Frankreich
Frankreich steckt seinen berühmtesten Spekulanten drei Jahre ins Gefängnis

Jérôme Kerviel, der wohl bekannteste französische Banker wurde schuldig gesprochen. Er brachte die Grossbank Société Générale Ende 2008 im Alleingang an den Rand des Ruins.

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Aus und vorbei

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Keystone

Ein Pariser Gericht befand Kerviel am Dienstag in allen drei Anklagepunkten für schuldig: Fälschung, Veruntreuung und betrügerische Eingabe von Daten in das Computersystem der zweitgrössten französischen Bank.

Zudem ordnete das Gericht an, dass der 33-Jährige seinem früheren Arbeitgeber den entstandenen Handelsverlust von 4,9 Mrd. Euro erstatten muss.

Damit folgte der Richter weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf fünf Jahre Gefängnis, davon eines auf Bewährung, plädiert hatte. Die Bank Société Générale hatte als Nebenklägerin die 4,9 Mrd. Euro Verlust zurückgefordert.

Bank entlastet

Während des zweiwöchigen Gerichtsverfahrens blieb der französische Händler, der inzwischen in der Computerbranche als Berater tätig ist, bei seiner Aussage: Der Verteidiger des 33-jährigen Franzosen forderte einen Freispruch und machte die Bank mitverantwortlich für die Verluste, weil sie das Tun von Kerviel tolerierte, so lange dieser Gewinne machte. Die Bank bestritt den Vorwurf.

"Die von der Verteidigung vorgelegten Elemente lassen nicht darauf schliessen, dass die Société Générale die betrügerischen Handlungen von Jérôme Kerviel kannte", sagte der Richter in seiner Begründung. Kerviels Anwalt kündigte an, gegen die Strafe und die hohe Schadenersatzsumme Berufung einzulegen.

Kerviel hat laut dem Gericht genau gewusst, was er tat, und dies zu vertuschen versucht. Obwohl ihm die Bank eine Limite von 125 Millionen Euro setzte, mit denen er handeln durfte, platzierte Kerviel bis zu 50 Milliarden Euro auf den Märkten.

Nach der Aufdeckung des Skandals hatte die Société Générale die internen Kontrollen deutlich verbessert. Der damalige Chef Daniel Bouton wurde mit einer stattlichen Abfindung entlassen. (sda/mik)