Frankreichs neuer Weg mit neuen Köpfen

Um nach den verlorenen Gemeindewahlen aus der Defensive zu kommen, tauscht Präsident Macron seine Regierung aus. Drei Personen stehen im Rampenlicht.

Stefan Brändle, Paris
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Barbara Pompili, Gérald Darmanin und Elisabeth Borne (v.l.n.r.)

Barbara Pompili, Gérald Darmanin und Elisabeth Borne (v.l.n.r.)

Collage: AP

Barbara Pompili, die neue Nummer drei in Macrons Regierung

Barbara Pompili ist neue Umweltministerin – und sie ist auch die Nummer drei der neuen Regierung von Emmanuel Macron. Nur Premier Jean Castex und Aussenminister Jean-Yves Le Drian figurieren im Protokoll noch vor der 45-jährigen Nordfranzösin. Der Präsident unterstreicht damit die Bedeutung, die er dem Umweltressort beimisst. Das geschieht nicht ganz freiwillig: Die Regierungsumbildung ist eine direkte Folge der Gemeindewahlen von Ende Juni, die Macron verloren und die Grünen – überraschend hoch  – gewonnen hatten. Der Staatspräsident hatte schon am Tag danach versprochen, die Klimavorschläge einer Bürgerkonvention weitgehend einzuhalten.

Mit der Ernennung Pompilis folgt nun der zweite Streich der «ökologischen Rückeroberung», wie die Pariser Medien es nennen. Pompilis Nominierung ist keine Überraschung. Die aus einem kleinen Dorf an der Grenze zu Belgien stammende Politologin gilt als «Realo». Umweltpolitisch liegt sie damit auf der Linie Macrons. Zum Beispiel ist sie für den Abbau des Atomstromanteils am französischen Energiemix – aber nicht für ein Ende der Atomkraft. Ihr Werdegang ist bezeichnend: Ursprünglich Mitglied der französischen Grünen, verliess sie diese Partei, weil sie ihr zu ideologisch war. Mit dem nachmaligen Umweltminister François de Rugy gründete sie die kleine «Parti Ecologiste»; später trat sie in die Macron-Partei «La République en Marche» ein.

Pompili verkörpert die Frauenhälfte der Regierung. Mit ihrer spontanen Art präsentiert sie sich auch medial sehr gut, wobei ihr ihre lange politische Erfahrung zugutekommt. Sie ist eine von wenigen französischen Grünen, die bisher nicht durch Affären, Rücktritte, Anfeindungen oder politische Querelen aufgefallen ist. Lächelnd hielt sie Distanz zum Haifischbecken der französischen Ökologie. Auf dem exponierten Posten der Umweltministerin dürfte ihr das nicht mehr so leichtfallen.

Gérald Darmanin, der Schnellsprecher

Das vielleicht schwierigste Portefeuille übernimmt Gérald Darmanin. Der agile Haushaltminister, der schneller spricht als andere denken können, muss die Polizisten beruhigen. Der bisherige Innenminister Christophe Castaner hatte sie gegen sich aufgebracht, als er ihnen in Reaktion auf die US-Bewegung «Black Lives Matter» untersagt hatte, bei Festnahmen den «Würgegriff» anzuwenden. Darmanin muss aber zugleich auf die Komitees schwarzer Franzosen zugehen, die im Kontakt mit Polizisten ihr Leben gelassen hatten.

Dabei ist Darmanin eher ein Finanzexperte: Der 37-jährige Sohn eines Bistrowirtes und einer Putzfrau hat sich als blitzgescheiter Haushaltminister einen Namen gemacht. Als früheres Mitglied der Konservativen hatte er an Macron harte Kritik geübt. Dass ihn dieser trotzdem mit einem Vertrauensposten betraut, zeugt von den politischen Qualitäten Darmanins.

Elisabeth Borne, die Dossierfeste

Sie wirkt etwas farblos und technokratisch, wird aber in den nächsten Monaten nicht mehr aus dem medialen Rampenlicht kommen: Elisabeth Borne muss sich als neue Arbeits- ministerin um die Arbeitslosen kümmern, deren Zahl in der Coronakrise nach oben schnellt. Bis zu zwei Millionen zusätzliche «chômeurs» könnte Frankreich am Ende des Jahres zählen. Die ganze Wirtschaft hängt von dieser Zahl ab.

Borne gilt als solide Kennerin ihrer Dossiers. Die 59-jährige Ex-Präfektin leitete zuerst die Pariser Metro-Betriebe. Den Sozialisten und ihrer Ex-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal nahestehend, gehörte sie nicht zu den ersten, aber zu den zuverlässigsten, die 2017 ins Macron-Lager überliefen. Seit einem Jahr waltete sie als Umweltministerin. Dabei wurde sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Sie setzte durch, dass alle Fahrradfahrer ihr altes Velo auf Staatskosten instandsetzen können.

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