FRANKREICH: Parlamentswahlen: Macron probt die Revolution

Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle zum ersten Durchgang der französischen Parlamentswahlen und dem verblüffenden Triumphzug von Emmanuel Macron.

Stefan Brändle, Paris
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Stefan Brändle

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Der verblüffende Triumphzug des Emmanuel Macron geht weiter. Nach dem ersten Durchgang der französischen Parlamentswahlen liegt die Bewegung «En Marche!» des neuen Staatschefs an der Spitze und steuert bei der Stichwahl in einer Woche auf eine klare absolute Regierungsmehrheit zu: Den «Marcheurs» wurden gestern Abend gut 400 der 577 Parlamentssitze prophezeit.

Frankreichs Politlandschaft wird von der jungen Bewegung «En Marche!» völlig umgepflügt. Der Präsident macht seit seiner Wahl vor einem Monat klar, dass er willens ist, die gesamte Machtfülle seines Amtes auszuüben. Er weiss: Die Franzosen wollen eine starke Staatsführung. Deshalb blickten sie im Parlamentswahlkampf auch über die Finanzaffären des Macron-Lagers hinweg.

Doch wehe, wenn der Präsident die Erwartungen längerfristig enttäuschen sollte: Dann kann sich der Volkszorn rasch gegen den Thronfolger wenden. Macrons politische Macht und Legitimation ist gar nicht so klar definiert, wie es scheint. Und vor allem ist seine Mission, Frankreich wieder auf Kurs zu bringen, höchst diffizil: Die Franzosen wählen zwar gerne Reformer, verweigern dann aber deren konkrete Reformen.

Das ist der Kern des Problems: Wenn die Reformen ausbleiben, bleibt auch die Wirtschaft am Boden. Und wenn sich Frankreich in den nächsten fünf Jahren nicht wieder aufrichtet, wäre bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wohl kein Kraut mehr gegen Le Pen gewachsen. Macron hat deshalb keine andere Wahl, als zu reüssieren – für Frankreich, für Europa. Die Revolution von Emmanuel I. darf nicht auf halbem Weg steckenbleiben.

Stefan Brändle, Paris

nachrichten@luzernerzeitung.ch