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FRANKREICH: Ramadan-Affäre entzweit die Linke

Gegen den Genfer Islamtheologen Tarik Ramadan mehren sich die Vergewaltigungsvorwürfe. Anlass für das Satireblatt «Charlie Hebdo», dem Enthüllungsportal «Mediapart» Komplizenschaft mit Islamismus vorzuwerfen.
Stefan Brändle, Paris
Akteure des politisch aufgeladenen Streits zum Umgang mit dem Islam: der bekannte Enthüllungsjournalist Edwy Plenel (links) und der «Charlie Hebdo»-Karikaturist Laurent Sourisseau alias «Riss» (rechts). (Bild: Joel Saget/Bertrand Guay/AFP)

Akteure des politisch aufgeladenen Streits zum Umgang mit dem Islam: der bekannte Enthüllungsjournalist Edwy Plenel (links) und der «Charlie Hebdo»-Karikaturist Laurent Sourisseau alias «Riss» (rechts). (Bild: Joel Saget/Bertrand Guay/AFP)

Stefan Brändle, Paris

Wird die Affäre aufgebauscht, weil sie einen umstrittenen Islamtheologen trifft? Oder wird selbiger im Gegenteil verschont, weil er sich der muslimischen Sache verschrieben hat? Tatsache ist, dass diese Woche eine zweite Frau mit ihrer Vergewaltigungsklage gegen Tarik Ramadan an die Öffentlichkeit getreten ist. Im Oktober hatte schon eine ehemalige Salafistin ein sehr ähnliches Szenario geschildert und ebenfalls Klage eingereicht. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt in beiden Fällen.

Noch bevor der Rechtsfall aktuell wird, kocht die Affäre politisch hoch. Das Satiremagazin «Charlie Hebdo», das noch immer an den Wunden des Terroranschlags von 2015 mit zwölf Toten leidet, zog diesmal zuerst und zeichnete den Islamtheologen – der alle Vorwürfe bestreitet – auf dem Titelbild mit einer Erektion und der Sprechblase «Ich bin die sechste Säule des Islam». Dann schob es dem Chefredaktor des erfolgreichen Investigativmagazins «Mediapart», Edwy Plenel, in einer Titelkarikatur die Aus­sage unter: «Ramadan-Affäre: Wir wussten von nichts.»

Heftige Vorwürfe gegen «Charlie Hebdo»-Redaktion

Plenel, ein anerkannter Enthüllungsjournalist und Ex-Chef von «Le Monde», konterte mit einem ebenso heftigen Vorwurf: «Charlie» sei wie zur Zeit seiner Mohammed-Karikaturen «islamophob» und liefere den Muslimen ebenso wie der extremen Rechten einen Grund zum «Krieg». An dieser Stelle mischte sich sodann der ehemals sozialistische Ex-Premierminister Manuel Valls ein. Der Verfechter einer kompromisslosen Laizität unterstellte dem «Mediapart»-Gründer einen «Aufruf zum Mord» – was nach dem Massaker in der «Charlie»-Redaktion natürlich einen besonders drastischen Klang hatte. Plenel und «Mediapart» betitelte er als «islamogauchistes», zu Deutsch etwa: als islamfreundliche Linke.

Die politischen Wogen der Debatte gehen mittlerweile so hoch, dass die auslösende Causa Ramadan fast in Vergessenheit gerät. Wie seinerzeit bei der Sexaffäre des einstigen Währungsfondschefs Dominique Strauss-Kahn in New York erweist sich, dass offenbar so mancher schon vor der Öffentlichwerdung der Fälle im Bilde gewesen war. So meinte der frühere Islamberater des französischen Innenministeriums Bernard Godard fast naiv: «Einige Mädchen widerstanden ihm (Ramadan). Er konnte gewalttätig und aggressiv werden – das ja. Aber nie habe ich von ­Vergewaltigungen gehört. Das macht mich sprachlos.»

Doch anders als bei der sogenannten DSK-Affäre um Strauss-Kahn mündet der Fall Ramadan in eine sehr politische Debatte – nicht etwa über sexuelle Belästigung, sondern die Zerrissenheit der französischen Linken in Sachen Islamophobie und Anti­semitismus.

Ex-Minister spricht von «Klima der Konfrontation»

Der frühere Minister unter François Hollande Stéphane Le Foll oder der «Macronist» Pierre Person werfen «Charlie», Valls oder der Feministin Elisabeth Badinter vor, sie schürten ein Klima der Konfrontation. Die «Charlie»-Mitarbeiterin Zineb El Rhazoui entgegnete wütend, die «Komplizen des islamischen Faschismus» täten besser daran, die wahren Feinde der Freiheit zu bekämpfen.

Aus dem Internet kommt das antisemitische Echo, die «Denunziantinnen» Ramadans seien «Huren der Zionisten», die «das Blut der Palästinenser» an den Händen hätten. Nach etlichen Morddrohungen stehen jetzt auch die beiden ­Frauen unter Polizeischutz.

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