Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Österreichische Starköchin
kandidiert bei Europawahlen

Mit Sarah Wiener schicken die österreichischen Grünen eine prominente TV-Köchin ins Rennen um einen Sitz in Strassburg.
Rudolf Gruber, Wien
Sarah Wiener hat mit ihren Shows in Deutschland Karriere gemacht. Bild: Nareyek/Getty Matthias Nareyek (Berlin, 12. September 2018)

Sarah Wiener hat mit ihren Shows in Deutschland Karriere gemacht. Bild: Nareyek/Getty Matthias Nareyek (Berlin, 12. September 2018)

Sie ist eine der populärsten Fernsehköchinnen, schrieb mehrere Kochbücher, ist Chefin von drei Restaurants und einer Cateringfirma in Deutschland. Jetzt zieht es Sarah Wiener in die Politik: Am Wochenende kündigte sie «stolz, aber demütig» ihre Kandidatur bei den Wahlen für das neue Europaparlament am 26. Mai an.

Was treibt diese Frau an, mit 56 Jahren in die Politik einzusteigen? Sie versteht sich als Mitglied einer couragierten Zivilgesellschaft, die angesichts des europaweit grassierenden Rechtsextremismus gefordert sei, sagt sie. Österreichs Grünen-Chef Werner Kogler hat ein bisschen nachgeholfen: Er hatte Wiener die Kandidatur angeboten, um die Chancen der darniederliegenden Ökopartei bei der Europawahl mit einem sympathischen Promi-Gesicht zu erhöhen.

Wieners Band zu den Grünen ist ihr jahrelanger Einsatz für biologische Landwirtschaft und gentechnikfreie Nahrungsmittel. Seit 2007 setzt sich ihre Stiftung für gesunde Ernährung in Schulen und Kindergärten ein. Um die Bedeutung für naturnahe Lebensmittel zu unterstreichen, bemühte sie bei ihrer Pressekonferenz ein Brecht-Zitat – jedoch nur zur Hälfte: «Erst kommt das Fressen, dann alles andere.» Im Original heisst es nach dem Komma aber «dann kommt die Moral». Es war beinahe so, als fürchtete sie, im Wahlkampf als Moralistin verspottet zu werden.

Unbändiger Freigeist

Dabei ist Sarah Wiener seit ihrer Jugend ein unbändiger Freigeist. 1962 im westfälischen Halle geboren, wächst sie bei ihrer Mutter und mit zwei Geschwistern in Wien auf. Ohne Schulabschluss und erlerntem Beruf tingelt sie erst einmal durch Europa, ehe sie als 20-Jährige nach Berlin zieht, zu ihrem Vater, dem bekannten österreichischen Schriftsteller Oswald Wiener. Dieser betreibt nebenbei ein Lokal. Tochter Sarah hilft als Kellnerin aus und entdeckt ihre Leidenschaft für das Kochen. 1990 gründete sie ihr erstes eigenes Lokal, mittlerweile ist sie Grossgastronomin und beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Ihre Auftritte in Kochshows im deutschen Fernsehen machten sie im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt.

Ihre Europa-Kandidatur für Österreichs Grüne begann allerdings mit einem kleinen Missgeschick: Sie sollte erst im April publik gemacht werden, doch Boulevardblätter veröffentlichten die Überraschung vorzeitig. Sie ist auf dem zweiten Platz hinter dem Spitzenkandidaten Werner Kogler gereiht. Auf einem Parteikongress muss noch die Zustimmung der Basis eingeholt werden, doch dürfte sich der Widerstand in Grenzen halten.

Sarah Wiener sammelte zwar durch ihr Engagement bei verschiedenen Initiativen politische Erfahrung, doch Wahlkampf und Kandidatur sind für sie Neuland. Das grüne Urgestein Kogler wird ihr beistehen müssen. Kogler hat inzwischen die Reste der Grünen, die 2016 nach Führungskonflikten und programmatischen Fehlern aus dem österreichischen Nationalrat geflogen waren und sich danach gespalten haben, aufgesammelt. Die kommende Europawahl ist der erste Test. Die Latte ist hoch gelegt: Bei der letzten Wahl für das Strassburger Parlament 2014 erzielten sie mit 14,5 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis ihrer 35-jährigen Geschichte. Nun würden sich Österreichs Grüne schon zufriedengeben, wenn sie im Europaparlament blieben – nicht zuletzt mit Hilfe von Sarah Wiener.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.