Auszeichnung
Friedensnobelpreis hat 2014 niemand verdient – auch Burkhalter nicht

Am Freitag verkündet das norwegische Nobelpreiskomitee den Friedensnobelpreisträger 2014. Warum es dieses Jahr jedoch keinen Gewinner geben sollte.

Bastian Heiniger
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OSZE-Vorsitzender Didier Burkhalter (Archiv)

OSZE-Vorsitzender Didier Burkhalter (Archiv)

Keystone

2014 ist scheinbar ein gutes Jahr für den prestigeträchtigen Friedensnobelpreis. Insgesamt stehen 278 Nominierte auf der Liste – so viele wie nie zuvor. «Als Martin Luther King den Preis vor genau 50 Jahren bekam, musste er sich nur gegen 43 andere Kandidaten durchsetzen», sagte der abtretende Geir Lundestad. Als Direktor des Nobelinstituts hat er ein Vierteljahrhundert lang über die Kandidatenliste gewacht und mitverfolgt, wie das Interesse an dem Preis stets gewachsen ist. Obwohl Lundestad die Nominierten geheim hält, kursieren – wie jedes Jahr – Namen der Favoriten.

Nachdem der Preis 2013 unerwartet an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ging, könnte das Komitee nun erneut überraschen: Wie wäre es zum Beispiel mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und deren gegenwärtigem Vorsitzenden Didier Burkhalter? Die OSZE ist im Ukraine-Konflikt die einzige von beiden Seiten anerkannte Vermittlerin. Eine couragierte Wahl wäre auch der US-Whistleblower Edward Snowden, der unter anderem neben Papst Franziskus oder dem deutschen Altkanzler Helmut Kohl vorgeschlagen ist.

Gegen Snowden sprechen indes zwei Gründe: Erstens wird er von seiner Regierung offiziell als Verräter gesucht, zweitens sucht er Schutz in Russland – in einem Land also, dessen Regierung 2014 nicht gerade zum Weltfrieden beigetragen hat. Bei den Buchmachern steht auch ein Mädchen hoch im Kurs: die 17-jährige Malala Yousafzai. Bereits letztes Jahr wurde sie als grosse Favoritin gehandelt, weil sie in ihrer Heimat Pakistan für das Recht von Kindern auf Bildung kämpft.

Doch angesichts der gegenwärtigen Weltlage käme dieses Jahr eigentlich nur ein Gewinner infrage: niemand. Wenn die Verleihung dieses Mal ausbliebe, wäre das ein Signal an Regierungen und internationalen Institutionen, die durch ihre Fehlentscheide der letzten Jahre zu den derzeitigen Krisen beigetragen haben. Dazu gehört nicht zuletzt der Aufstieg der Terrororganisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien – der gegenwärtig grösste Krisenherd.

In Europa musste die internationale Gemeinschaft zusehen, wie Russland die Krim annektierte. Seit Jahrzehnten ist damit wieder eine Landesgrenze in Europa gewaltsam verschoben worden. Abgesehen vom Konflikt in der Ostukraine forderte der Gaza-Konflikt im vergangenen Sommer mehr als 2000 Menschenleben.

2014 ist auch das Jahr, in dem die nigerianische Terrororganisation Boko Haram mehr als 300 Mädchen entführte und dadurch erst die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich zog. Und es ist das Jahr, in dem mehrere Länder in Westafrika von Ebola heimgesucht werden. Eine Seuche, die sich nach Jahrzehnten der Bürgerkriege auch aufgrund des mangelnden Gesundheitssystems ausbreiten konnte.