Achtung, Frankreich-Reisende: Die Grande-Nation startet mit der «StopCovid»-App – auch für Touristen

Präsident Emmanuel Macron will mit der App von seinem Versagen ablenken, sagen Kritiker.

Stefan Brändle aus Paris
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Will sein Land mit der "StopCovid"-App aus der Krise führen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. (Bild: Keystone)

Will sein Land mit der "StopCovid"-App aus der Krise führen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. (Bild: Keystone)

Am Pfingstwochenende lanciert Frankreich seine Tracing-App «StopCovid». Schon am Dienstag soll sie in ganz Frankreich in Betrieb sein. Dabei war die App, mit der Ansteckungsketten erkannt und unterbrochen werden sollen, in Frankreichs Parlament äusserst umstritten. Neben der Partei «La République en Marche» von Präsident Emmanuel Macron stimmten nur wenige Abgeordnete dafür. Rund zwei Fünftel der Nationalversammlung und des Senats lehnten die Vorlage wegen Datenschutzbedenken ab.

Die Warn-App, die deutsche und französische Institute gemeinsam entwickelt hatten, war ursprünglich für den ganzen Kontinent gedacht. Ein gesamteuropäisches Vorgehen scheiterte allerdings bald an den unterschiedlichen Vorstellungen. Die Schweiz etwa setzte auf einen dezentralen Ansatz, bei dem die Daten nur auf dem Smartphone gespeichert werden sollten. Frankreich bevorzugte ein System mit einem zentralen Server, auf dem sich mehr Daten speichern und bessere Warn-Algorithmen kreieren lassen.

Auch Touristen sollen die App wenn möglich nutzen

Die zentrale Datenerfassung wirft allerdings ein grundrechtliches Problem auf: Wer garantiert, dass die Daten nicht in die Hände der Staatssicherheit gelangen, wie es in China höchstwahrscheinlich der Fall ist? Oppositionspolitiker wie der Linke Jean-Luc Mélenchon bezeichneten die «StopCovid»-App als «freiheitsraubend». Die Rechtspopulistin Marine Le Pen warf der Regierung vor, sie lanciere die App nur, um davon abzulenken, dass Macron bei der Beschaffung von Tests und Schutzmasken kläglich versagt habe.

Praktisch funktioniert die App so: Eine Covid-infizierte Person, die von einem Arzt als solche erkannt worden ist, lädt die App auf ihr Handy. Wer die gleiche App hat und sich eine Viertelstunde lang näher als ein Meter von dieser Person entfernt aufhält, wird durch ein Bluetooth-Signal auf seinem eigenen Smartphone gewarnt. Das geschieht völlig anonym, das heisst: Gewarnte wissen nicht, welche der Personen in ihrer Umgebung infiziert ist. Auch für Infizierte ist der Download aber freiwillig.

Laut dem französischen Digitalministerium sind 62 Prozent der Franzosen bereit, die «StopCovid»-App herunterzuladen. Bei einer Beteiligung von mehr als 60 Prozent kann die App laut Experten Sinn machen. Vorgesehen ist, dass auch Reisende von ausserhalb Frankreichs und Grenzgänger die App herunterladen können.

In der Schweiz soll die Corona-App des Bundesrates im Juni lanciert werden. Laut einer Umfrage sind 70 Prozent der Schweizer bereit, die App zu nutzen.