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«Früher oder später muss sie ersetzt werden»: Was ein Experte vor zwei Jahren über die Unglücksbrücke von Genua sagte

In Italien herrschen Fassungslosigkeit und Bestürzung über den Brückeneinsturz von Genua, der zahlreiche Menschen das Leben gekostet hat. Die Konstruktion wurde von Fachleuten bereits seit Jahren kritisiert.
Almut Siefert, Rom
Blick auf die Unglücksbrücke in Genua. (Bild: Keystone)

Blick auf die Unglücksbrücke in Genua. (Bild: Keystone)

Das Bild wackelt, zu sehen sind graue Trümmer, Regen und eine Strasse, die ins Nichts führt. «O dio, o dio, o dio», schreit ein Mann fassungslos im Hintergrund des Videos, das ein Augenzeuge mit seinem Handy aufgenommen hat.

Am Dienstagmittag ist im norditalienischen Genua eine vierspurige Autobahnbrücke eingestürzt. Mindestens 35 Menschen kamen dabei ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. «Wir sehen da unten in den Trümmern Autos, deren Scheinwerfer noch eingeschaltet sind», erzählt wenige Minuten später ein Augenzeuge dem Radiosender «Rai uno». «Es ist eine Katastrophe. Ich habe für das, was ich hier sehe, keine Worte.»

Das Viadukt überquert unter anderem Einkaufszentren, Fabriken, Wohnhäuser, Eisenbahnlinien und den Fluss Polcevera. (Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Einsatzkräfte in Genua, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
(Bild: Keystone/Luca Zennaro, 14. August 2018)
15 Bilder

Unglück bei Genua: Autobahnbrücke stürzt ein

Ferienverkehr in ganz Italien

Die Augenzeugen erzählen von regem Verkehr, der auf dem Ponte Morandi herrschte, als diese rund 40 Meter hohe Brücke um kurz vor zwölf Uhr mittags auf einer Länge von etwa 100 Metern einstürzte. In ganz Italien herrscht derzeit Ferienverkehr: An diesem Mittwoch ist Ferragosto, Mariä Himmelfahrt, der wichtigste Feiertag, der in Italien traditionell am Meer verbracht wird.

Über die Gründe des Einsturzes der Brücke wurde am Dienstag bereits spekuliert. In einigen italienischen Medien hieß es, sie sei wegen des Unwetters, das zur Unglückszeit über Genua wütete, zum Einsturz gekommen. Auch soll kurz zuvor ein Blitz in die Brücke eingeschlagen haben. Auch auf dem Handyvideo eines Augenzeugen ist ein weisser Lichtstrahl zu sehen. Ob es sich tatsächlich um einen Blitz handelt oder ob dieser durch den Einsturz entstand, ist nicht zu sehen.

Seit langem in der Kritik

Klar ist: Die Brücke stand seit Jahren unter Beobachtung – und auch seit langem in der Kritik. «Das Ingenieurwesen ist beim Ponte Morandi gescheitert», sagte Antonio Brencich, Dozent an der Universität für Ingenieurswissenschaften in Genua. Und zwar tat er dies bereits 2016. «Früher oder später muss diese Brücke ersetzt werden. Es wurden bereits so viele Instandhaltungsarbeiten geleistet, dass es langsam günstiger wäre, etwas Neues zu bauen», so der Experte.

«Das Problem des Ponte Morandi ist, dass die Verbindungen der Seile aus Beton sind und nicht aus Metall», sagte Diego Zoppi, Mitglied des Nationalen Rates der Architekten, am Dienstag. «In den 1960er Jahren hat man nicht in Betracht gezogen, dass Beton sich absenkt und dann zusammenfällt. Vor 50 Jahren hatte man noch alles Vertrauen in den Beton gesetzt – auch darin, dass er ewig hält. Heute weiss man, dass er nur wenige Jahrzehnte überdauert.»

Vier Jahre Bauzeit

Die Brücke, die über den Fluss Polcevera, Gleisanlagen und ein Wohn- und Gewerbegebiet führte, wurde am 4. September 1967 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht. Benannt ist sie nach dem italienischen Ingenieur Riccardo Morandi, der die Schrägseilbrücke entworfen hat. Gebaut wurde sie zwischen 1962 und 1967 von der Società Italiana per Condotte d’Acqua. Diese war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

«Ständig überwacht»

Die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia teilte nach dem Unglück auf ihrer Internetseite mit, dass an der Sohle der Brücke aktuell gearbeitet worden sei, um das Fundament der Fahrbahn zu verstärken. Auf der Brücke selbst habe ein Baukran gestanden. «Die Arbeiten und der Gesamtzustand der Brücke wurden ständig überwacht», heisst es in der Mitteilung. Die Ursache werde gründlich untersucht, sobald die Unglücksstelle sicher betreten werden könne. Der Vize-Verkehrsminister Edoardo Rixi sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender SkyNews24: «Es ist inakzeptabel, dass eine so wichtige Brücke nicht in einer Art und Weise gebaut war, dass ein Einsturz ausgeschlossen ist.»

«Schlicht unfassbar»

Die Brücke, die Teil der Autobahn 10 entlang der Riviera war, war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Genua. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung des Hafens sind auch vermehrt Schwertransporte darüber gefahren - ein weiterer Punkt, über den nun spekuliert und diskutiert wird. Doch am Dienstag sind vor allem die Trauer und die Fassungslosigkeit gross. «Non c‘è più il ponte» - «die Brücke gibt es nicht mehr», sagt ein Retter. «Es ist schlicht unfassbar.»

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