FRAUEN: «Es ist auch unsere Kirche»

Mit einer besonderen Aktion macht sich eine Gruppe Schweizer Katholikinnen und Katholiken für eine bessere Stellung der Frauen in der Kirche stark. Unterstützung kommt dabei von hoher Stelle.

Andreas Faessler
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Das Ziel der Pilger: der Vatikan. Dem Papst wollen sie ihr Anliegen einer frauenfreundlicheren Kirche überbringen. (Bild Andreas Faessler)

Das Ziel der Pilger: der Vatikan. Dem Papst wollen sie ihr Anliegen einer frauenfreundlicheren Kirche überbringen. (Bild Andreas Faessler)

Die katholische Kirche – eine streng hierarchisch aufgebaute Männerdomäne. Traditionen haben sich innerhalb dieses heute weltumspannenden Konstruktes über zwei Jahrtausende tief verfestigt. Änderungen erfolgen – wenn überhaupt – nur zaghaft und erfordern viel Zeit. Dass aber der Bedarf nach Veränderungen besteht, zeigt sich angesichts des schnellen Wandels der Gesellschaft immer deutlicher. Papst Franziskus hat während seiner bisherigen Amtszeit mehrere zukunftsweisende Zeichen der Öffnung gesetzt und somit vielen Menschen Mut gemacht.

Ein stets besonders intensiv diskutierter Punkt sind die Frauen und deren Rolle in der katholischen Kirche. Viele Frauen fühlen sich von ihr nicht ernst genommen oder gar unwillkommen und somit fremd in der eigenen Kirche. Deshalb will eine entschlossene Gruppe engagierter Katholikinnen und Katholiken aus der Schweiz genau hier ein Zeichen setzen: Mit dem dringenden Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit und Mitspracherecht ganz oben im Gepäck pilgern sie zu Fuss bis nach Rom, um beim Papst persönlich zu deponieren, was sie bewegt.

Mehr Mitspracherecht

Initiantin dieser Mission unter dem Motto «Für eine Kirche mit den Frauen» ist die Theologin Hildegard Aepli vom Amt für Pastoral und Bildung des Bistums St. Gallen. Für sie ist klar: Eine Zukunft der Kirche gibt es nur mit Frauen. «Seit jeher wird innerhalb der Kirche über die Rolle, die Pflichten und die Stellung der Frauen befunden und entschieden, ohne dass diese überhaupt mitreden dürfen.» Sie wünsche sich als Frau mehr Mitspracherecht. «Es ist schliesslich auch unsere Kirche», sagt Hildegard Aepli. «Und wer die Frauen nicht fragt, der schneidet sich von wertvollen Erfahrungen und Charismen ab, die vielen Menschen in der Weltkirche zugutekommen könnten», ergänzt Schwester Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr, die ebenfalls zur Kerngruppe der Pilger gehört.

Mit ihren Bestrebungen will die Pilgergruppe nicht revolutionieren, denn «wir wollen ja keine andere Kirche», betont Hildegard ­Aepli. Auch dass Frauen etwa die Priesterweihe empfangen können sollen, gehöre nicht zu den Zielen dieser Mission. Sie wollen aber aufzeigen, dass aus genannten Gründen ganz klar ein Änderungsbedarf vorhanden sei. Unterstützung erhält die Pilgergruppe dabei selbst von hoher kirchlicher Stelle: Der St. Galler Bischof Markus Büchel sowie Bischof Felix Gmür von Basel stehen hinter den Frauen. Auch wenn Bischof Gmür einräumt, vorerst unsicher gewesen zu sein, ob er sich für das Projekt engagieren könne, so habe er sich im Umkehrschluss eine geschwisterliche Kirche ohne Frauen vorgestellt. «Und das wäre ja ein Irrsinn», war ihm sogleich klar. Seit Jahren versucht Gmür, die Frauen in seinem Bistum zu fördern. Und dasselbe tue auch in Rom not, findet er. Allein die Tatsache, dass bei der Familien­synode vom letzten Oktober keine einzige stimmberechtigte Frau teilnehmen konnte, sei wenig einsichtig, findet er.

Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln bezeugt ebenfalls seinen Zuspruch für das Anliegen der Frauen und wird gemeinsam mit den Bischöfen Büchel und Gmür in Rom sein, wenn die Pilgergruppe eintrifft. Diese besteht neben Hildegard Aepli und Schwester Irene noch aus drei weiteren Frauen und einem Mann. Am 2. Mai nach einer Eröffnungsfeier in der Kathedrale St. Gallen nehmen sie von da ausgehend die rund 1000 Kilometer nach Rom unter die Füsse.

Eucharistie mit Franziskus

Exakt zwei Monate später, am 2. Juli, wollen sie in der Ewigen Stadt vor der Petersbasilika eintreffen und dem Vatikan ihr Anliegen darbringen. Der Papst höchstpersönlich soll von ihren Sehnsüchten erfahren, von ihren Sorgen, Fragen, aber auch von ihren Freuden. «Wir möchten ihn an unseren Erfahrungen teilhaben lassen; wie wir das Christsein leben als Getaufte, die sich darin üben, in ihren Berufungen und Charismen miteinander auf Augenhöhe zu wachsen», führt Hildegard Aepli aus. Ob die Pilgergruppe gar eine Audienz beim Heiligen Vater erhalten wird, ist noch unklar. Sie möchten jedenfalls gemeinsam mit ihm in der Petersbasilika Eucharistie feiern.

Solidarität

Die zielstrebige Gruppe um Hildegard Aepli ist nicht darauf bedacht, ihren weiten Weg allein zu gehen. Im Gegenteil. «Wir freuen uns, wenn wir auf unserer Wanderung nach Rom etappenweise begleitet werden», sagt die Theologin. So hoffen die Verantwortlichen, dass schlussendlich rund 1000 Frauen und Männer das Projekt «Für eine Kirche mit den Frauen» mittragen, indem sie mindestens eine Tagesetappe mitwandern oder aber am 2. Juli in Rom sein werden, um sich mit den Pilgern und ihrem Ansinnen vor Ort zu solidarisieren, damit die Botschaft erhört werde.

Ein «Sommergewitter»

Schwester Irene Gassmann wünscht sich, dass der Rückenwind, auf den sie bei ihrer Mission aller Anzeichen nach zählen können, in Rom in ein Sommergewitter umschlagen möge. «Dafür bete ich. Denn so bedrohlich ein Gewitter auch sein kann – wenn es abzieht, dann ist die Luft und somit auch die Sicht viel klarer.»

Hinweis

Alles zum Projekt sowie zum organisierten oder spontanen Mitpilgern unter www.kirche-mit.ch