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FRANKREICH: Schule untersagt einen zu langen Rock

Eine Mittelschule hat eine 15-jährige Muslimin ausgeschlossen, weil sie in einem langen schwarzen Rock zum Unterricht kam. Das provoziert hitzige Debatten.
Ist die Länge ihres Rocks religiös motiviert? Sarahs Rock ist in Frankreich zu einem Politikum geworden. (Bild: Keystone/Guillaume Levy)

Ist die Länge ihres Rocks religiös motiviert? Sarahs Rock ist in Frankreich zu einem Politikum geworden. (Bild: Keystone/Guillaume Levy)

Stefan Brändle, Paris

Wird in Frankreich nach dem islamischen Kopftuch auch das Tragen knöchellanger Röcke verboten? Diese Frage stellen viele Muslime auf Internet, nachdem die Mittelschule Léo Lagrange in der nordfranzösischen Provinzstadt Charleville-Mézieres eine Schülerin vom Schulgelände verbannt hat.

«Das Gesetz über die Laizität an der Schule verbietet das Tragen von Zeichen oder Kleidern, mit denen die Schüler ihre religiöse Zugehörigkeit ostentativ zur Schau stellen», teilte die Direktion den Eltern des betroffenen Mädchens mit. Die Betonung liegt auf dem Wort «ostentativ»: Wer in Frankreich religiöse Symbole wie Kreuze, Kippas oder Kopftücher auf klar sichtbare oder gar demonstrative Weise trägt, kann von der Schule nicht von der Universität – verbannt werden.

«Normales Kleidungsstück»

Sarah, wie die betroffene Schülerin heisst, war mit einem langen schwarzen Rock in den Unterricht gekommen. Im Alltag trägt sie auch ein «islamisches» Kopftuch; dieses legt sie aber bei Betreten des Schulgeländes ab, wie es das Gesetz von 2004 verlangt. An ihrem Rock, der ihre ganze Beinpartie verdeckt, hielt sie aber fest. «Ein Jupe ist ein ganz normales Kleidungsstück», meinte die Schülerin, die den schlichten Rock bei der französischen Ladenkette Kiabi für 2 Euro gekauft hatte.

Im Internet erhielt sie sofort Unterstützung. Ein Twitter-Hashtag mit dem Namen «Ich trage meinen Rock, wie ich will» wurde eingerichtet, gefolgt von einer Bildserie prominenter Frauen, die lange Röcke tragen. Auch das Kollektiv gegen Islamophobie (CCIF) sah im Schulausschluss einen weiteren Beweis für die Diskriminierung von Muslimen. Im vergangenen Jahr registrierte es 130 Fälle von «missbräuchlicher» Anwendung des Laizitätsgesetzes durch französische Mittelschulen. Auch Laizitätsverteidiger wie Nicolas Cadene warnen vor der Einrichtung einer «Kleiderpolizei».

Direktorin fühlt sich provoziert

Juristisch ist der Fall an sich klar: Kleider oder Accessoires, die durch die Schüler «normalerweise abseits von jeder religiösen Bedeutung getragen» werden, fallen nicht unter das Gesetzesverbot. Also auch ein Rock nicht. Warum wurde die Schülerin dann trotzdem ausgeschlossen?

Die Direktion liess verlauten, es gehe nicht so sehr um das Kleidungsstück, sondern um dessen «Verwendung». Sarah habe Mitte April mit mehreren Kolleginnen versucht, die Schule mit dem Kopftuch zu betreten, doch seien sie abgewiesen worden. Eine Woche später seien sie ohne Kopftuch, aber mit langen schwarzen Röcken erschienen, die laut den Trägerinnen selbst «religiös motiviert» sein sollten.

Es habe sich damit um eine «Provokation» gehandelt; Sarah habe trotz langer Gespräche zwischen den Eltern und der Schulleitung und als Einzige an ihrem Rock festgehalten, weshalb sie von der Schule verwiesen worden sei.

Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem stellte sich hinter die Schule. «Keine Schülerin darf wegen der Länge oder Farbe ihres Rocks aus dem Unterricht ausgeschlossen werden», stellte die aus einer marokkanisch-muslimischen Familie stammende Ministerin klar. Angesichts des «Missionierungseifers» der Schülerin habe der Schuldirektor aber mit der gebührenden Umsicht gehandelt.

Umsetzung des Gesetzes schwierig

Zumindest aber ungeschickt: Der Schuldirektor sprach zuerst nur von der Rocklänge, nicht aber vom Verhalten der Schülerin, das offenbar den eigentlichen Ausschlag für den Schulverweis gegeben hatte. Die Debatte über allfällige Diskriminierung oder gar Islamophobie ist so alt wie das Kopftuchgesetz, nämlich mehr als zehn Jahre. Die konkrete Umsetzung des strikten französischen Laizismus bietet immer wieder Probleme, da die «ostentative» Zurschaustellung religiöser Zeichen naturgemäss subjektiv ist. Angesichts dessen sind die 130 jährlichen Fälle eigentlich sehr wenig zählt doch Frankreich zwölf Millionen Mittelschüler. Die überwältigende Mehrheit der Schulen findet durchwegs einen Weg zwischen der Religionsfreiheit und ihrem Neutralitätsgebot – ohne dass sie die Rocklänge in Zentimetern angeben muss.

Mutter reagiert pragmatisch

Auch Sarahs Mutter zeigte sich nun pragmatisch und erklärte, ihre Tochter werde nach den aktuellen Schulferien auch ohne das beanstandete Kleidungsstück zur Schule kommen. Die Rockträgerin wollte sich dazu nicht äussern.

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