Schritt gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die bei rund zehn Prozent liegt. (Archivbild) (Bild: Keystone/AP/SETH WENIG)

Es ist die «andere» Front – weniger mediatisiert als der Krieg in Syrien, aber ebenso umkämpft und ohne dass ein Ende absehbar wäre: Frankreich befindet sich im Saharagebiet Malis seit 2013 im Einsatz gegen diverse Terrormilizen wie Aqmi oder Ansar Dine.

Diese Ableger von IS oder ­Al-Kaida vereinen wohl an die 3000 Kämpfer. Die Franzosen, mit 4000 Mann vor Ort, sind ­besser ausgerüstet und durch Sondereinheiten (COS) sowie wüsten­erprobte Fremdenlegio­näre verstärkt. Auf Bitte der malischen Regierung warfen sie die Dschihadisten vor vier Jahren ­relativ schnell über die Grenzen nach Algerien oder Niger zurück. Doch die Gefahr ist keineswegs gebannt. Mit Luftunterstützung von acht Mirage-Kampfjets befindet sich die französische Operation «Barkhane» im Dauereinsatz. Ohne sie wäre das gemässigt islamische Mali – oder zumindest der nördliche Teil davon – heute längst ein islamischer Gottesstaat. Vor Ort sind zwar auch 13 000 – teils zivile – Blauhelme der UNO-Truppe Minusma präsent. Sie hat aber nur eine stabilisierende Wirkung in den Städten und greift nicht in die Kämpfe ein.

Operation kostet jährlich 600 Millionen Euro

Emmanuel Macron hatte bei einem Blitzbesuch in Mali gleich nach seiner Wahl im Mai klargemacht, dass er die «Barkhane»-Strategie seines Vorgängers François Hollande weiterführen will. Selbstverständlich ist das nicht. Die Militäroperation kostet viel Nerven und Geld – 600 Millionen Euro im Jahr. Frankreich, das in Afrika mehrere Militärstützpunkte unterhält, zahlt damit den Preis für seinen geopolitischen Einfluss und seine Wirtschaftsbeziehungen mit seinem ehemaligen Kolonialgebiet; gesichert wird damit auch der AKW-Brennstoff aus den Uranminen in Niger.

Der Generalstab in Paris hat allerdings in den letzten Monaten schon mehrfach klargemacht, dass die französische Armee an ihre Grenzen stosse: Sie überwacht seit den Terroranschlägen von 2015 in Paris das französische Territorium; sie beteiligt sich an der westlichen Koalition in Syrien, sie sichert Konfliktzonen in anderen afrikanischen Ländern wie Kamerun oder der Zentral­afrikanischen Republik; und dazu macht sie an UNO-Missionen in Somalia oder im Libanon mit.

Suche nach Rückendeckung

Vor dieser Ausgangslage verreist Macron heute zu seiner ersten ausgedehnten Afrika-Tournee. In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, will der Staatschef für mehr «Regionaleinsätze» plädieren. Frankreich fördert deshalb die Bildung einer Truppe namens «G5 Sahel», bestehend aus Soldaten aus Mali, Burkina Faso, dem Tschad, Niger und Mauretanien. Anfang November hat diese Einheit ihre erste Mission gestartet; von einer wirklichen Unterstützung der französischen «Barkhane»-Operation ist sie aber noch weit entfernt.

Bevor Macron seine Tournee im anglofonen Ghana beschliessen wird, reist er morgen nach Abidjan in der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste), wo der neuste EU-Afrika-Gipfel stattfindet. Auch dort geht es den Franzosen um mehr Rückendeckung für «Bar­khane». Eine militärische oder ­finanzielle Beteiligung kommt aber für Länder wie Deutschland nicht in Frage. Sie beteiligen sich stattdessen an der Minusma und der Ausbildungsmission für malische Streitkräfte (EUTM). Letztere hat in den letzten vier Jahren immerhin 11 000 lokale Militärs trainiert – fast ein Drittel der ­malischen Armee.

Der französische Generalstabschef François Lecointre gab am Sonntag zu verstehen, diese Einheiten seien heute indes «nicht autonom genug», um der regionalen Gefahr durch die Dschihad-Milizen zu trotzen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will in Abidjan hingegen als Fürsprecherin vermehrter Bildungsanstrengungen in Afrika auftreten.

Die unterschiedlichen Ansätze der Franzosen und Deutschen stehen sich damit bei dem EU-Afrika-Gipfel offen gegenüber. Dabei wären gerade jetzt beide nötig, um dem äusserst unstabilen Westafrika mehr Sicherheit und Zukunftsperspektiven zu vermitteln.

Stefan Brändle, Paris

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